Wirtschaft
Vor allem die Energiepreise gaben nach und bremsten so die Teuerungsrate.
Vor allem die Energiepreise gaben nach und bremsten so die Teuerungsrate.(Foto: picture alliance / dpa)

Preisanstieg in Eurozone moderat: Inflationsrate unerwartet niedrig

Kräftig sinkende Energiepreise drücken die Inflation in den 17 Euroländern auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren. Auch in Deutschland schwächte sich Anstieg ab. Aber Analysten geben Entwarnung - vielmehr sehen sie darin gute Zeichen.

Angesichts sinkender Energiepreise hat der Preisauftrieb in der Eurozone im Oktober unerwartet stark nachgelassen. Die Jahresteuerung sank auf 0,7 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Ähnlich niedrige Raten hatten die Statistiker zuletzt im November 2009 mit 0,5 Prozent gemeldet. Volkswirte hatten dagegen eine unveränderte Rate von 1,1 Prozent erwartet. Die Inflation liegt im Euroraum nun auf dem niedrigsten Stand seit November 2009. Der Euro gerät nach der Bekanntgabe der vorläufigen Inflationszahlen aus der Eurozone unter Abgabedruck und fällt unter 1,37 Dollar.

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Damit dürften Sorgen über eine Beschleunigung der Inflation die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin nicht belasten. Eher könnten Sorgen über eine Deflation aufkommen. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von knapp zwei Prozent an, was auch als Sicherheitspuffer gegen eine Deflation gedacht ist.

Deutschland und Spanien hatten bereits für Oktober unerwartet starke Rückgänge des Preisdrucks berichtet. In Deutschland ging die Inflationsrate wegen der anhaltend sinkenden Mineralölpreise auf 1,2 Prozent zurück von 1,4 Prozent im September. Auf Monatssicht sanken die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent.

Mildes Wetter und starker Euro

In der EU-harmonisierten Berechnung (HVPI) stellte sich die deutsche Jahresteuerung im Oktober auf 1,3 Prozent nach 1,6 Prozent im Vormonat. In Spanien fiel die Jahresteuerung auf 0,1 Prozent von 0,5 Prozent im September.

Im Euroraum sank die Kernteuerungsrate (ohne die Preise von Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak) im Oktober auf 0,8 Prozent, nachdem sie im September bei 1,0 Prozent gelegen hatte. Energie war um 1,7 Prozent günstiger als im Vorjahr. Im September waren die Energiepreise um 0,9 Prozent gesunken. Als Gründe für den Rückgang beim Heizöl gilt das relativ milde Wetter zum Start der Heizsaison. An den Tankstellen sind die Preise nach Angaben von Volkswirten niedrig, weil der Ölpreis stabil und der Euro stark ist, zudem ist die Nachfrage nach Benzin jahreszeitlich bedingt niedrig.

Preistreiber waren im Oktober in den Euroländern Lebensmittel, für die Verbraucher deutlich tiefer in die Tasche greifen mussten als vor einem Jahr. Die Preise kletterten um 1,9 Prozent nach 2,6 Prozent im September.

Eurostat veröffentlichte im Rahmen der Vorabschätzung noch keine Zahlen zur Vormonatsänderung der Preise. Einen detaillierten Ausweis zur Preisentwicklung wird die Statistikbehörde am 15. November vorlegen.

Analyst sieht EZB in der Pflicht

Ein Analyst sieht die EZB nun zunehmend in der Pflicht. "Der Druck, die Leitzinsen zu senken, wird nach den Zahlen zunehmen", heißt es. Analysten von Newedge rechnet nun mit "dovisheren" - also friedlicheren - Tönen auf der EZB-Pressekonferenz in der kommenden Woche, schließt unmittelbare Maßnahmen aber aus.

Nach Einschätzung von Volkswirten der Commerzbank gibt es keinen Anlass zu der Sorge, dass die Euroländer in eine Deflation rutschen könnten. Unter Deflation versteht man eine gefährliche Spirale aus sinkenden Preisen und schrumpfender Nachfrage.

"Wir halten die niedrige Inflationsrate dagegen für ein positives Zeichen", schreibt die Commerzbank. Denn sie sei vor allem der Entwicklung in den Krisenländern geschuldet. Die sinkenden Preise in Griechenland und Spanien zeigten, dass die Unternehmen ihre Lohnstückkosten senkten und dadurch wettbewerbsfähiger würden. Die Inflationsrate habe zudem im Oktober ihren Tiefpunkt nahezu erreicht.

Quelle: n-tv.de

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