Wirtschaft
Der Modebranche fehle ein "Must-have", wie etwa das Iphone, klagt GfK-Textilexperte Bernd Lochschmidt.
Der Modebranche fehle ein "Must-have", wie etwa das Iphone, klagt GfK-Textilexperte Bernd Lochschmidt.(Foto: picture alliance / dpa)

Textilwirtschaft im Abwärtstrend: Modehandel leidet trotz Kaufrausch-Laune

Lange saß das Geld bei den Deutschen nicht mehr so locker wie zur Zeit. Die Löhne steigen, die niedrige Inflation hält die Preise niedrig. Doch am Modehandel geht dieser Trend vorbei, die Branche kämpft mit drastisch sinkenden Umsätzen. Woran liegt das?

Die Kauflust der Verbraucher in Deutschland ist so groß wie seit mehr als 13 Jahren nicht. Doch an vielen Boutiquen und Bekleidungsgeschäften geht das spurlos vorbei. Das dritte Jahr in Folge musste der stationäre Modehandel 2014 nach einer Umfrage des Fachblattes "Textilwirtschaft" spürbare Umsatzrückgänge verkraften. Und auch in den ersten Wochen des neuen Jahres ging der Trend weiter abwärts.

Viele Händler machen das lange Zeit wenig winterliche Wetter für die miesen Geschäfte der vergangenen Monate verantwortlich. Doch greift das allein als Erklärung wohl zu kurz. Denn der Abwärtstrend hält schon zu lange an, um ihn alleine auf Wetterkapriolen zurückzuführen. Nach den Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist das Modebudget der deutschen Verbraucher in den vergangenen 15 Jahren drastisch geschrumpft. Gaben die Bundesbürger im Jahr 2000 noch 3,4 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Bekleidung aus, so dürften es in diesem Jahr nach Schätzungen der GfK gerade noch 1,8 Prozent sein.

"Seit dem Jahr 2000 ist der Textilmarkt um 25 Prozent geschrumpft", beschreibt GfK-Textilexperte Bernd Lochschmidt die Entwicklung. Für die stationären Händler seien die Einbußen sogar noch größer, da ihnen gleichzeitig der Online-Handel Marktanteile abgenommen habe. Die Gründe für diese Entwicklung sind für den Branchenkenner Peter Frank von der Handelsberatung BBE offensichtlich. "Bekleidung hat an Stellenwert verloren", meint er. Wer heute seinen Status demonstrieren wolle, investiere sein Geld lieber in ein neues iPhone als in teure Garderobe.

Saloppe Kleidung im Büro

Und auch Lochschmidt urteilt: "Es wird viel konsumiert, aber das Geld geht in Immobilien und Wohnungsrenovierungen, in Reisen und Must-haves wie ein neues Smartphone." Dieses Geld fehle dann beim Besuch im Modegeschäft. Seit Jahren sei es der Modeindustrie nicht mehr gelungen Must-haves zu kreieren, an denen der Kunde nicht vorbei könne.

Außerdem sei der Trend zu salopperer Kleidung im Berufsleben Gift für die Branche, betont Lochschmidt. "Früher ist man im Anzug ins Büro gegangen, heute tut es oft auch ein Sakko zur Jeans." Seit Jahren werde immer weniger Geld für Extra-Berufs-Outfits ausgegeben.

Nicht unbedingt förderlich für die Kauflaune der Verbraucher dürfte auch der eigenwillige Verkaufsrhythmus sein, der sich in weiten Teilen des Modehandels durchgesetzt hat. "Winterware im August - seit Jahren passen Wetter und Modeangebot in den Läden nicht mehr zusammen", klagte kürzlich sogar das Fachblatt "Textilwirtschaft". Auf seiner Internetseite fragte das Magazin seine Leser auch gleich, ob die Branche das Problem in diesem Jahr wohl in den Griff bekommen werde. Die Antwort der Branchenkenner war eindeutig: 90 Prozent sagten Nein.

Quelle: n-tv.de

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