Wirtschaft
Der türkische Notenbankchef Erdem Basci (Archivbild) bringt die Landeswährung unter Druck.
Der türkische Notenbankchef Erdem Basci (Archivbild) bringt die Landeswährung unter Druck.(Foto: REUTERS)

Türkische Währung auf Talfahrt: Notenbank reißt Lira in die Tiefe

Es will die eigene Währung stabilisieren - doch die geht in den freien Fall über. Nach Äußerungen des Notenbankchefs markiert die Türkische Lira ein Rekordtief. Das Land leidet wie etliche andere Schwellenländer unter den wieder steigenden Zinsen in den USA. Denn die sind für Anleger so attraktiv, dass sie massiv Geld aus anderen Staaten abziehen.

Die ohnehin schwächelnde Türkische Lira hat nach Äußerungen der Notenbank des Landes ihre Talfahrt beschleunigt. Dabei fiel die Währung am Dienstag auf ein neues Rekordtief: Für einen Dollar mussten bis zu 2,03 Lira bezahlt werden, nachdem es am Tag zuvor noch weniger as 2,00 Lira waren. Zu Beginn des Jahres kostete der Greenback noch weniger als 1,80 Lira, hat seitdem also rund 13 Prozent an Wert verloren. Im gleichen Ausmaß wertete sie auch gegen den Euro ab.

Für den jüngsten kräftigen Schub nach unten sorgte ausgerechnet die türkische Notenbank mit der Aussage, dass es keine weiteren Zinserhöhungen geben werde. Notenbankgouverneur Erdem Basci kündigte an, dem Markt Liquidität solange zu einem Zinssatz von 6,75 Prozent bereitzustellen, bis die Inflationsrate von den derzeit zum Jahresende erwarteten 8,8 Prozent auf 6,2 Prozent zurückgegangen sei. An einzelnen Tagen werde es zwar auch Liquidität zum höheren Zinssatz von 7,75 Prozent geben, teurer werde die Refinanzierung für die Banken aber nicht werden.

"Seien Sie nicht überrascht"

Weiter betonte er, dass die Notenbank ihre Währungsreserven einsetzen werde, um die heimische Währung zu stützen, dafür aber nicht die Zinsen instrumentalisieren werde. Der Markt solle nicht auf eine Zinserhöhung hoffen, sondern solle von stabilen Zinsen ausgehen. "Zum Jahresende wird der Dollar 1,92 Lira kosten. Seien Sie nicht überrascht, wenn Sie dieses Niveau dann sehen", sagte er.

Die Türkische Lira sinkt auf ein Rekordtief.
Die Türkische Lira sinkt auf ein Rekordtief.(Foto: REUTERS)

"Basci schließt eine Erhöhung des Übernacht-Ausleihsatzes aus und das ist wegen der Unsicherheit über das weitere Vorgehen der US-Notenbank aus unserer Sicht negativ für die Lira. Er hat außerdem gesagt, dass es am Devisenmarkt zu erratischen Bewegungen kommen kann und dass die Währung wahrscheinlich wieder an Wert gewinnen wird, sobald die Zentralbank wieder erfolgreich die kurzfristigen Zinsen kontrollieren kann", sagte Volkswirt Ibrahim Aksoy vom Wertpapierhandelshaus Seker Invest in Istanbul. "Das sind alles schlechte Nachrichten sowohl für die Lira, als auch die Anleihen und den Aktienmarkt". Ziehe man dann auch noch die Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank und als weiteren Belastungsfaktor die Zuspitzung der Lage in Syrien ins Kalkül, seien die Aussichten für die Finanzmärkte in der Türkei düster.

Tatsächlich steht nicht nur die Währung des Landes unter Druck. Auch am Aktienmarkt geht es steil abwärts - allein am Dienstag um rund 2,5 Prozent. Damit hat die Börse des Landes von ihrem Hoch Mitte Mai rund 30 Prozent verloren und seit Beginn des Jahres 19 Prozent eingebüßt.

Zehnjahreszins auf griechischem Niveau

Am Anleihemarkt macht die Rendite zehnjähriger Papiere einen Satz nach oben und liegt nun bereits bei über zehn Prozent. Zum Vergleich: Im am internationalen Finanzhilfetropf hängenden Griechenland liegt der Zehnjahreszins bei knapp unter dieser Marke. Im Mai musste die Türkei für Anleihen mit dieser Laufzeit noch lediglich rund sechs Prozent an Zinsen zahlen.

Video

Erst vor wenigen Tagen hatte die türkische Zentralbank mit der Ankündigung neuer Maßnahmen für Verwirrung gesorgt, die den freien Fall der Lira stoppen sollten. Die Notenbank kündigte an, täglich jede zusätzliche Straffung der Geldpolitik anzukündigen und außerdem den Mindestbetrag für Devisenverkäufe mitzuteilen. Damit wolle sie die Transparenz für die Marktteilnehmer erhöhen.

Ökonomen kritisierten jedoch, der Schritt steigere nur die ohnehin schon große Verwirrung über die Politik von Notenbankgouverneur Basci, was die türkische Wirtschaft endgültig zur Entgleisung bringen könnte. Mit dem Ansatz der Notenbank, der insgesamt vier Zinssätze umfasse, die sich täglich ändern könnten, könne kein klares Signal an die Märkte transportiert werden.

Acht Milliarden Dollar zur Stabilisierung

Die Türkei wurde ebenso wie andere Schwellenländer von der jüngsten Währungskrise voll erfasst. Weil die US-Zentralbank bald das Ende ihrer ultraexpansiven Geldpolitik einleiten dürfte, ziehen viele Investoren ihre Gelder aus Ländern wie Indien, Indonesien, Malaysia und Thailand ab, um es gewinnbringend in den USA anzulegen, wo die Zinsen seit einiger Zeit wieder steigen. Als Folge davon sind Währungen wie die Türkische Lira oder auch die Indische und die Indonesische Rupie auf Rekordtiefs gefallen.

Die geldpolitische Lockerung in den USA hatte in den vergangenen Jahren Milliarden von US-Dollar in Schwellenländer strömen lassen und ein kräftiges Wirtschaftswachstum erzeugt. Die türkische Wirtschaft beispielsweise wuchs 2010 und 2011 um jeweils rund neun Prozent. Doch im vergangenen Jahr gab es eine scharfe Bremsung auf 2,2 Prozent.

Mit dem schnellen Absturz der Lira und der hohen Inflation droht sich die Lage weiter zu verschärfen, erst recht dann, wenn die Notenbank weiter in großem Stil Währungsreserven einsetzen sollte, um die Talfahrt zu stoppen. Um den Fall der Landeswährung aufzuhalten, hat sie bisher bereits rund acht Milliarden US-Dollar auf den Markt geworfen - rund 15 Prozent ihrer Währungsreserven.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen