Wirtschaft
Ein alterndes Nadelöhr des Welthandels: Die Miraflores-Schleusen im Panamakanal zählen zu den Engstellen, die Schiffsgrößen, Frachtkosten und Lieferzeiten festlegen.
Ein alterndes Nadelöhr des Welthandels: Die Miraflores-Schleusen im Panamakanal zählen zu den Engstellen, die Schiffsgrößen, Frachtkosten und Lieferzeiten festlegen.(Foto: dpa)

Präsident eilt nach Europa: Panama bangt um Kanalausbau

BER, S21, Elbphilharmonie: Bei Großprojekten laufen die Kosten schnell aus dem Ruder. In Panama stößt die geplante Kanalerweiterung auf einen gewaltigen Problemberg. Es geht um eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt. Madrid und Rom sollen nun vermitteln.

Stilecht mit Schärpe: Im Parlament von Panama kündigt Präsident Martinelli eine Lösungssuche auf höchster Ebene an.
Stilecht mit Schärpe: Im Parlament von Panama kündigt Präsident Martinelli eine Lösungssuche auf höchster Ebene an.(Foto: AP)

Ein Streit um die Baukosten bringt die geplante Erweiterung des Panamakanals in Gefahr. Panamas Präsident Ricardo Martinelli hat vor diesem Hintergrund einen Besuch in Spanien und Italien angekündigt, um das drohende Aus des Projekts abzuwenden. Die Regierungen in Madrid und Rom sollen sich an den Bemühungen beteiligen, die Finanzierung des Infrastrukturprojekts doch noch auf gesunde Füße zu stellen.

Die Reise des panamaischen Präsidenten führt nicht zufällig nach Europa: Zwischen der Betreiberfirma des Kanals (ACP) und dem Baukonsortium GUPC sind die Fronten angesichts steigender Baukosten verhärtet. Der von dem spanischen Unternehmen Sacyr und dem italienischen Impregilo kontrollierte Baukonzern GUPC stellte der ACP zu Jahresbeginn ein Ultimatum, um eine Rechnung von 1,6 Milliarden US-Dollar Zusatzkosten zu begleichen. Umgerechnet geht es dabei um eine Summe von rund 1,2 Milliarden Euro.

Für den Fall, dass der Kanalbetreiber ACP die ausstehende Summe nicht rechtzeitig überweist, droht GUPC damit, die Bauarbeiten innerhalb von 21 Tagen einzustellen. ACP wies die Forderungen zurück. Präsident Martinelli will nun, dass die Regierungen Spaniens und Italiens in den Streit eingreifen. Das 3,2-Milliarden-Dollar-Bauvorhaben soll 2015 fertiggestellt werden.

Größenlimit im Schiffbau

Der Ausbau des Panamakanals hat nicht nur für das kleine und vergleichsweise schwach aufgestellte Land in Mittelamerika enorme wirtschaftliche Bedeutung. Der Panamakanal zählt zu den wichtigsten Schifffahrtswegen des globalen Seegüterverkehrs.

Beim Transport von Frachtgütern können Kapitäne durch die kostenpflichtige Passage quer durch Panama einen mehrere tausend Kilometer langen Umweg rund um die Südspitze Südamerikas einsparen. Auf dem Seeweg bietet der Panamakanal zudem die kürzeste Verbindung zwischen den Industriezentren an der West- und Ostküste der USA.

Ähnlich wie der Suezkanal bildet der rund 82 Kilometer lange und knapp 100 Jahre alte Panamakanal eine Art Nadelöhr der Weltwirtschaft. Weltweit orientieren sich Werften beim Bau von Tankern, Containerschiffern und Schüttgutfrachtern an den Größenvorgaben der Kanalschleusen. Für den Staat Panama stellt der Betrieb des Kanals die wichtigste Einnahmequelle dar.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen