Wirtschaft
Video

Leere Regale in Drogeriemärkten: Milupa-Babymilch ist wieder knapp

Von Diana Dittmer

Baby-Milchpulver ist teils so stark nachgefragt, dass Drogeriemärkte die Abgabe rationieren. Das Phänomen gab es schon einmal. Ein deutscher Baby-Boom ist nicht der Grund. Die Ware geht auf Reisen.

Wer Milchpulver fürs Fläschchen seines Nachwuchses kaufen will, erlebt möglicherweise eine Überraschung. Denn Babys Lieblingsmilch könnte vergriffen sein. Einige Fächer in den Babynahrungs-Regalen von Drogeriemärkten sind leer. Ob in Bielefeld oder Jena, es ist das gleiche Bild. Rossmann und dm kommen bei bestimmten Produkten mit dem Nachschub nicht hinterher. Selbst am Berliner Alexanderplatz gibt es beim größten Drogeriekonzern Europas, dm, leere Regalfächer.

Das Phänomen erlebt der Handel nicht das erste Mal. Bereits vor zwei Jahren überrollte die Hersteller von Babynahrung eine große Kaufwelle von Trockenmilchpulver. Händler berichteten damals von einer großen Nachfrage speziell von asiatischer Kundschaft. Große Hersteller wie Milupa und Nestlé reagierten daraufhin mit Produktionssteigerungen. Die gestiegene Nachfrage konnte damit anderthalb Jahre lang gestillt werden. Leere Regale gab es nicht mehr. Jetzt ist die Nachfrage wieder so angestiegen, dass Händler die Abgabe von bestimmter Trockenmilch rationieren.

dm beschränkt den Verkauf von Milupa-Milch auf zwei Packungen je Kunde.
dm beschränkt den Verkauf von Milupa-Milch auf zwei Packungen je Kunde.(Foto: n-tv.de/ddi)

Beobachter vermuten einen Zusammenhang mit dem Neujahrsfest in China am 19. Februar. Eine dm-Verkäuferin am Alexanderplatz bestätigt, dass es im Vorfeld des Festes wieder mehr asiatische Kundschaft gibt. Sie käme vorzugsweise am Nachmittag. Im vergangenen Jahr sei es genauso gewesen.

Stefan Stohl, Unternehmenssprecher von Milupa erinnert sich an den Schwund in den Regalen vor zwei Jahren. Die Nachfrage sei damals ganz plötzlich rasant gestiegen. Die Kaufwelle habe die Branche regelrecht überrollt. Auch Milupa sei davon "kalt erwischt" worden, sagte er n-tv.de. Das Unternehmen habe die Produktion um das Zweieinhalbfache erhöht, um die höhere Nachfrage zu bedienen, anderthalb Jahre habe das ausgereicht. Erst jetzt gebe es wieder Lücken in den Regalen. Im Vergleich zum "Orkan" vor zwei Jahren sei es aber nur eine "Böe", sagt Stohl. Sorgen müssten sich Eltern nicht machen.

Auslöser für die hohe Nachfrage nach deutschem Trockenmilchpulver ist die Serie von Lebensmittelskandalen in China in den vergangenen Jahren. 2008 starben sechs Säuglinge, schätzungsweise 30.000 erkrankten, weil das heimische Milchpulver mit der Chemikalie Melanin gestreckt worden war. In den Jahren darauf fanden die Lebensmittelkontrolleure immer wieder verbotene Zusätze und Verunreinigungen in chinesischer Ware. Zuletzt waren es Quecksilberspuren. Chinesen vertrauen deshalb lieber auf ausländisches Milchpulver - offenbar gerne auch auf Produkte "Made in Germany".

Deutsche Produkte sind beliebt in Asien

Warum die Milch-Panik aus China den deutschen Markt ausgerechnet vor zwei Jahren erfasste, kann sich Stohl nicht erklären. Damals habe es plötzlich wöchentlich um die 100 Anfragen von kleineren Importeuren aus der Volksrepublik gegeben, die wissen wollten, ob sie die Ware direkt aus Deutschland beziehen könnten, erinnert sich Stohl. So viel sei es inzwischen nicht mehr. Anfragen gebe es aber immer noch.

Horrende Versandkosten können Käufer in Fernost nicht schrecken.
Horrende Versandkosten können Käufer in Fernost nicht schrecken.(Foto: Ebay.com)

Nicht nur die Produzenten von Babynahrung haben von der Milch-Panik profitiert. Auch die deutsche Milchbranche registriert seit einigen Jahren steigende Exportraten nach Fernost. Die Hauptabsatzmärkte hiesiger Molkereien sind zwar immer noch Deutschland, Frankreich, die Niederlande oder Italien, nirgendwo sind die Margen aber so hoch wie China. Milch ist in China ein Luxusgut - sie ist rund fünf Mal so teuer wie in Deutschland. Deshalb ist sie auch ein gern gesehenes Gastgeschenk bei Familienfesten.

Touristen in Deutschland nutzen offenbar die Gelegenheit, sich einzudecken. Chinesen, die nicht in Deutschland einkaufen können, lassen sich "Care-Pakete" mit Trockenmilch von Familienmitgliedern und Bekannten schicken. Andere bestellen im Internet - auch wenn die Versandkosten horrende sind. Bei Ebay gibt es derzeit 124 Resultate für ein Trockenmilchprodukt aus Deutschland, die meisten mit dem Hinweis, dass auch nach China geliefert wird. Bei zwei Mal 800 Gramm zum Preis von 59,70 US-Dollar kommt dabei noch mal fast die Hälfte des Preises für die Verschiffung obendrauf.

Dass deutsche Produkte deutlich teurer als einheimische sind, spielt für Chinesen bei Säuglingsnahrung keine große Rolle. In der Volksrepublik gibt es die Ein-Kind-Politik, theoretisch können also sechs Menschen, zwei Paar Großeltern und die Eltern, ihr Geld gemeinsam in ein Kind investieren. Da ist das Beste gerade gut genug.

Lieber Graumarkt bedienen als exportieren

Trotz hoher Nachfrage aus Fernost ist Export für Milupa kein Thema. Grund sind die chinesischen Vorgaben und Regularien. Eine eigene Produktion für den chinesischen Markt, mit Milch nach einer anderen Formel und chinesischer Beschriftung auf den Verpackungen sei zu aufwändig. Außerdem gebe es ja auch die chinesische Schwestergesellschaft Dumex, sagt Stohl. Milupa wolle lieber die hohe Nachfrage auf dem deutschen Markt stillen. Das Werk in Fulda hat seine Kapazitäten bereits hochgefahren - es wird jetzt 360 Tage im Jahr im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet. Eine neue Produktionslinie soll die Nachfrage-Situation ebenfalls entspannen.

Eigentlich könnte Milupa das alles als Erfolg verbuchen, richtig zufrieden ist das Unternehmen mit der Situation aber dennoch nicht. Kunden, die leer ausgegangen sind, bietet das Unternehmen deshalb Hilfe über eine Hotline an. Wer im Laden nicht zum Zuge gekommen ist und nachweislich hier aus Deutschland bestellt, bekomme seine Lieferung an Trockenmilch zuverlässig per Post, sagt Stohl.

Deutsches Milchpulver wird wohl auch in Zukunft auf Reisen gehen. Einen Engpass müssen Verbraucher weder in Deutschland noch in China fürchten. Dafür gibt es zu viele Anbieter von Trockenmilchprodukten - auch die ausländische Konkurrenz in Großbritannien und den Niederlanden genießt ein qualitativ hohes Ansehen und wird auch stark nachgefragt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen