Wirtschaft
Pilotabschluss für 3,7 Millionen Beschäftigte: Unmittelbar vor Berginn der Verhandlungen nahmen tausende Metaller an Warnstreiks wie hier auf der Audi Piazza am Audi Forum in Ingolstadt teil.
Pilotabschluss für 3,7 Millionen Beschäftigte: Unmittelbar vor Berginn der Verhandlungen nahmen tausende Metaller an Warnstreiks wie hier auf der Audi Piazza am Audi Forum in Ingolstadt teil.(Foto: picture alliance / dpa)

Tarifeinigung in der Industrie: Metaller bekommen 3,4 Prozent mehr

In der südwestdeutschen Metallindustrie einigen sich Arbeitgeber und Gewerkschafter auf einen Pilotabschluss. Die Beschäftigte bekommen mehr Geld, Weiterbildung und bessere Konditionen für die Altersteilzeit.

Durchbruch am Morgen. Die bundesweit gut 3,7 Millionen Metaller bekommen mehr Geld. In einer Nachtsitzung einigten sich der Arbeitgeberverband Südwestmetall und Vertreter der IG Metall im Bezirk Baden-Württemberg auf einen neuen Tarifvertrag. Der Abschluss gilt als Piloteinigung und wird erfahrungsgemäß in den kommenden Tagen in den anderen Bezirken übernommen. Die Einigung dürfte zudem Auswirkungen auf die ebenfalls laufenden Gespräche beim Autobauer Volkswagen haben.

Der Abschluss sieht vor, dass die von 1. April 2015 an 3,4 Prozent mehr Geld sowie eine Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro erhalten. Zudem einigten sich die Tarifparteien in Böblingen bei Stuttgart auf eine verbesserte Weiterbildungsteilzeit und eine attraktivere finanzielle Ausstattung der Altersteilzeit für untere Entgeltgruppen. Die Einigung hat eine Laufzeit bis zum 31. März 2016.

Da waren alle noch frisch und ausgeruht: Der Bezirksleiter des IG Metall-Bezirks Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger (l.), der Personalvorstand der Daimler AG, Wilfried Porth (M.) und der Vorsitzende von Südwestmetall, Stefan Wolf in Böblingen am Verhandlungstisch.
Da waren alle noch frisch und ausgeruht: Der Bezirksleiter des IG Metall-Bezirks Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger (l.), der Personalvorstand der Daimler AG, Wilfried Porth (M.) und der Vorsitzende von Südwestmetall, Stefan Wolf in Böblingen am Verhandlungstisch.(Foto: picture alliance / dpa)
Mehr Geld für Millionen

Nach Ansicht der Arbeitgeber ist die vereinbarte Lohnerhöhung eine der höchsten der vergangenen Jahre. Für 2015 gerechnet, steigen dem Abschluss zufolge die Tarifentgelte und damit die Belastungen für die Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent, wie es hieß. Zum Vergleich: Bei dem zurückliegenden zweijährigen Tarifabschluss hätten sich die Kosten 2013 um 3 Prozent und 2014 um 3,25 Prozent erhöht. Für die Beschäftigten komme hinzu, dass wegen des niedrigen Preisanstiegs von der Tariferhöhung mehr als in früheren Jahren in den Taschen bleibe.

In die Verhandlungen waren auch die Spitzen von Gesamtmetall sowie der IG-Metall-Vorstand einbezogen. Mit dem nun erzielten Pilotabschluss ist das Risiko eines großen Arbeitskampfs in der Schlüsselbranche vom Tisch. Es war die vierte Tarifrunde im traditionellen Pilottarifbezirk Baden-Württemberg.

Zwischen 2,2 und 5,5 Prozent

Über Stunden hatten die Tarifparteien von Montagnachmittag an über nichts anderes mehr gesprochen als die Komplexe Altersteilzeit mit einer möglichen finanziellen Besserstellung unterer Entgeltgruppen sowie dem Einstieg in eine bezuschusste Weiterbildungsteilzeit. Die Gewerkschaftsforderung von 5,5 Prozent mehr Entgelt und das Arbeitgeber-Angebot von 2,2 Prozent standen nach Angaben aus Verhandlungskreisen erst nach einer Annäherung bei diesen Themen zur Diskussion.

Die Einigung war von einer Expertenkommission mit Fachleuten aus Südwest-Betrieben vorbereitet worden. Beim Thema Altersteilzeit hatten die Arbeitgeber Bewegung gezeigt. Nach den Worten ihres Sprechers akzeptieren sie nicht nur einen Anspruch von besonders belasteten, sondern auch von nicht belasteten Beschäftigten, dem Arbeitsplatz vorzeitig den Rücken zu kehren. Bisher hatte es Südwestmetall mit Blick auf den durch die abschlagsfreie Rente mit 63 beschleunigten Fachkräftemangel strikt abgelehnt, auch solche Mitarbeiter in den Ruhestand zu entlassen, die "noch können, aber nicht mehr wollen".

Bislang können maximal vier Prozent der Belegschaft eines Betriebes in Altersteilzeit gehen. Vorrangigen Anspruch haben dabei langjährige Schichtarbeiter. Für sie ist eine Quote von bis zu 2,5 Prozent reserviert. Wird diese aber nicht voll genutzt, können die nicht Belasteten eine Quote von maximal 2,5 Prozent ausschöpfen. Die Arbeitgeber wollen die Quote für die besonders Belasteten ausweiten. Im Arbeitgeberlager gab es Entgegenkommen in der Frage einer finanziell attraktiveren Ausgestaltung der Altersteilzeit für die unteren Entgeltgruppen.

Quelle: n-tv.de

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