Wirtschaft
Werden menschliches Gehirn und Computer in Zukunft verschmelzen?
Werden menschliches Gehirn und Computer in Zukunft verschmelzen?(Foto: imago/Science Photo Library)

Elon Musk gründet Neuralink: Mr. Future will in unsere Köpfe

Von Kai Stoppel

Den Mars zu bereisen und die Elektro-Revolution im Autoverkehr voranzutreiben scheint Tesla-Gründer Musk nicht ambitioniert genug. Sein neues Projekt: das menschliche Gehirn mit Computern zu verschmelzen. Doch es gibt ein paar Hindernisse.

Es gibt Menschen, die warten nicht, bis die Zukunft geschieht. Sie machen sie einfach. Dazu gehört Elon Musk, Chef von Tesla und SpaceX. Einige seiner bisherigen Projekte sehen aus wie die Realität gewordenen Fantasien eines Jungen, der zu viele Science-Fiction-Comics gelesen hat - und den man mit einer Menge Investorenkapital ausgestattet hat: superschnelle Züge, Elektroautos, Mars- und Mond-Raumschiffe. Nun kommt ein weiteres Projekt hinzu, das angesichts der bisherigen Vorhaben Musks ebenso zwangsläufig erscheint wie unheimlich.

Tesla-Chef Elon Musk fürchtet, künstliche Intelligenz könnte den Menschen bald ausstechen - wenn dieser sein Gehirn nicht verbessert.
Tesla-Chef Elon Musk fürchtet, künstliche Intelligenz könnte den Menschen bald ausstechen - wenn dieser sein Gehirn nicht verbessert.(Foto: dpa)

Der 45-jährige Visionär will nichts weniger, als das menschliche Gehirn mit Computern zu verschmelzen. Dazu hat der Selfmade-Milliardär das Unternehmen Neuralink mitgegründet, wie das "Wall Street Journal" berichtet. Die Zeitung sprach mit einem der Neuralink-Mitarbeiter, der sich als Mitglied des Gründerteams bezeichnete und eine Beteiligung von Musk an dem Projekt bestätigte. Die Firma sei aber noch in der "Embryo"-Phase. Entwickelt werden soll ein "neuronales Band", eine nahtlose Verbindung menschlicher Gehirnzellen zu Computern.

Das Ziel von Musk: Menschen sollen in die Lage versetzt werden, in Zukunft mit den kognitiven Fähigkeiten von Maschinen mitzuhalten. Bei einer Konferenz im Juni vergangenen Jahres hatte er davor gewarnt, dass künstliche Intelligenz den Mensch irgendwann überflügeln werde. Er schlug als Lösung eine "direkte Schnittstelle zur Hirnrinde" vor, welche die Leistungsfähigkeit des menschlichen Denkapparates deutlich steigern helfen soll - wie auch immer das aussehen könnte. In den folgenden Monaten ließ Musk mit verschiedenen Tweets durchblicken, dass er plant, eine Firma für dieses Vorhaben aus der Taufe zu heben.

Strategie mit zwei Schritten

Neuralink ist seit vergangenem Juli in Kalifornien als Medizinforschungs-Unternehmen angemeldet. In den vergangenen Wochen soll die Firma führende Wissenschaftler dieses Gebiets angeheuert haben. Darunter Timothy Gardner, einen Professor aus Boston, der schon Vögeln kleine Elektroden ins Gehirn gepflanzt hat, um deren Fähigkeit zum Singen zu untersuchen. Gardner hat seine Mitarbeit bei Neuralink bereits bestätigt, ohne jedoch Details zu nennen.

Finanzieren will Musk die Firma mit eigenem und geliehenem Kapital. Auch über eine Investition mit dem Milliardär Peter Thiel soll gesprochen worden sein. Thiel kennt Musk seit der gemeinsamen Gründung von Paypal.

Unklar ist jedoch noch, welches Produkt genau Neuralink entwickeln will. In einem ersten Schritt könnten es Implantate sein, die Erkrankungen des Gehirns wie Epilepsie oder psychische Störungen wie Depression therapieren sollen. Sollten sich diese als sicher und funktionsfähig erweisen, könnten in einem nächsten Schritt kleine Bauteile die Denkleistung des menschlichen Gehirns erhöhen.

US-Militär hat Interesse an Technologie

Dem Vorhaben stehen derzeit allerdings noch viele Hürden im Weg. Zunächst müssen Forscher einen verlässlichen Weg finden, um Elektroden ohne große medizinische Eingriffe ins Gehirn einzusetzen und sie dort dauerhaft funktionsfähig zu halten. Zudem ist es bisher nicht möglich, die Aktivität von Millionen menschlicher Gehirnzellen zu erfassen, um komplexe Entscheidungen zu entschlüsseln. Eine der größten Herausforderungen wird aber mit Sicherheit sein, Menschen dazu zu bringen, sich freiwillig und ohne Not am Gehirn operieren zu lassen.

Auch wenn vieles davon nach Zukunftsmusik klingt: Die Forschung arbeitet bereits emsig an einer Schnittstelle zwischen Hirn und Computer. Im Jahr 2015 ist es erstmals gelungen, winzige Elektroden in die Gehirne von Mäusen zu injizieren. Seitdem sind tausende wissenschaftliche Artikel über digitale Verbindungen zu den Gehirnen von Tieren und Menschen erschienen. Auch das US-Militär zeigt bereits Interesse und investiert rund 60 Millionen Dollar in entsprechende Forschungen. Neben Neuralink arbeitet zudem das US-Startup Kernel an einem ähnlichen Vorhaben - Gründer Bryan Johnson will 100 Millionen Dollar ausgeben, um "Gehirn-Prothesen" zu entwickeln, welche die menschliche Intelligenz erweitern sollen.

Quelle: n-tv.de

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