Wirtschaft
Es ist zu viel Öl auf dem Markt.
Es ist zu viel Öl auf dem Markt.(Foto: dpa)

Tiefster Stand seit 2003: Ölpreise sind im freien Fall

Die chinesische Konjunkturschwäche belastet zu Wochenbeginn die Ölpreise massiv. WTI und Brent rutschen unter die Marke von 32 US-Dollar. Die Bank of America-Merrill Lynch hält sogar einen Barrelpreis von unter 20 Dollar für möglich.

Nahezu ungebremst geht es mit den Ölpreisen zu Beginn der Woche weiter abwärts. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI rutschte am späten Abend mit 31,37 Dollar erstmals seit 2003 wieder unter das Niveau von 32 Dollar - ein Minus von 5,4 Prozent zum Freitag. Und auch die europäische Referenzsorte Brent fällt mit 31,44 Dollar unter die Marke von 32 Dollar und damit auf das niedrigste Niveau seit 2004. Hier steht ein Abschlag von 6,3 Prozent gegenüber Freitag zu Buche.

Vor allem die anhaltenden Sorgen um die Konjunkturentwicklung in China belasten das Sentiment. "Das bestehende Überangebot ist etwas in den Hintergrund getreten, derzeit drücken die Sorgen um die Konjunktur in China auf die Stimmung", merkt der Rohstoff-Analyst Barnabas Gan von OCBC an. Nach Ansicht von ANZ dürften die China-Sorgen zumindest kurzfristig für weiteren Druck auf die Ölpreise sorgen. Aber auch die Entwicklungen im Nahen Osten stünden im Fokus der Investoren, heißt es. Damit sei eine Erholung der Preise noch mehr in die Ferne gerückt.

Die Bank of America-Merrill Lynch (BoA-ML) schließt das denkbar schlechteste Szenario für den Ölpreis nicht mehr aus: ein Fallen unter 20 Dollar je Fass. Für nahezu sicher halten die Analysten indes, dass der Ölpreis in nächster Zeit erst einmal nicht steigen wird. Denn neben vielen anderen Faktoren belaste derzeit ein regelrechter Preiskrieg zwischen den Ländern der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) den Ölpreis zusätzlich.

Horrorszenario für Öl-Unternehmen

"Der Preiskrieg innerhalb der Opec hat sich zuletzt wieder verschärft. Dazu kommen die Bestände, die demnächst aus dem Iran auf den Markt kommen und die starke Yuan-Abwertung in China", heißt es im Bericht der Bank. "Der ungewöhnlich warme Winter in den USA und Europa hat den Bedarf nach Öl in diesen Regionen außerdem um rund 200.000 Fass pro Tag reduziert", heißt es weiter.

Die Prognosen für den Durchschnittspreis von Rohöl der Sorte WTI im Jahr 2016 senken die Analysten von 48 auf 45 Dollar. Den geschätzten Durchschnittspreis für Brent-Öl reduzieren sie von 50 Dollar auf 46 Dollar. Diese Zahlen implizieren jedoch immer noch einen steilen Preisanstieg im Verlauf des Jahres, heißt es von den Analysten.

Das Szenario der BoA-ML: Die Preise könnten bis unter 20 Dollar fallen, bevor es in der zweiten Jahreshälfte für den Ölpreis wieder steil bergauf gehen dürfte. "Ein Preisverfall unter 30 Dollar dürfte für viele Öl-Unternehmen bedeuten, dass sie die operativen Kosten nicht mehr decken können. Dies dürfte dann einen Wendepunkt für den Ölpreis einleiten", sagen die Analysten. In der zweiten Jahreshälfte 2015 hatten bereits mehr als 20 Öl- und Gasunternehmen aus den USA Insolvenz angemeldet - deutlich mehr als während der letzten Finanzkrise.

Quelle: n-tv.de

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