Wirtschaft

Brauer polarisiert, Branche kritisiert: Oettinger-Bier "Ohne Gentechnik"

Die bayerischen Brauereien Lammsbräu und Riegele aus Augsburg sowie die Stralsunder Brauerei starten 2006 eine Initiative, die die Bierproduktion vor Gentechnik schützen soll. Hunderte anderer Brauereien schlossen sich an. Nun wirbt die Oettinger Brauerei mit dem entsprechenden Siegel des Verbraucherschutzministeriums - und sorgt so für Ärger in der Branche.

Ein Siegel entzweit Deutschlands Brauer.
Ein Siegel entzweit Deutschlands Brauer.(Foto: Oettinger)

Deutschlands größte Biermarke Oettinger verkauft ihr komplettes Bier-Sortiment ab sofort mit dem einheitlichen Siegel "Ohne Gentechnik". Damit sei Oettinger Deutschlands erste Brauerei, die Kunden die Gentechnik-Freiheit ihres Bieres mit der Kennzeichnung garantiere, teilte das Unternehmen mit. Die Konkurrenz kritisierte, Oettinger nutze nun zwar das Siegel, andere Brauer garantierten aber schon längst Gentechnik-Freiheit.

"Mit dem Siegel geben wir dem Verbraucher Gewissheit, dass nicht die geringste Spur von gentechnisch veränderten Rohstoffen in unserem Bier enthalten ist", sagte Oettinger-Inhaber und -Geschäftsführer Dirk Kollmar. Die Entscheidung für die Vermarktung des Bieres mit der Kennzeichnung sei «eine Reaktion auf die zunehmende Internationalisierung am Rohstoffmarkt und die damit einhergehende Gefahr gentechnisch veränderter Rohstoffe». Sie sei für die Oettinger Brauereigruppe aber auch eine Fortschreibung des deutschen Reinheitsgebotes.

Die neu gekennzeichnete Ware soll nach Angaben des Unternehmens ab dieser Woche verkauft werden. Bei Oettinger Bier ist das Siegel demnach auf Etiketten und Kronkorken zu finden. Die Oettinger Brauereigruppe ist bekannt dafür, ihr Bier zu Niedrigpreisen zu verkaufen.

Auch Kritik

Das einheitliche Siegel "Ohne Gentechnik" war 2009 vom Bundesverbraucherschutzministerium vorgestellt worden. Bei der Kennzeichnung handelt es sich um eine grüne Raute mit der weißen Aufschrift "Ohne Gentechnik". Mittlerweile wird das Siegel vom Verband Lebensmittel ohne Gentechnik vergeben, bei dem Oettinger nun Mitglied und Lizenznehmer ist. Hersteller müssen sich bei der Nutzung des Logos verpflichten, Lebensmittel vollkommen ohne die Nutzung von Gentechnik zu produzieren - also auch ohne gentechnisch veränderte Zutaten.

Oettinger-Konkurrent Lammsbräu erklärte, die Entscheidung der Oettinger-Gruppe sei grundsätzlich gut. "Allerdings geht Oettinger keineswegs der Branche voran", sagte eine Lammsbräu-Sprecherin. Oettinger habe vielmehr nun ein Siegel erhalten, das andere Brauereien nicht bekommen könnten, obwohl sie dessen Kriterien schon "seit Jahren erfüllen".

Bio-Brauereien wie die Neumarkter Lammsbräu müssten grundsätzlich gentechnikfrei arbeiten, sagte die Lammbsräu-Sprecherin. Sie dürfen allerdings nicht explizit damit werben, da dies als Werbung mit Selbstverständlichkeiten gewertet und abgemahnt werden würde. Bio-Produkte müssten gentechnikfrei sein, sagte die Sprecherin.

Die bayerischen Brauereien Lammsbräu und Riegele aus Augsburg  sowie die Stralsunder Brauerei starteten 2006 eine Initiative, welche die Bierproduktion vor Gentechnik schützen soll. Der Initiative schlossen sich hunderte von Brauereien an.

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Quelle: n-tv.de

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