Wirtschaft
An der Spitze Bank of Japan: Japans oberster Währungshüter Haruhiko Kuroda vor dem Finanzausschuss (M.).
An der Spitze Bank of Japan: Japans oberster Währungshüter Haruhiko Kuroda vor dem Finanzausschuss (M.).(Foto: REUTERS)

"Abnormal" und "nicht nachhaltig": Notenbanker geißelt Japan

Die Zypernkrise scheint das Bewusstsein für die Auswirkungen stark verschuldeter Staatshaushalte zu schärfen: In Tokio wendet sich der neue Chef der japanischen Notenbank mit ungewohnt deutlichen Worten an die Parlamentarierer. Seine Warnungen klingen dramatisch

Der neue Gouverneur der Bank of Japan (BoJ) hat mit deutlichen Worten vor der hohen Verschuldung des Landes gewarnt. Haruhiko Kuroda bezeichnete sie während einer Anhörung im Parlament als "abnormal" und "nicht nachhaltig". Japan steht mit über dem Zweifachen der jährlichen Wirtschaftsleistung in der Kreide und ist damit das Industrieland mit den höchsten Schulden. Damit ist das Land gemessen an der Verschuldungsquote sehr viel stärker verschuldet als die Vereinigten Staaten. Die Schuldenlast übertrifft im Verhältnis sogar das Ausmaß Griechenlands.

Der Notenbankchef befindet sich aber argumentativ in der Zwickmühle. Denn einerseits ist er ein lauter Unterstützer der "Abenomics", des wirtschaftspolitischen Kurses von Ministerpräsident Shinzo Abe. Der Premier will die anderthalb Jahrzehnte andauernde Ära der fallenden Preise mit aller Macht beenden. Dafür setzt er auf eine aggressive Geldpolitik aber auch auf höhere Ausgaben des Staates, die über Kredite finanziert werden. Der Abbau des Schuldenberges ist dabei nur ein mittelfristiges Ziel des Regierungschefs.

Währungshüter Kuroda zeigte sich vor den Abgeordneten besorgt, dass die Investoren das Spiel nicht mehr mitspielen könnten und mehr Zinsen verlangen. "Bis jetzt ist der Anleihemarkt stabil. Aber wenn der Markt das Vertrauen in die japanischen Finanzen verliert, hätte das einen sehr negativen Einfluss auf die gesamte Wirtschaftspolitik." Anders als Griechenland oder andere bedrängte Eurostaaten ist Tokio weitgehend unabhängig von der Gunst internationaler Geldgeber. Ein Großteil der Anleihenkäufer sitzt im eigenen Land. Unternehmen und private Sparer investieren seit jeher bevorzugt in heimische Staatsanleihen.

Mitte der kommenden Woche trifft sich der Rat der Notenbank zur ersten regulären Sitzung unter dem neuen Chef. Analysten erwarten, dass die Geldpolitik noch einmal deutlich gelockert wird. Kuroda hat bereits mehrere Maßnahmen in die Diskussion gebracht. So will er zum Beispiel japanische Staatsanleihen mit langer Laufzeit kaufen.

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Quelle: n-tv.de

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