Wirtschaft
In Caracas verlässt eine Frau einen Laden, in dem sie Toilettenpapier gekauft hat.
In Caracas verlässt eine Frau einen Laden, in dem sie Toilettenpapier gekauft hat.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Versorgungskrise in Venezuela: Messwein und Toilettenpapier werden knapp

Venezuela besitzt zwar immense Ölvorräte, dennoch mangelt es in dem Land an Dingen des täglichen Gebrauchs. Einen Engpass von Toilettenpapier will die Regierung beheben - derweil sieht die katholische Kirche angesichts der Wirtschaftsmisere Gottesdienste in Gefahr.

Die Lebensmittelknappheit in Venezuela hat nun auch die katholische Kirche erreicht: Weil es an Messwein und Mehl zur Herstellung von Hostien fehle, droht der Bischof des westlichen Bundesstaats Mérida nun, die Zahl der Gottesdienste deutlich zu reduzieren. "Wenn wir keinen vernünftigen Gottesdienst mehr halten können, müssen wir die Eucharistiefeiern zusammenstreichen, was sehr bedauerlich wäre", sagte Bischof Baltazar Porras. Nach seinen Angaben reichen die Vorräte an Messwein in Mérida nur noch für zwei bis drei Monate. Auch der Vorrat an Hostien sei "sehr begrenzt", da den Nonnen das Mehl ausgehe.

Venezuelas Einwohner sind den ständigen Mangel an Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs wie etwa Toilettenpapier gewöhnt. Venezuela ist zwar das Land mit den größten Ölreserven weltweit. Dennoch gibt es dort seit der Einführung der Währungs- und Preiskontrollen 2003 immer wieder Waren-Engpässe und Stromausfälle. Eine hohe Inflation, die im vergangenen Jahr bei 20 Prozent lag, schwächt die Wirtschaft zusätzlich.

Der neue linkspopulistische Präsident Nicolás Maduro wittert hinter den Versorgungsengpässen hingegen eine Verschwörung der Opposition, der Oberschicht und den USA.

Versorgungskrise trotz Ölreichtum

Das Land muss einen Großteil seiner Waren importieren, doch ist es angesichts der drastischen Devisenkontrollen nur schwer möglich, an Dollar zu kommen. Der Messwein war bisher von der Steuer befreit, nun aber strich die sozialistische Regierung die Subventionen. Inzwischen kostet eine Flasche 16 Dollar, so viel wie normaler Wein.

Angesichts der massiven Versorgungskrise hatte die Nationalversammlung des Landes in der vergangenen Woche 513 Mio. Bolivar (63 Mio. Euro) für den Import von Toilettenpapier, Zahnpasta und Seife freigegeben. Das Handelsministerium mit dem Sonderkredit die Mangelware im Ausland beschaffen.

Auf der Einkaufsliste stehen unter anderem 39 Mio. Rollen Toilettenpapier, 3 Mio. Tuben Zahnpasta und 10 Mio. Stück Seife - für die knapp 29 Mio. Einwohner. "Das sind Produkte für die persönliche Hygiene, die wir wegen einer desaströsen Wirtschaftspolitik nicht selbst herstellen können", schrieb der Oppositionsabgeordnete Julio Montoya auf Twitter. "Ein Land, in dem die Regierung einen zusätzlichen Kredit zum Kauf von Klopapier, Seife und Zahnpasta beantragen muss, ist wirklich aufgeschmissen."

Quelle: n-tv.de

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