Wirtschaft
Die Königliche Akademie der Wissenschaften spricht: "Ekonomipriset 2010" in Stockholm.
Die Königliche Akademie der Wissenschaften spricht: "Ekonomipriset 2010" in Stockholm.(Foto: AP)

Diamond, Mortensen, Pissarides: Nobelpreis an Ökonomen-Trio

Wohl und Wehe von Familien und Staaten entscheiden sich im Innersten einer jeden Volkswirtschaft: dem Arbeitsmarkt. Für ihre Untersuchungen zu den Gesetzen und Abläufen zwischen Arbeitssuchenden, Politik und Unternehmen erhalten in diesem Jahr drei Ökonomen den Wirtschafts-Nobelpreis: zwei US-Forscher und ein britischer Wissenschaftler. Die Geehrten sind, so sagt einer von ihnen, "ziemlich überrascht".

Warum gibt es viele Arbeitslose bei gleichzeitiger hoher Nachfrage nach Arbeitskraft? Diamond, Mortensen und Pissarides haben das untersucht.
Warum gibt es viele Arbeitslose bei gleichzeitiger hoher Nachfrage nach Arbeitskraft? Diamond, Mortensen und Pissarides haben das untersucht.(Foto: REUTERS)

Wer hätte das gedacht? Der Wirtschafts-Nobelpreis bleibt eine Domäne für Männer - und für die USA:Die diesjährige Auszeichnung geht an zwei US-Wissenschaftler und einen Briten für ihre Untersuchung der Angebots- und Nachfragemechanismen am Arbeitsmarkt. Den Preis teilen sich die US-Ökonomen Peter A. Diamond und Dale T. Mortensen mit dem Briten Christopher A. Pissarides, der auf Zypern geboren ist.

Die drei Forscher hätten das theoretische Fundament für sogenannte Suchmärkte formuliert, teilte das Preiskomitee mit. Diamond habe die speziellen Eigenarten solcher unvollkommener Märkte geliefert. Mortensen und Pissarides erweiterten die Theorie und wandten sie auf den Arbeitsmarkt an.

Wie funktioniert der Arbeitsmarkt?

US-Ökonom Peter A. Diamond: Einer von drei Wirtschafts-Nobelpreisträgern 2010
US-Ökonom Peter A. Diamond: Einer von drei Wirtschafts-Nobelpreisträgern 2010(Foto: picture alliance / dpa)

Mit ihrer Arbeit hätten Diamond, Mortensen und Pissarides entscheidende Fragen zur Funktionsweise des Arbeitsmarktes beantwortet, begründete die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften ihre Entscheidung. Das Theoriemodell der drei Wissenschaftler mache verständlich, wie Arbeitslosigkeit, offene Stellen und Löhne durch Regulierung und Wirtschaftspolitik beeinflusst würden, erklärte die Jury. Die Politik habe sich die Erkenntnisse der drei in dem nach ihnen benannten Modell zunutze machen können.

Die Suchtheorie sei darüber hinaus auf viele andere Märkte mit Problemen beim Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage übertragen worden, etwa den Immobilienmarkt. Die Ansätze finden auch in den Bereichen Geldpolitik, Finanzwirtschaft sowie Familienpolitik Anwendung.

Diamond für Fed-Vorstand nominiert

Lohn harter Arbeit: Dale T. Mortensen.
Lohn harter Arbeit: Dale T. Mortensen.(Foto: AP)

Der Nobelpreis könnte US-Präsident Barack Obamas helfen, Peter Diamond in den Vorstand der Notenbank Fed zu berufen. Obama hat Diamond zwar nominiert, doch der US-Senat wies diese Nominierung zurück. Schon vor der Verleihung des Nobelpreises hatte Obama angekündigt, einen weiteren Versuch zu unternehmen.

Einige Republikaner lehnen Diamond ab. Er habe nicht die richtige Art von Erfahrung für diesen Job, meint beispielsweise der republikanische Senator Richard Shelby. Dem 70-Jährigen fehle ausreichende makroökonomische Erfahrung. Für das konjunkturelle Umfeld sei es nicht hilfreich, wenn geldpolitische Entscheidungen von Menschen getroffen werden, die erst ihren Job lernen, so Shelby.

Lehr an der London School of Economics: Prof. Christopher Pissarides.
Lehr an der London School of Economics: Prof. Christopher Pissarides.(Foto: AP)

Diamond ist zwar kein Spezialist für Geldtheorie – der Disziplin der Volkswirtschaftlehre, die sich unter anderem mit Kreditversorgung und Zinsen beschäftigt, also dem traditionellen Bereich der Notenbank. Er gilt allerdings als Fachmann für Steuern, soziale Sicherheit, Krankenversicherung und für den Arbeitsmarkt. Nicht nur für Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman sind das genau die Felder, auf die sich die Fed derzeit konzentrieren muss.

"Überrascht und froh"

Der sogenannte Nobelpreis im Fach Wirtschaftswissenschaften wird seit 1969 verliehen. Seit der ersten Vergabe des Ökonomie-Preises hat es unter 66 Ausgezeichneten nur eine einzige Frau gegeben. Im vergangenen Jahr wurde die US-Wissenschaftlerin US-Forscher Elinor Ostrom zusammen mit ihrem Landsmann Oliver Williamson geehrt. Die ebenfalls gewaltige Dominanz von Preisträgern aus den Vereinigten Staaten hat sich durch die diesjährige Vergabe weiter verstärkt: Von 66 Preisträgern haben 52 ihre Forschungsarbeit an US-Instituten betrieben.

Pissarides sagte in einem Telefonat mit der Schwedischen Akademie kurz nach der Bekanntgabe, er sei über die Zuerkennung des Preises "ziemlich überrascht und sehr froh". Er teilt sich die Dotierung mit seinen beiden US-Kollegen. "An das Geld habe ich überhaupt noch nicht gedacht", sagte Pissarides auf die Frage, was er mit dem Preisgeld machen will.

Der Nobelpreis, der keiner ist

Der mit knapp 1 Mio. Euro dotierte Preis ist kein Nobelpreis im ursprünglichen Sinn, da er nicht von Alfred Nobel, sondern nachträglich von der Schwedischen Reichsbank in Gedenken an den schwedischen Erfinder des Dynamits gestiftet wurde. Der erste Preis für Wirtschaftswissenschaften wurde 1969 an den Norweger Ragnar Frisch und den Niederländer Jan Tinbergen verliehen.

Mit der diesjährigen Entscheidung vergibt die Akademie den Preis bereits zum fünften Mal an drei Personen gemeinsam.

2010: alle Preise an Männer

Die drei diesjährigen Preisträger erhalten ihre Auszeichnungen am 10. Dezember zusammen mit den anderen Nobelpreisträgern aus der Hand des schwedischen Königs Carl XVI. Gustaf in Stockholm. Nur der Friedensnobelpreis, der an den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo geht, wird in Oslo überreicht. Alle zehn Preisträger dieses Jahres sind Männer.

Video

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen