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Die niedrigen Zinsen setzen den Versichern zu.
Die niedrigen Zinsen setzen den Versichern zu.(Foto: picture alliance / dpa)

Stresstest für die Branche: Niedrige Zinsen machen Versicherer anfällig

Europas Versicherungsbranche ist gegen schwere Schläge am Kapitalmarkt gerüstet. Doch bei einer anhaltenden Phase niedriger Zinsen würden etliche Unternehmen Probleme bekommen, ihre Rendite-Versprechen zu halten.

Europas Versicherungskonzernen machen die dauerhaft niedrigen Zinsen sowie sinkende Assetpreise zu schaffen. 44 Prozent der Unternehmen bekämen bei einem solchen "Doppelschlag" ernste Probleme, stellte der Regulierer der Versicherungsbranche, Eiopa, bei seinem Stresstest fest. Der Sektor verfüge aber insgesamt über ausreichend Kapital, um mögliche schwere Schläge auszuhalten.

Die Versicherer mussten der Eiopa nachweisen, dass sie auch in unruhigen Zeiten überleben können. Simuliert wurden unterschiedliche Szenarien mit Turbulenzen an den Märkten für Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Aktien. Auch ungünstige Entwicklungen bei Immobilienpreisen und Zinsen wurden getestet. Simuliert wurden zudem Veränderungen der Sterblichkeit, unzureichende Kapitalreserven und Katastrophen. Die Widerstandskraft der Branche wurde dabei gemessen an den Kennziffern und Kapitalquoten, die ab 2016 unter dem Oberbegriff Solvency II in Kraft treten.

Lange Niedrigzinsphase bringt jeden Vierten in Bedrängnis

Lang andauernde Niedrigzinsen wie in Japan könnten einige Versicherer arg in Bedrängnis bringen, ihre Versprechen gegenüber den Versicherten in acht bis elf Jahren zu erfüllen, stellte Eiopa fest. Etwa 24 Prozent der Unternehmen würden die Kapitalanforderungen in diesem Fall nicht erfüllen.

Im Basis-Szenario würden 14 Prozent der Konzerne die Mindestanforderung an das Kapital nicht erfüllen. Sie stehen nur für drei Prozent der gesamten Assets. Eiopa hat nun Empfehlungen an die nationalen Aufsichtsbehörden ausgesprochen, wie sie der Schwäche begegnen könnten.

Grundlage des Stresstests waren die Bilanzen für das Jahr 2013. Insgesamt wurde die Krisenfestigkeit von Assekuranzen geprüft, die mehr als die Hälfte des Marktes in Europa ausmachen. Die Daten wurden von den nationalen Regulierern im Juli erhoben. Die übergeordnete Behörde Eiopa hat die Daten dann ausgewertet.

Der letzte Test der Branche fand im Jahr 2011 statt. Mehr als 90 Prozent der Versicherer bestanden ihn. 13 Versicherungsgruppen fielen in einem simulierten Negativszenario durch.

Quelle: n-tv.de

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