Wirtschaft
Auch für Deutschland (hier ein Werk der Salzgitter AG) ist die OECD etwas weniger zuversichtlich.
Auch für Deutschland (hier ein Werk der Salzgitter AG) ist die OECD etwas weniger zuversichtlich.(Foto: dpa)

Regierungen dringend gefordert: OECD senkt BIP-Prognosen für Deutschland

Die Entwicklung der Weltwirtschaft wird nach Ansicht der OECD weniger rosig ausfallen als zuletzt angenommen. Die Effekte des niedrigen Ölpreises fallen geringer aus. Besonders düster sieht es für Brasilien aus. China bleibt dagegen von einer Revision verschont.

Die Industriestaaten-Organisation OECD blickt deutlich skeptischer auf die globale Konjunktur. Sie senkte ihre Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft, die USA, die Eurozone und Deutschland teilweise deutlich. Die globale Konjunktur dürfte demnach in diesem Jahr nur noch um 3,0 Prozent zulegen und im nächsten Jahr um 3,3 Prozent. Noch im November hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für 2016 ein Plus von 3,3 Prozent veranschlagt und für 2017 von 3,6 Prozent.

Wegen schwacher Daten bei Handel, Investitionen und Lohnwachstum rief die Industriestaaten-Gruppe die Politik auf, "dringend" für mehr Wirtschaftswachstum zu sorgen. "Die Geldpolitik kann die Arbeit nicht allein machen." Vor allem Länder mit finanziellem Spielraum sollten mit öffentlichen Ausgaben Infrastrukturprojekte anschieben. Ähnlich hatte sich in der Vergangenheit mehrfach EZB-Präsident Mario Draghi geäußert.

Die Risiken einer finanziellen Instabilität bezeichnete die OECD als "beträchtlich". Die globalen Finanzmärkte hätten die Wachstumsaussichten neu bewertet, was zu einem Fall an den Aktienbörsen und zu einer höheren Marktvolatilität geführt habe. Einige Schwellenländer seien besonders verwundbar gegenüber scharfen Wechselkursschwankungen und Effekten, die aus der hohen Binnenverschuldung erwachsen.

Ölpreis-Verfall mit geringerer Wirkung als gedacht

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Der deutschen Wirtschaft traut die OECD in diesem Jahr nur noch ein Wachstum von 1,3 Prozent zu, das sich im nächsten Jahr auf 1,7 Prozent erhöhten dürfte. Bislang waren die Experten von 1,8 und 2,0 Prozent ausgegangen.Die OECD bezieht sich in ihrer Prognose auf das Bruttoinlandsprodukt, das um die unterschiedliche Zahl der Arbeitstage bereinigt ist. In dieser Rechnung war die deutsche Wirtschaft 2015 um 1,4 Prozent gewachsen. Unbereinigt hatte es mit 1,7 Prozent das größte Plus seit 2011 gegeben.

Auch für den gesamten Euro-Raum ist die OECD pessimistischer. Der positive Effekt des geringen Ölpreises sei schwächer ausgefallen als erwartet. Auch die niedrigen Zinsen und der schwache Euro hätten die Investitionen noch nicht spürbar angekurbelt. Die Wirtschaft im Währungsraum dürfte der Organisation zufolge 2016 um 1,4 Prozent zulegen und nicht wie bisher angenommen um 1,8 Prozent. Im kommenden Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung um weitere 1,7 Prozent steigen.

Besorgt zeigte sich auch die Europäische Zentralbank (EZB). Die Währungshüter befürchten, dass der Preisrutsch beim Schwarzen Gold weitere Kreise zieht und damit ihr Inflationsziel in weite Ferne rückt. "Die Gefahren haben seit Beginn des laufenden Jahres zugenommen," heißt es im Protokoll der EZB-Zinssitzung vom 21. Januar. Zwar schreite die moderate wirtschaftliche Erholung in der Eurozone voran. Aber es gebe Anzeichen dafür, dass neben Öl auch der Preis für andere Güter und Dienstleistungen zurückgehen könne.

Die EZB strebt eigentlich eine Teuerung von knapp zwei Prozent als idealen Wert für die Wirtschaftsentwicklung an. Denn das schafft einen Sicherheitsabstand zu einer gefährlichen Abwärtsspirale aus fallenden Preisen sowie stockenden Investitionen und sinkenden Löhnen. Eine solche Deflation hat beispielsweise die Wirtschaft in Japan lange Zeit gelähmt. Im Januar waren die Preise in der Euro-Zone nur um 0,4 Prozent angezogen. Die EZB-Ratsmitglieder warnten aber davor, ein zu düsteres Bild zu zeichnen. Ansonsten würde womöglich die befürchtete Entwicklung zu einem Teil herbeigeredet.

Lage in Brasilien ist düster

Trübe Aussichten sagen die OECD-Ökonomen derweil vor allem Brasilien voraus. Die größte Volkswirtschaft Südamerikas werde auch im laufenden Jahr um rund vier Prozent schrumpfen und damit tief in der Rezession steckenbleiben. Bisher hatte die OECD nur ein Minus von 1,2 Prozent erwartet. Erst im kommenden Jahr werde das Schwellenland sich wieder etwas berappeln, aber das Bruttoinlandsprodukt werde 2017 höchstens stagnieren.

Für die USA prognostiziert die OECD 2016 ein Wachstum von 2,0 Prozent. 2017 dürften es dann 2,2 Prozent werden. Dies ist jeweils weniger als noch im November erwartet. Einige Finanzmarktexperten sorgen sich darum, dass die weltgrößte Volkswirtschaft weiter Fahrt verlieren könnte. Angesichts der Konjunkturabkühlung in China und Turbulenzen an den Börsen hat die US-Notenbank Fed bereits signalisiert, bei Zinserhöhungen langsamer vorzugehen. Die Wachstumsprognosen für China wurden nicht angetastet, die in Paris ansässige Organisation erwartet weiter Zuwächse von 6,5 Prozent in diesem Jahr und 6,2 Prozent im Jahr 2017.

Quelle: n-tv.de

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