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Dienstag, 08. November 2011

"Helle Zukunft" für EU und Russland: Nord-Stream-Pipeline eröffnet

Gemeinsam drehen sie am großen Rad, dann fließen symbolisch blaue Gasmoleküle: Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Dmitri Medwedew geben gemeinsam den Startschuss für die Ostsee-Pipeline Nord Stream.

Gas aus Sibirien fließt jetzt erstmals direkt von Russland nach Westeuropa. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Dmitri Medwedew eröffneten in Lubmin bei Greifswald die Mega-Pipeline Nord Stream, das größte Infrastrukturprojekt Europas.

Bei dem Festakt, an dem auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger sowie Vertreter des russisch-deutschen Nord-Stream-Konsortiums teilnahmen, wurde das Ventil für den ersten Strang der 1224 Kilometer langen und 7,4 Milliarden teuren Pipeline aufgedreht. Die Leitung soll im Endausbau eine Kapazität von jährlich 55 Milliarden Kubikmetern Gas haben. Damit können rechnerisch 26 Millionen Haushalte versorgt werden.

Die Eröffnung der Ostsee-Pipeline bildet den Höhepunkt der Deutschlandreise von Präsident Medwedew.
Die Eröffnung der Ostsee-Pipeline bildet den Höhepunkt der Deutschlandreise von Präsident Medwedew.(Foto: dpa)

Medwedew stellte die Chancen der Partnerschaft mit der EU heraus. "Wir haben eine helle Zukunft vor uns", sagte Medwedew in Lubmin. Bis 2020 könne das Importvolumen an russischem Gas in der EU auf 200 Milliarden Kubikmeter steigen.

Russland baue darauf, dass Europa seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwinde und keine Hindernisse errichtet würden: "Wir hoffen darauf, dass es keine künstlichen Barrieren gibt", betonte Medwedew. Gemeinsam könnten Russland und die Europäische Union noch "viele exzellente Projekte" auf den Weg bringen.

Auch Merkel sprach von einer beispielhaften Zusammenarbeit zwischen Russland und der Europäischen Union. Das Projekt zeige, "dass wir auf eine sichere, eine belastbare Partnerschaft mit Russland in der Zukunft setzen", erklärte sie. Zugleich zeige das Projekt, dass die Wirtschaft in der Lage sei, auch hochkomplexe Großvorhaben verantwortungsbewusst zu realisieren.

Mit der Pipeline werde ein großer Beitrag zur verlässlichen Energieversorgung Europas geleistet. Russland werde auf Jahrzehnte ein herausragender Partner bei der Energieversorgung sein. "Es profitieren die Abnehmerländer und Russland gleichermaßen", sagte Merkel.

Neue Transportqualität

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Die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream bringt nach Ansicht von EU-Energie-Kommissar Günther Oettinger eine neue Transportqualität. Zehn Prozent des europäischen Gasimports kämen künftig über die neue Leitung, sagte Oettinger in Lubmin. Derzeit importiere die EU 125 Milliarden Kubikmeter aus Russland, künftig könnten es deutlich mehr sein.

Die Ostseepipeline mache die älteren Leitungen durch die Ukraine und Weißrussland nicht überflüssig, auch wenn sie in keinem guten Zustand seien. Für die EU sei es wichtig, die Routen zu diversifizieren und zudem verschiedene Quellen auch in Norwegen, Algerien, Katar und Zentralasien zur Verfügung zu haben. Für Russland gebe es Chancen im EU-Binnenmarkt, versicherte Oettinger bei der feierlichen Eröffnung.

An der Feier nahm auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder, der das Projekt zusammen mit dem damaligen russischen Präsidenten Wladimir Putin auf den Weg gebracht hatte, sowie der französische Premier François Fillon und der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte teil.

Rund 500 Polizisten sichern seit Tagen den Anlandepunkt der Pipeline in Lubmin, wo für die Veranstaltung ein provisorischer Hubschrauberlandeplatz eingerichtet und ein riesiges weißes Zelt aufgebaut wurde. Mit seiner 15 Meter hohen Kuppel aus fünf Gewölben soll das Zelt an das Erdgasmolekül CH4 (Methan) erinnern.

Umstrittenes Projekt

Kein anderes Land der Welt bezieht soviel Gas aus Russland wie Deutschland, alleine 2010 waren es 39 Milliarden Kubikmeter. Die hohe Abhängigkeit ist umstritten, wie auch das ganze Ostseepipeline-Projekt. So stellen sich auch Umweltschützer und Menschenrechtler gegen Nord Stream.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker teilte zur Eröffnung mit, dass durch die neue Ostsee-Pipeline das Schicksal eines der weltweit letzten Nomadenvölker besiegelt wird. Wegen der massiven Baumaßnahmen zur Gas-Gewinnung auf ihrem Gebiet müsse das Volk der Nenzen seine traditionelle Lebensweise endgültig aufgeben.

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Quelle: n-tv.de

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