Wirtschaft
Die EZB-Vertreterin Isabel von Koeppen, hinter ihr die Leiterin der Troka-Delegation, Delia Velculescu, auf dem Weg zum zyprischen Präsidenten Nicos Anastasiades.
Die EZB-Vertreterin Isabel von Koeppen, hinter ihr die Leiterin der Troka-Delegation, Delia Velculescu, auf dem Weg zum zyprischen Präsidenten Nicos Anastasiades.(Foto: dpa)

Zyperns Alternativen: Pleite oder neuer Rettungsplan

Der erste Rettungsplan für Zypern ist gescheitert. Damit bringt die von der Staatspleite bedrohte Mittelmeer-Insel die ganze Eurozone in eine prekäre Lage. Welche Möglichkeiten gibt es, um doch noch zu einer Einigung mit den internationalen Geldgebern zu kommen?

Szenario 1: Bestehendes Modell abwandeln

Das bisherige Modell, das von Zypern einen eigenen Sanierungsbeitrag in Höhe von rund sieben Milliarden Euro einfordert, könnte überarbeitet werden. Denkbar wäre, dass sich das kleine Land dazu durchringt, die großen Bank-Guthaben viel stärker zu belasten. Darauf hoffen viele Politiker in Europa. Bislang sah die im Parlament durchgefallene Zwangsabgabe auf Bank-Guthaben bei Vermögen oberhalb von 100.000 Euro einen Satz von 9,9 Prozent vor. Werden die Reichen stärker in die Pflicht genommen, könnte die Masse der Sparer mit Summen bis zu 100.000 Euro geschont - und der Volkszorn beschwichtigt - werden. Eine solche Lösung hieße jedoch, dass das Land seinen Ruf als attraktive Steueroase für ausländische Investoren, insbesondere reiche Russen und Briten, verlieren würde.

Zypern könnte sich aber auch entscheiden, seinen eigenen  Beitrag auf einem anderen Wege aufzubringen, etwa durch zusätzliche Privatisierungen oder Steuererhöhungen. Auch der Verkauf von Ausbeutungsrechten für große Rohstoffvorkommen des Landes wäre denkbar.

Szenario 2: Euro-Geldgeber bewegen sich

Eine weitere Möglichkeit ist, den Eigenbeitrag Zyperns zu verringern. In diesem Fall müssten die Hilfen der Europäer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) für den zyprischen Staat über die bisher vorgesehene 10-Milliarden-Euro-Marke ausgeweitet werden. Das würde allerdings die Schulden des Landes in die Höhe treiben, und zwar mittelfristig auf Werte von deutlich über 100 Prozent der Wirtschaftsleistung - ein kaum tragfähiges Maß. In diesem Fall könnte der IWF nicht mitziehen, was wiederum für viele Euroländer, nicht zuletzt Deutschland, eine Beteiligung ebenfalls sehr schwermachen würde.

Szenario 3: Die russische Karte

Als "weißer Ritter" könnte Russland auftreten und Zypern aus der Patsche helfen. Allerdings reichen die Streckung eines bestehenden Kredits über 2,5 Milliarden Euro sowie möglicherweise bessere Konditionen für das Darlehen nicht aus. Spätestens im Juni, wenn eine große Anleihe in Zypern fällig wird, braucht das Land noch mehr Geld. Ein neuer Kredit aus Russland könnte helfen, würde die Verschuldung des Landes aber ebenfalls in die Höhe treiben. Ein Ausweg könnte eine Art Verpfändung von Gasvorkommen an Russland sein, vielleicht auch an andere Investoren aus dem Ausland. Damit würde Zypern aber den Wohlstand von morgen verschenken.

Szenario 4: Die Staatspleite

Das schlechteste Szenario: Zypern rutscht ungeordnet in die Staatspleite. Rechnungen im In- und Ausland würden nicht mehr beglichen, Anleihen nicht mehr bedient.  Die EZB stellt die Notfall-Liquidität für die Banken ein, diese reißen den Staat in die Pleite. Leidtragende wären alle, die Forderungen an den Staat und seine Banken hätten.  Zypern steuert auf einen Austritt aus der Eurozone und die Einführung  einer eigenen Währung zu.

Was bedeutet das für die Eurozone? Zypern steht lediglich für knapp 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone. Manche Experten hoffen deswegen, dass eine Pleite verkraftbar wäre. So argumentieren auch viele Abgeordnete im Bundestag. Allerdings haben die maßgeblichen Akteure, allen voran Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, immer argumentiert, bei der Überwindung der Schuldenkrise gehe es vor allem um Vertrauen. Wenn nun aber mit dem Fall Zypern das Vertrauen in der Welt erschüttert wird, dass die Eurozone mit all ihren Mitgliedern stabil und verlässlich zusammensteht, könnte das an den Finanzmärkten Glaubwürdigkeit kosten. Und das würde wohl wieder höhere Zinsen, weniger Wachstum und mehr Arbeitslosigkeit bedeuten.

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