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"Das ist ein Paukenschlag": Metro will sich aufspalten

Einschneidende Ankündigung aus Düsseldorf: Der Vorstand der Metro AG prüft eigenen Angaben zufolge die Aufspaltung des Konzerns in zwei unabhängige Firmen. Beide sollen eigenständig an der Börse bleiben. Börsianer sind begeistert.

Der Handelsriese Metro plant tiefgreifende Veränderungen: Der MDax notierte Konzern soll künftig in zwei eigenständigen Teilen weiterbestehen. Geplant sei eine Aufspaltung in zwei vollständig getrennte Geschäftsbereiche, teilte die Metro AG am Morgen mit.

Das Großhandelsgeschäft Metro Cash & Carry sowie die Lebensmitteltochter Real sollen im Wege einer Abspaltung in eine eigene Gesellschaft übertragen werden. Die heutige Metro AG würde dann im Wesentlichen nur noch aus der Elektroniktochter Media-Saturn bestehen. Eine endgültige Entscheidung über die Aufspaltung ist den Düsseldorfern zufolge noch nicht gefallen. Die Prüfungen dazu liefen noch. Sollten sich alle Seiten zu einer Aufteilung des Konzerns entscheiden, dann könne diese Mitte 2017 umgesetzt werden.

"Wir sehen großes Potenzial": In ersten Reaktionen zieht der Aktienkurs kräftig an.
"Wir sehen großes Potenzial": In ersten Reaktionen zieht der Aktienkurs kräftig an.(Foto: dpa)

Metro-Chef Olaf Koch sprach von einem Mehrwert für die Aktionäre. Die neue Struktur schaffe auch Möglichkeiten für Übernahmen. Nach der geplanten Aufspaltung bekommen Anteilseigner über einen Aktiensplit in ihren Depots automatisch Anteilsscheine der beiden neuen Gesellschaften.

Durch die Aufspaltung sollten beiden Teilen neue Wachstumsperspektiven eröffnet werden, hieß es weiter. Wichtige Gesellschafter wie Haniel und Beisheim sowie die Vertreter der Gründerfamilie Schmidt-Ruthenbeck unterstützen das Vorhaben. "Wir begrüßen die strategische Entscheidung", sagte ein Haniel-Sprecher.

Koch bekommt Großhandel und Lebensmittel

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Der bisherige Metro-Chef Olaf Koch solle das Großhandels- und Lebensmittelgeschäft führen, hieß es aus Düsseldorf. Pieter Haas - derzeit Media-Saturn-Chef - sei dagegen als Chef der Consumer-Electronics-Gruppe vorgesehen. Wenn es zur Aufspaltung kommt, sollen beide Unternehmenszentralen in Düsseldorf bleiben.

Haas begrüßte die Pläne: "Wir hätten künftig eine Mehrheitsgesellschafterin, die sich ausschließlich auf unsere Branche konzentriert und wir wären der Kern ihrer Aktivitäten", teilte der Media-Saturn-Chef mit. "Wir sehen großes Potenzial, dass die so geschaffene Consumer Electronics Gruppe verstärkt in Zukunftsthemen investieren und damit den Wert der gesamten Gruppe für unsere Kunden, Partner und Gesellschafter sowie für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigern wird."

Der Konzern beschäftigt weltweit rund 230.000 Mitarbeiter. In der bisherigen Konzernstruktur teilt sich das operative Geschäft des Handelsriesen unter dem Dach der Metro AG in die Geschäftsfelder "Großhandel, Lebensmitteleinzelhandel und Non-Food-Fachmärkte". In diesen Bereichen seien "die Vertriebsmarken der Metro Group selbstständig am Markt tätig", wie es in einer Selbstdarstellung heißt. Verschiedene Servicegesellschaften der Gruppe kümmern sich für die Vertriebsmarken konzernweit um Immobilien, Logistik, Informationstechnologie oder Werbung.

Begeisterung an der Börse

Am Aktienmarkt rief die Ankündigung zunächst überwiegend positive Reaktionen hervor. In den ersten Minuten nach der Bekanntgabe der Pläne sprang der Kurs der Metro-Aktie am Morgen vorbörslich um rund 6 Prozent an. Nach Beginn des regulären Handels schnellten die Aktien des Handelskonzerns zeitweise um bis zu 10,3 Prozent in die Höhe. Die im MDax gelisteten Stammaktien markierten ein neues Zweieinhalb-Monats-Hoch bei 27,09 Euro und führten die Gewinnerliste bei den Nebenwerten an. Am Vorabend waren die Metro-Papiere bei 24,57 Euro aus dem Handel gegangen.

Metro prüft eine Aufteilung in einen Lebensmittel- und einen Elektronikhändler mit zwei unabhängigen, börsennotierten Geschäftseinheiten. "Das ist ein Paukenschlag", kommentierte ein Händler. Investoren gefalle die Idee. Sie hofften, dass die einzelnen Unternehmensteile für sich betrachtet mehr wert seien als im Verbund. "Grundsätzlich werden solche Aufspaltungen deshalb an der Börse gerne gesehen", ergänzte der Händler.

Quelle: n-tv.de

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