Wirtschaft
Boeings 787 "Dreamliner": Das Prestigeprojekt wird für den US-Konzern zum Pannenflieger.
Boeings 787 "Dreamliner": Das Prestigeprojekt wird für den US-Konzern zum Pannenflieger.(Foto: picture alliance / dpa)

Lockerte Japan Sicherheitsstandards?: Neue Gerüchte um "Dreamliner"

In Boeings "Dreamliner" steckt jede Menge japanische Technik. Da sorgt ein Bericht, dass Japan die Sicherheitsstandards für die 787 gelockert haben soll, für mächtig Wirbel - vor allem im Hinblick auf die Probleme der Maschine in den vergangenen Monaten. Auch die nun von den Pannen betroffenen japanischen Airlines JAL und ANA sollen nicht ganz unschuldig sein. Die Boeing-Anleger sind alles andere als erfreut.

Japan hat vor der Erstauslieferung des "Dreamliners" von Boeing offenbar die Sicherheitsstandards für die Maschine gelockert. Dies geht aus Unterlagen und Berichten von Teilnehmern hervor, in die Reuters Einsicht nehmen konnte. Die Zugeständnisse, die ein Beratergremium des japanischen Verkehrsministeriums in Sicherheitsfragen rund um das Prestigeobjekt von Boeing machte, seien auch auf Druck der späteren "Dreamliner"-Kunden All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) erfolgt. Damit sollten japanische Firmen unterstützt werden, die rund 35 Prozent der Bauteile des 787er liefern - vom Karbon in den Flügeln bis hin zur Elektronik und den Batterien, die nun im Fokus der Untersuchungen stehen. Dies erfuhr Reuters von mit den Überlegungen vertrauten Personen.

"Ich glaube, dass die anfänglichen Anfragen für Änderungen von den Fluggesellschaften kamen. Letztlich war es eine Diskussion, um die operativen Kosten für die Fluggesellschaften zu senken", sagte Masatoshi Harigae, externer Berater, der sich für die Lockerung der Sicherheitsstandards einsetzte. Er ist bei einer für Entwicklung in der Luftfahrt in Japan zuständigen Behörde tätig.

Machtvolle Fluglinien

Allerdings gibt es keine Hinweise oder Belege dafür, dass die Lockerung der Standards zu den aktuellen Problemen geführt hat. Damals ging es auch nicht im Besonderen um die mittlerweile in die Kritik geratenen Lithium-Ionen-Batterien. Allerdings zeigen die Vorgänge, wie eng die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Boeing und seinen japanischen Zulieferern sind - und auch wie einflussreich die Fluggesellschaften. ANA und JAL wollten auf Anfrage keine Stellung dazu beziehen.

Die beiden japanischen Fluggesellschaften haben rund die Hälfte aller weltweit ausgelieferten 50 Dreamliner im Dienst. Der Dreamliner ist derzeit auf Anordnung mehrerer Flugbehörden auf unbestimmte Zeit am Boden, nachdem es Probleme mit den Batterien gegeben hatte. ANA hat am Wochenende alle Dreamliner-Flüge bis 18. Februar gestrichen. Die Fluggesellschaft rechnet demnach nicht mit einer schnellen Lösung der Probleme.

Die Anleger reagierten an der New Yorker Börse erneut verschnupft. Das Papier ging in einem uneinheitlichen Gesamtmarkt mit einem überdurchschnittlichen Minus von 1,4 Prozent aus dem Handel. Bloomberg hatte zudem berichtet, der Flugzeughersteller könnte durch das Startverbot für den "Dreamliner" rund 5 Mrd. Dollar an Umsatz verlieren.

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Quelle: n-tv.de

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