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Die Übernahme von Syngenta muss noch verschiedene Aufsichtsbehörden passieren.
Die Übernahme von Syngenta muss noch verschiedene Aufsichtsbehörden passieren.(Foto: dpa)

ChemChina will Syngenta kaufen: Megadeal dürfte die USA verärgern

Für China geht es um Nahrungsmittel-Sicherheit. Die Schweiz baut ihre Handelsbeziehungen nach Peking aus. Kennt die Milliarden-Übernahme von Syngenta durch ChemChina also nur Gewinner? Nein! Washington könnte sich dagegen stellen.

Aus Pekinger Perspektive dreht sich alles um zwei Zahlen. China muss mit 10 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche 20 Prozent der Bevölkerung der Welt ernähren. Und mit steigendem Wohlstand und Fleischkonsum verbraucht das Milliardenvolk auch immer mehr Getreide.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat die Steigerung der Agrarproduktion deshalb zu einer vorrangigen Aufgabe gemacht. Er sucht Nahrungsmittel-Sicherheit und setzt stark auf genetisch veränderte Pflanzen, die höhere Erträge versprechen und die Abhängigkeit von Pestiziden und Düngemitteln verringern sollen. Dabei kommt der Milliarden-Übernahme des Schweizer Agrarchemie-Konzerns Syngenta durch ChemChina jetzt eine entscheidende Rolle zu.

Es ist der vorläufige Höhepunkt in einer ganzen Reihe chinesischer Übernahmen und Zusammenschlüsse im Ausland, die sich im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 112 Milliarden US-Dollar erhöht hat, wie das Beratungsunternehmen Dealogic berichtet. Mit 12,5 Milliarden Dollar allein im Januar verbuchten sie den bislang schnellsten Start ins Jahr. Ein Grund könnte der Druck auf die chinesische Währung sein, da eine Abwertung künftige Übernahmen nur teurer machen würde.

Zugang zu modernsten Technologien

Allerdings muss der chinesisch-schweizerische Mega-Deal erst noch von verschiedenen Aufsichtsbehörden genehmigt werden. Syngenta-Chef John Ramsey übt sich in Optimismus, was die eidgenössische Seite betrifft: "Wir bleiben eine Schweizer Firma, der Hauptsitz bleibt in der Schweiz, und es wird kein einziger Arbeitsplatz abgebaut - weltweit." Dennoch kann mit politischem Gegenwind gerechnet werden, vor allem in den USA.

Ren Jianxin ist Vorsitzender von ChemChina, Michel Demare Vorstandschef von Syngenta.
Ren Jianxin ist Vorsitzender von ChemChina, Michel Demare Vorstandschef von Syngenta.(Foto: dpa)

Nach der Fusion mit Syngenta wäre der Staatsbetrieb ChemChina nicht nur der weltweit größte Hersteller von Pflanzenschutzmitteln und einer der wichtigsten von Saatgut. Die Chinesen bekämen auch Zugang zu Technologien, für deren Entwicklung aus eigener Kraft sie womöglich noch Jahre benötigt hätten. Zudem würde sich Syngenta, wenn die Fäden künftig in Peking gezogen werden, bei der Berichterstattung über seine Aktivitäten und Ergebnisse wohl eher nach chinesischen Regeln richten. Kritische Investoren und Finanzanalytiker hätten womöglich weniger Einblick.

Der Schweizer Spitzentechnologie-Konzern käme - wie die "Neue Zürcher Zeitung" warnte - "unter die Kontrolle eines Staatsbetriebs, von dem sowohl in China wie im Westen wenig bekannt ist und der seinerseits unter dem Einfluss einer kommunistischen Regierung steht". Washington könnte durchaus bitter aufstoßen, dass weltweit führende Biotechnologie sowie Mittel zum Schutz der Getreideproduktion in die Hände eines Konzerns mit engen Beziehungen zur Regierung in Peking fallen. Zumal Syngenta der größte Pestizid-Verkäufer in den USA ist und dort ein Viertel seines Geschäfts macht. Daher könnte eine Genehmigung der Übernahme durch die Kommission für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) schwierig werden. Das Gremium prüft solche Deals auf Gefahren für die nationale Sicherheit der USA.

Ausbau der Beziehungen zu China

Dass es dabei schnell mal politisch wird, hat China schon schmerzhaft erfahren müssen. So scheiterte im vergangenen Monat der geplante Verkauf der Lichtsparte Lumileds von Philips an eine Investorengruppe aus China. Sicherheitsbedenken im US-Kongress kippten 2005 die Übernahme des amerikanischen Energiekonzerns Unocal für 18,5 Milliarden US-Dollar durch die China National Offshore Oil Corporation (CNOOC), was China sehr verärgert hatte. Und auch der Telekomkonzern Huawei - weltweit die Nummer zwei der Netzwerkausrüster - bekommt in den USA kein Bein auf die Erde, weil die Amerikaner Sicherheitsbedenken gegen das private chinesische Unternehmen geltend machen.

Für die Schweiz passt das Milliardengeschäft derweil bestens zu ihrer langfristigen Außenwirtschaftspolitik, die auf Diversifizierung und Verringerung der Abhängigkeit vom europäischen Markt setzt. China gilt als strategischer Partner, seit beide Länder 2013 ein Freihandelsabkommen abschlossen. Ab 2014 fielen dadurch in der Alpenrepublik Zölle für Industrie-Exporte aus dem Reich der Mitte weg. Zugleich begann dort der Abbau von Handelsschranken für Schweizer Produkte. Eine Studie der Außenwirtschaftsorganisation Switzerland Global Enterprise (SGE) geht davon aus, dass Schweizer Ausfuhren nach China dank des Freihandelsabkommens jährlich um 5 Prozent wachsen.

Quelle: n-tv.de

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