Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

EZB riskiert "Verwüstungen": "Monetäre Anarchie läuft Amok"

Mit dem zweiten Dreijahrestender spendiert die EZB den Banken nochmals mehr als 500 Mrd. Euro. Die lockere Geldpolitik der Notenbank ruft immer mehr Kritiker auf den Plan. Se warnen vor einer "Explosion des Systems" und "verwüsteten Wirtschaften".

Die EZB und andere Notenbanken haben ihre Geldschleusen mächtig weit aufgerissen, um Banken und Unternehmen über die Krise hinwegzuhelfen. Zu weit - sagen Kritiker. Sie fürchten, dass die Liquiditätsschwemme in der Realwirtschaft gleich einem Tsunami eine Spur der Verwüstung hinterlassen könnte. Schon jetzt erspähen Experten allerorts Alarmsignale - vom rasanten Anstieg des Ölpreises bis hin zur dramatischen Verteuerung vieler Währungen in den Schwellenländern.

Video

Die Flut des billigen Zentralbankgeldes rauscht rund um den Globus in gewinnträchtige Anlagen und bläht in rasantem Tempo finanzielle Blasen auf, deren Platzen die nächste Krise einläuten könnte. "Eine monetäre Anarchie läuft hier Amok", warnt deshalb Bob Janjuah, der bei dem japanischen Broker Nomura taktische Anlageentscheidungen verantwortet.

Kaum mehr Hilfsmöglichkeiten

Bei ihrem zweiten Dreijahrestender spendierte die Europäische Notenbank (EZB) den Banken sage und schreibe 530 Mrd. Euro zum Niedrigzins von einem Prozent. Im Dezember waren es schon einmal knapp 500 Mrd. Euro. Die Währungshüter in Großbritannien und Japan haben ebenfalls gigantische Summen in die Wirtschaft gepumpt und die US-Notenbank Fed hat sich gar bis 2014 zu absoluten Billig-Zinsen verpflichtet. Die Bilanzen dieser vier Notenbanken haben sich seit der Finanzkrise 2007 verdoppelt. Dieses Jahr werden sie laut JPMorgan zusammen auf über ein Viertel der entsprechenden jährlichen Wirtschaftsleistung steigen.

Nomura-Volkswirt Janjuah macht diese explosive Geldvermehrung verantwortlich für Blasen in allen Anlageklassen. "Falls - oder besser: sobald - dieser Zyklus implodiert, werden die Notenbanken Teil des Problems sein, weil sie dann nicht mehr als glaubhafter Retter in der Not auftreten können." Janjuah will deshalb mit vielen Investitionen abwarten, bis die von ihm diagnostizierte Notenbank-Blase geplatzt ist. "Das Gummi zwischen der Realwirtschaft und den Liquiditäts-getriebenen Märkten ist bereits völlig überspannt."

Nach dem Aufstieg kommt der Absturz

Viele Finanzprofis bekommen ein mulmiges Gefühl, weil die jetzige Situation sie an vergangene Blasen erinnert. Schon 2011 trieben die großzügigen Geldspritzen der Notenbank den Ölpreis in die Höhe und die Regierungen vieler Schwellenländern zur Verzweiflung, weil der Zufluss spekulativen Geldes ihre Währungen drastisch verteuerte und damit ihre Exportunternehmen gefährdete. Viele Volkswirte machen außerdem die laxe Geldpolitik der US-Notenbank Fed im vergangenen Jahrzehnt für die "Mutter aller Blasen" verantwortlich - auf dem US-Immobilienmarkt, deren Platzen schließlich die Finanzkrise verursachte und somit die Weltwirtschaft an den Rand des Kollaps brachte.

Das Anwerfen der Notenpresse gibt der Wirtschaft zwar zunächst einen kleinen Schub, aber oftmals ist die Wirkung schnell verpufft. Schon im vergangenen Jahr belasteten rasant steigende Ölpreise weltweit die Konsumfreude, während die Verteuerung von Lebensmitteln die Inflation weiter anfachte und die Notenbanken in vielen Schwellenländern so zu Zinserhöhungen zwang. Weltweit schossen die Aktien dank der Geldflut aus den Notenbanken zwischen Oktober 2010 und April 2011 um 18 Prozent in die Höhe - nur um danach bis September um mehr als 26 Prozent einzubrechen.

Seitdem haben Aktien erneut um 25 Prozent zugelegt, was viele Anleger vor allem auf den vergangenen Dreijahrestender der EZB zurückführen. Kein Wunder, dass viele Experten derzeit bei der Beobachtung der Weltwirtschaft ein Deja-vu-Erlebnis haben. 

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen