Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Siemens-Konkurrent mit roten Zahlen: Philips gerät in Schieflage

Eigentlich kann 2012 für Philips nur besser werden. Im abgelaufenen Jahr schreibt der niederländische Elektronikriese tiefrote Zahlen. Euro-Schuldenkrise und wachsender Konkurrenzdruck sorgen bei dem Siemens-Konkurrenzen aber auch dafür, dass der Ausblick auf das laufende Jahr extrem verhalten ausfällt.

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Philips gerät immer tiefer in den Abwärtsstrudel. Der niederländische Siemens-Konkurrent rutschte im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen. Der Elektronikkonzern mit weltweit 120.000 Mitarbeitern häufte ein Minus von knapp 1,3 Mrd. Euro nach einem Milliardengewinn im Vorjahr an. Im 4. Quartal fehlten 160 Mio. Euro.

Neben seinem defizitären TV-Geschäft machten Philips zuletzt vor allem die geringeren Ausgaben der öffentlichen Hand in der Schuldenkrise zu schaffen, was der Konzern im Gesundheitssystem und auf dem Bau zu spüren bekommt. Philips-Chef Frans Van Houten äußerte sich daher auch für das laufende Jahr sehr vorsichtig.

Die Aktie fiel rund 2,6 Prozent, während Siemens in Frankfurt in einem schwächeren Umfeld unverändert notierte.

Trendwende nicht in Sicht   

Seit Van Houten im April den Chefsessel übernommen hat, versucht er alles, um den einstigen Vorzeigekonzern wieder auf Kurs zu bringen. Doch auch massive Einsparungen, Managerwechsel und der bevorstehende Verkauf des TV-Geschäfts brachten bisher keine Trendwende.

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"Wegen der Ungewissheiten für die weltweite Wirtschaft und Europa im Besonderen sind wir für 2012 vorsichtig", sagte Van Houten. Ähnlich äußerte sich zuletzt auch der Rivale in München. "Sorgen macht uns die Schuldenkrise in Europa", sagte Siemens-Chef Peter Löscher. Der Konzern schloss sein vergangenes Geschäftsjahr Ende September mit einem Gewinn von 6,3 Mrd. Euro ab.

"Verhaltener Ausblick"

Die schwache Nachfrage der Verbraucher auf dem Kontinent hinterließ bereits im 4. Quartal tiefe Spuren im Philips-Ergebnis. Die Niederländer machen knapp ein Drittel ihres Umsatzes in Europa. Vor allem Krankenhäuser schoben die Bestellung von Medizintechnik auf. Das Lager der Niederländer füllt sich zudem, weil Verbraucher ihre Geldbörsen verschlossen halten und weniger Glühbirnen oder elektrische Zahnbürsten kaufen.

"Der Ausblick für 2012 ist recht verhalten ausgefallen, sollte aber weitgehend erwartet worden sein", sagte DZ-Bank-Analyst Thomas Maul. Seiner Meinung nach wird das Sparprogramm mit dem Abbau von 4500 Stellen in den nächsten Monaten aber dem Aktienkurs positive Impulse geben. Die Kosten dafür wie Abfindungen kommen für Philips in der ersten Jahreshälfte damit als Belastung hinzu. Bis zum Sommer wird ohnehin auch von Seiten der Konjunktur mit einem deutlichen Gegenwind gerechnet.

Keine Auspaltung

"Es wird kein einfaches erstes Halbjahr", sagte Van Houten. Zugleich wies er Gerüchte zurück, es sei geplant, den Konzern aufzuspalten. Seit Van Houten das Ruder übernommen hat, musste er die Investoren bereits zwei Mal davor warnen, dass der Konzern seine selbstgesteckten Ziele nicht erreichen wird, zuletzt Mitte Januar.

Im abgelaufenen Vierteljahr halbierte sich der Vorsteuergewinn nahezu im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 503 Mio. Euro. Der Nettoverlust summierte sich - auch wegen Abschreibungen auf das TV-Geschäft - auf 160 Mio. Euro nach einem Gewinn von 465 Mio. Euro im 4. Quartal 2010. Der Umsatz stieg dank guter Geschäfte mit der Automobilbranche um rund 3 Prozent auf 6,7 Mrd. Euro.

TV-Verkauf bis Ende März

Zum größten Sorgenkind im Konzern hat sich das defizitäre Fernseher-Geschäft entwickelt. Seit Anfang 2007 häufte es Verluste von fast 1 Mrd. Euro an. Vor allem die günstigere Konkurrenz aus Asien wie die südkoreanischen Rivalen Samsung und LG setzen den Niederländern zu.

Deswegen trennt sich Philips nun auch von dem Bereich. Van Houten rechnet damit, den Verkauf an den Hongkonger TPV-Konzern bis Ende des ersten Quartals über die Bühne zu bringen. Noch müssen die TPV-Aktionäre sowie die zuständigen Wettbewerbsbehörden dem Geschäft zustimmen. TPV plant für den 22. Februar eine Hauptversammlung.

Quelle: n-tv.de

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