Wirtschaft
Der umstrittene Pharma-Chef Martin Shkreli ist wegen Verdachts auf Betrug verhaftet worden.
Der umstrittene Pharma-Chef Martin Shkreli ist wegen Verdachts auf Betrug verhaftet worden.

Martin Shkreli unter Betrugsverdacht: "Meistgehasster Mann Amerikas" verhaftet

Von Hannes Vogel

Er kaufte die Rechte an einer lebensrettenden Billigpille, nur um den Preis auf 750 Dollar hochzuschrauben. Das machte Martin Shkreli zum Hassobjekt. Womöglich hat der Pharma-Bad-Boy noch Schlimmeres getan.

In der Öffentlichkeit ist der Mann bislang als skrupelloser Pharmamanager bekannt, der mit lebensrettenden Medikamenten astronomische Profite macht. Doch nun hat Martin Shkreli neue Schlagzeilen gemacht, die ihn vollends ins Zwielicht rücken. Laut einem Bericht der "New York Times" (NYT) wurde Shkreli am Donnerstag in seiner Wohnung in Manhattan verhaftet. Das FBI hat Shkrelis Festnahme gegenüber US-Medien bestätigt.

Die Verhaftung soll laut der Zeitung nichts mit den astronomischen Preissteigerungen für ein Medikament zu tun haben, mit der Shkreli kürzlich zum Hassobjekt in den US-Medien und im Internet wurde. Vielmehr soll es um seine frühere Zeit als Hedgefonds-Manager und Chef der Pharmafirma Retropin gehen. Shkreli leitete das Unternehmen ab 2012, als er bei der Investmentfirma MSMB Capital arbeitete. Mit Retropin entwickelte Shkreli seine umstrittene Geschäftsidee: uralte, patentfreie Billigmedikamente gegen seltene Krankheiten aufkaufen und den Preis in die Höhe treiben. Retropin feuerte Shkreli Ende 2014.

"Moralisch bankrotter Soziopath"

Seitdem hat Shkreli die Idee mit seiner neuen Firma Turing Pharmaceuticals im wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze getrieben. Er kaufte die Rechte an dem lebensrettenden Medikament Daraprim und erhöhte über Nacht den Preis für eine Pille von 13,50 auf etwa 750 Dollar. Die Herstellungskosten liegen bei einem Dollar. "Moralisch bankrotter Soziopath", "Drecksack" und "alles was falsch ist am Kapitalismus" nannten ihn Nutzer im Internet daraufhin. "Gemessen an den sozialen Netzwerken", schrieb die britische BBC damals, "könnte Martin Shkreli gerade der meistgehasste Mann in Amerika sein". Sogar Hillary Clinton schaltete sich ein und verlangte Ermittlungen.

In seiner Zeit bei Retropin hat Shkreli womöglich nicht nur moralische Regeln verletzt, sondern das Gesetz gebrochen. Die Firma wirft ihm vor, Geld abgezweigt zu haben, um wütende Anleger ruhigzustellen, die Geld mit seinem Hedgefonds verloren hatten. Shkreli habe Retropin wie eine Art persönliches Sparschwein benutzt, behauptet die Firma. Shkreli sei "der Prototyp des untreuen Angestellten" gewesen, zitiert die "NYT" aus der Klage von Retropin. Er habe ab 2012 bis zu seinem Ausscheiden "seine Kontrolle über Retropin ausgenutzt, um sich zu bereichern und Forderungen von MSMB-Investoren zu bezahlen, die er betrogen hat".

Laut der Klage soll Shkreli einige seiner aufgebrachten Anleger als Scheinberater bei Retropin angestellt haben, um ihnen Geld zuzuschanzen. Um diese Vorwürfe sollen sich laut "NYT" nun auch die Ermittlungen drehen, die zu Shkrelis Verhaftung geführt haben. Shkreli hatte zuvor in Interviews mit Blick auf die Klage gesagt, sie sei unberechtigt und lediglich ein Versuch von Retropin, sich um eine Abfindung zu drücken.

Quelle: n-tv.de

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