Wirtschaft
Angela Merkel beharrt darauf, dass Zyperns Bankensektor seinen Beitrag leistet.
Angela Merkel beharrt darauf, dass Zyperns Bankensektor seinen Beitrag leistet.(Foto: AP)

Zwei Zypern-Banken wohl am Ende: Merkel fordert Alternativvorschläge

Das vor der Pleite stehende Zypern hält Europa in Atem. Bundeskanzlerin Merkel fordert die Regierung in Nikosia auf, an einer Lösung des Problems mitzuarbeiten. Sie wartet auf entsprechende Vorschläge aus Nikosia. Zyperns Finanzminister Sarris verhandelt in Russland über die Verlängerung eines existierenden Kredits. Die Bank of Cyprus und die Cyprus Popular Bank werden voraussichtlich nicht wieder öffnen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Zypern nach der Ablehnung der Bedingungen für finanzielle Hilfen durch das Parlament in Nikosia zu alternativen Lösungsvorschlägen aufgefordert. "Wir werden jetzt sehen, welche Vorschläge Zypern der Troika macht", sagte die CDU-Politikerin. "Zypern ist unser Partner im Euro-Bereich. Deshalb sind wir verpflichtet, gemeinsam eine Lösung zu finden."

Merkel bedauerte die Ablehnung des Hilfspakets der Troika aus EU, EZB und IWF und bekräftigte, der Bankensektor des von Staatspleite bedrohten Landes müsse einen Beitrag zur Sanierung bringen. Anleger über 100.000 Euro sollten einen Beitrag leisten, sagte die Kanzlerin.

EZB-Direktoriums-Mitglied Jörg Asmussen forderte Zypern auf, auf die Verabschiedung eines Rettungspakets hinzuwirken. "Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass ein Hilfsprogramm im besten Interesse Zyperns und aller Mitgliedstaaten der Eurozone ist", sagte Asmussen der "Zeit". Er bekräftigte, dass Zypern innerhalb der Eurozone ein Einzelfall sei. Die Zeit dränge, betonte Asmussen weiter. Den zyprischen Banken drohe die Insolvenz, "wenn nicht bald ein Hilfsprogramm für Zypern beschlossen wird, das eine rasche Rekapitalisierung des Bankensektors gewährleistet". Die EZB könne "Notfallliquidität nur solventen Banken gewähren".

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle bewertete eine Staatspleite Zyperns als nicht wünschenswert, aber beherrschbar für den Euro-Raum. Ein Austritt des Krisenlandes aus dem Euro sei zwar "denklogisch möglich", werde aber von niemandem forciert: "Wir wollen sie nicht raus drängen", sagte Brüderle. Der zyprische Staat und seine Banken seien faktisch bankrott. Für ihn sei völlig unverständlich, warum nicht ein einziger Abgeordneter für das Verhandlungsergebnis des eigenen Staatspräsidenten in Brüssel gestimmt habe, sagte Brüderle weiter.

Spielen der russischen Karte

Zypern hofft nun auf Hilfen aus Russland und hat deswegen um eine Verlängerung eines existierenden Kredits im Volumen von 2,5 Milliarden Euro um fünf Jahre sowie um einen Zinsnachlass gebeten. Finanzminister Michalis Sarris sucht derzeit in Moskau einen Ausweg aus der drohenden Staatspleite. Nach Gesprächen mit dem russischen Finanzminister Anton Siluanow traf Sarris auch Vize-Regierungschef Igor Schuwalow. Mit Siluanow habe es zunächst keine endgültige Einigung gegeben. "Wir hatten sehr gute, sehr konstruktive Gespräche und ehrliche Verhandlungen", sagte Sarris nach dem Treffen mit seinem russischen Kollegen. Die Gespräche würden nun an einem anderen Ort in Moskau fortgesetzt, bis eine Lösung gefunden werde.

Örtliche Medien spekulierten unterdessen, der russische Energiekonzern Gazprom könnte möglicherweise Zyperns Banken mit Geld versorgen und im Gegenzug Anteile an zyprischen Offshore-Energiefeldern verlangen.

Die Ukraine könnte von einer möglichen Pleite des Euro-Krisenlandes Zypern stärker betroffen sein als erwartet. Schätzungen ehemaliger Top-Banker zufolge haben Unternehmen und Privatleute aus der Ex-Sowjetrepublik zwischen 10 und 20 Milliarden Euro auf zyprischen Konten geparkt, wie Medien in Kiew berichteten. Zunächst war von deutlich niedrigeren Beträgen die Rede gewesen. Experten vermuten, dass viele ukrainische Kontoinhaber wegen ihrer slawischen Namen für Russen gehalten wurden.

Zwei Banken öffnen wohl nicht mehr

Nach der Zurückweisung des EU-Hilfspakets für Zypern durch das Parlament in Nikosia sieht der zyprische Innenminister Sokratis Hasikos zwei zyprische Großbanken vor dem Abgrund. "Die Troika akzeptiert unseren Plan B nicht" sagte Hasikos. Bei einer Telefonkonferenz am Dienstagabend hätten die Troika-Vertreter "im Prinzip gesagt, dass die Bank of Cyprus und die Cyprus Popular Bank voraussichtlich nicht wieder öffnen werden".

Die zyprischen Geldinstitute werden voraussichtlich bis kommenden Dienstag geschlossen bleiben. Zudem soll es für unbestimmte Zeit Einschränkungen für Überweisungen ins Ausland geben, verlautete aus Kreisen der Regierung und der Zentralbank in Nikosia. Offiziell wurde dies jedoch nicht bestätigt. Eine Erklärung sollte am Nachmittag ausgegeben werden.

Die Banken sind bereits seit fünf Tagen geschlossen. Am kommenden Montag ist Feiertag auf Zypern. Bis dahin hoffen die Behörden, eine Lösung zum Thema des Finanzproblems Zyperns gefunden zu haben. Auch nach der Öffnung werde es jedoch eine Sperre für Überweisungen ins Ausland geben. Ein entsprechendes Gesetz werde ausgearbeitet, hieß es aus dem Umfeld der zyprischen Zentralbank.

Verfolgen Sie die Geschehnisse auf Zypern auch im n-tv.de Liveticker.

Quelle: n-tv.de

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