Wirtschaft
Für 50 Jahre in französischer Hand: Portugals wichtigste Flughäfen.
Für 50 Jahre in französischer Hand: Portugals wichtigste Flughäfen.(Foto: Reuters)

Vinci sticht Fraport aus: Portugal schlägt Flughäfen los

Die portugiesische Regierung kommt mit der Privatisierung von Staatsbesitz ein großes Stück voran. Die Flughäfen des Landes werden künftig vom französischen Baukonzern Vinci betrieben, der dafür mehr als 3 Milliarden Euro auf den Tisch legt. Gemessen am Gewinn lassen sich die Franzosen ihr Engagement damit einiges kosten.

Veni, vidi, Vinci: Staatssekretärin Maria Luís Albuquerque erläutert die Details der Privatisierung (mit Regierungssprecher Luis Marques Guedes, l. und Staatssekretär Sergio Silva Monteiro).
Veni, vidi, Vinci: Staatssekretärin Maria Luís Albuquerque erläutert die Details der Privatisierung (mit Regierungssprecher Luis Marques Guedes, l. und Staatssekretär Sergio Silva Monteiro).(Foto: dpa)

Der französische Baukonzern Vinci hat den Bieterwettstreit um die Privatisierung des portugiesischen Flughafenbetreibers ANA für sich entschieden. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport, der bis zum Schluss ebenfalls mit im Rennen war, konnte mit seiner Offerte nicht überzeugen.

Vinci zahlt für 95 Prozent des Kapitals von ANA insgesamt 3,08 Mrd. Euro. Dafür darf der Konzern die Flughäfen von ANA in den kommenden 50 Jahren betreiben. Vinci habe nicht nur die höchste, sondern auch die "strategisch beste" Offerte abgegeben, sagte die zuständige Staatssekretärin im Finanzministerium, Maria Luís Albuquerque.

Gemessen am bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) von ANA bezahlt Vinci das Fünfzehnfache. Damit liegt die Bewertung fast doppelt so hoch wie vergleichbare Transaktionen in der jüngeren Vergangenheit.

Soll übererfüllt

Mit dem 2011 begonnenen Privatisierungsprogramm will das vom Bankrott bedrohte Euroland Portugal die Auflagen der internationalen Geldgeber erfüllen und seine Schulden abbauen. Der Staat trennte sich bereits unter anderem von 40 Prozent des Kapitals des Energieversorgers REN sowie von 21,35 Prozent des Kapitals des Stromriesen EDP. Nächstes Jahr will Portugal unter anderem auch die Staatspost CTT, Teile der Wasserbetriebe "Aguas de Portugal" sowie Schiffswerften im Norden des Landes privatisieren.

Durch das ANA-Geschäft erhöht sich die dank der Privatisierungen in die Staatskassen bereits geflossenen Gelder auf 6,4 Mrd. Euro. Das eigens gesteckte Mindestziel von 5,5 Mrd. Euro hat die Regierung damit übertroffen. Die Privatisierung der Flughafen-Verwaltungsbehörde soll nach den Vorstellungen der Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho bis Anfang 2013 umgesetzt werden.

Große Pläne

Vinci will mit dem Deal sein Flughafengeschäft erweitern. Bislang betreibt der Konzern Flughäfen vor allem in Frankreich und Kambodscha und erzielte mit dem Geschäft im vergangenen Jahr 150 Mio. Euro Umsatz. Inklusive der portugiesischen Geschäfte dürften die Einnahmen der Sparte in diesem Jahr auf 600 Mio. Euro steigen und der bereinigte operative Gewinn rund 270 Mio. Euro erreichen.

ANA betreibt in Portugal sieben Flughäfen, darunter die beiden größten des Landes in Lissabon und Porto. Mit knapp 2800 Mitarbeitern erwirtschaftete die Gesellschaft 2011 einen Umsatz von 432 Mio. Euro, der Gewinn betrug 76,5 Mio. Euro. Neben Fraport gehörten zu den verbliebenen vier Bietern der Betreiber des Schweizer Flughafens Zürich sowie der argentinische Infrastruktur-Konzern Corporacion America.

Quelle: n-tv.de

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