Wirtschaft
Seit 2006 arbeiten Merkel und Weidmann eng zusammen.
Seit 2006 arbeiten Merkel und Weidmann eng zusammen.(Foto: REUTERS)

Weidmann erwog Rücktritt: Merkel schaltete sich ein

Bundesbank-Präsident Weidmann hat keinen leichten Job. In der EZB steht er mit seiner Kritik am Ankauf weiterer Staatsanleihen von Krisenstaaten weitgehend allein da. Deshalb erwog er offenbar mehrmals seinen Rücktritt - doch Kanzlerin Merkel intervenierte persönlich.

Im Richtungsstreit über Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel einem Zeitungsbericht zufolge persönlich für den Verbleib von Jens Weidmann an der Spitze der Bundesbank eingesetzt, damit er in der EZB weiter seine Position vertreten könne. Dies berichtete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Finanz- und Regierungskreise.

Weidmann und Merkel hätten ein intensives Gespräch im Kanzleramt geführt, schrieb das Blatt. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble habe Weidmann in einem weiteren Gespräch zum Bleiben gedrängt.

Die Zeitung hatte am Freitag berichtet, Weidmann habe wegen des sich abzeichnenden Anleihekaufprogramms der EZB zugunsten klammer Euro-Länder in den vergangenen Wochen mehrfach seinen Weidmann erwog Rücktritt erwogen. Bundesbank wie auch Weidmann hatten den Bericht nicht bestätigen wollen. Die Zeitung berichtete zudem, die Bundesregierung habe intern darauf gedrungen, dass Weidmann im Amt bleibe.

Dass sich Merkel offenbar sogar persönlich einsetzte, war bislang nicht bekannt. Vize-Regierungssprecher Georg Streiter wollte sich Freitag dazu nicht direkt äußern, und sagte lediglich, Merkel stärke Weidmann den Rücken, dass er möglichst viel Einfluss innerhalb der EZB habe. Weidmanns Vorgänger Axel Weber und EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hatten ihre Ämter im Streit um den geldpolitischen Kurs der EZB niedergelegt.

Wiemann auf einsamem Post

Der Bundesbank-Präsident wehrt sich vehement dagegen, dass die EZB im Kampf gegen die Schuldenkrise weitere Staatsanleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien kauft. Nach seiner Überzeugung verstößt die Notenbank damit gegen das Verbot der Staatsfinanzierung mit Hilfe der Notenpresse. Mit dieser Haltung steht Weidmann im obersten Entscheidungsgremium der EZB, dem Rat, im Grunde alleine da.

EZB-Chef Mario Draghi hatte jüngst angekündigt, im Rahmen seines Mandats alles zum Erhalt des Euro zu tun. Zugleich stellte er ein Anleihenankaufprogramm für Schuldenstaaten in Aussicht, die sich unter den Euro-Rettungsschirm begeben und sich im Gegenzug zu Reformen verpflichten. Weidmann hatte den Kurs massiv kritisiert und im "Spiegel" davor gewarnt, dass eine solche Hilfe "wie eine Droge" zur Abhängigkeit der Schuldenländer führen könne. Zudem sieht der oberste Notenbanker Deutschlands die Gefahr, dass die Retter-Rolle der EZB in der Eurokrise die Zentralbank in Konflikt mit ihrer wichtigsten Aufgabe bringen würde, die Preise stabil zu halten.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen