Wirtschaft
Im März sah es noch aus wie ein perfektes Geschäft: Rene Obermann und AT&T-Chef Randall Stephenson (r.).
Im März sah es noch aus wie ein perfektes Geschäft: Rene Obermann und AT&T-Chef Randall Stephenson (r.).(Foto: dpa)

AT&T gibt T-Mobile USA auf: Obermann beschwert sich

Es ist ein harter Schlag für den Telekom-Chef: Der hartnäckige Widerstand der US-Behörden erweist sich als unüberwindlich. Rene Obermann muss sich vom Verkauf der ungeliebten US-Tochter an den Telefongiganten AT&T verabschieden. Analysten rätseln, wie es mit T-Mobile USA nun weitergehen kann.

Nach dem geplatzten Verkauf der Unternehmenstochter T-Mobile USA an den US-Wettbewerber AT&T hat Telekom-Chef René Obermann die Aufsichtsbehörden in den USA scharf kritisiert.

Bis zum Schluss war keine Bereitschaft zu erkennen, sich im Detail mit Zugeständnissen zu befassen": Obermann bei einer Anhöhrung zum AT&T-Geschäft in Washington (Archivbild).
Bis zum Schluss war keine Bereitschaft zu erkennen, sich im Detail mit Zugeständnissen zu befassen": Obermann bei einer Anhöhrung zum AT&T-Geschäft in Washington (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Von Seiten der Wettbewerbshüter habe es "keine Unterstützung" für ein Gelingen der Übernahme gegeben, sagte Obermann. "Bis zum Schluss war keine Bereitschaft zu erkennen, sich im Detail mit Zugeständnissen zu befassen." Der Telekom-Chef bezeichnete es als "nicht nachvollziehbar", dass die Behörden eine Transaktion behindert hätten, die dazu beigetragen hätte, das Ziel einer flächendeckenden Ausstattung der USA mit mobilem Internet voranzutreiben.

AT&T hatte für die Übernahme von T-Mobile USA 39 Mrd. Dollar (rund 30 Mrd. Euro) geboten. Mit dem Zukauf wollte sich der Konzern die Marktführerschaft im US-Mobilfunkbereich sichern. Das US-Justizministerium und die zuständige Regulierungsbehörde hätten dem Verkauf zustimmen müssen. Wegen des anhaltenden Widerstands gab AT&T die Übernahmepläne zu Wochenbeginn offiziell auf. Der umfassende Widerstand des amerikanischen Justizministeriums sowie der Telekom-Aufsichtsbehörde FCC habe es immer weniger wahrscheinlich erscheinen ließen, dass das Vorhaben genehmigt werde, teilten die beiden Konzerne nach US-Börsenschluss mit.

Damit ist ein wichtiges Großprojekt von Konzernchef Obermann gescheitert. Mit dem Verkauf wollte Obermann die kriselnde US-Tochter auf elegante Art loswerden und gleichzeitig Milliarden für den Schuldenabbau einnehmen. T-Mobile USA bleibt laut Obermann nun vorerst in Händen der Telekom. AT&T muss allerdings eine milliardenschwere Entschädigung leisten, die die Amerikaner der Telekom für den Fall eines Scheiterns der Transaktion versprochen hatten. Für den geplatzten Verkauf erhalte der Dax-Konzern von AT&T Geld und andere Leistungen im Gesamtwert von rund 6 Mrd. Euro, erklärte der Telekom-Chef.

Laut Obermann umfasst diese Summe unter anderem eine Barzahlung von 3 Mrd. Dollar. Das Geld solle noch in diesem Jahr auf das Konto der Telekom fließen, sagte er. Hinzu komme eine mehrjährige Vereinbarung über Roaming-Leistungen sowie ein Paket an Mobilfunk-Frequenzen zugunsten von T-Mobile USA, deren Wert Analysten bei weiteren drei Milliarden Dollar sehen.

Wie geht es nun weiter?

Der Geldregen ist nur ein Trostpflaster für Obermann. Er muss sich für das schwächelnde US-Mobilfunk-Geschäft etwas Neues überlegen. Die Tochter, die immerhin ein Viertel des Konzernumsatzes erzielt, trat zuletzt auf der Stelle. Unterdessen konnten große Konkurrenten wie Verizon Wireless und eben AT&T mit exklusiven Telefonen Kunden anlocken. Zudem stehen große Investitionen ins Funknetz an.

Die Telekom dürfte deshalb nun zügig mit der Suche nach einem neuen Partner beginnen, sagte LBBW-Analyst Stefan Borscheid. Optionen wären eine Netzwerkpartnerschaft mit Clearwire oder eine Zusammenarbeit mit dem drittgrößten US-Mobilfunker Sprint Nextel. Da die Telekom aber am liebsten den USA komplett den Rücken kehren wolle, ist auch ein Verkauf an Finanzinvestoren nicht ausgeschlossen, betonte der Marktexperte.

Die Dividende steht

Die Telekom erklärte, sie rechne für das laufende Jahr weiter mit einem operativen Gewinn (Ebitda) von rund 19,1 Mrd. Euro. Zudem hält der Bonner Konzern sein Dividendenversprechen und will für dieses und nächstes Jahr jeweils 70 Cent pro T-Aktie an die Anteilseigner ausschütten. Größter Aktionär ist der Bund mit gut 30 Prozent.

Angesichts der Kritik an dem Vorhaben hatten die beiden Telefonkonzerne vor einer Woche erstmals öffentlich darüber gesprochen, ob es überhaupt noch Sinn mache, das Geschäft weiter zu verfolgen. Die Telekom und AT&T hatten die Fusion im Frühjahr angekündigt.

Die US-Behörden fürchteten, dass bei einem Zusammenschluss der Nummer 4 auf dem US-Markt mit der Nummer 2 der Wettbewerb auf dem US-Mobilfunkmarkt weiter zurückgehen würde. AT&T sowie die Telekom argumentierten hingegen, dass die Übernahme die Abdeckung mit mobilen Datendiensten in den USA erhöhe sowie Arbeitsplätze schaffe.

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Quelle: n-tv.de

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