Gerüchte um dicke Commerzbank-BoniPost zahlt 100 Euro an alle
Selten lässt sich die Unternehmenskultur zweier grundverschiedener Dax-Mitglieder so direkt vergleichen wie im aktuellen Fall von Post und Commerzbank. Die Deutsche Post bedankt sich bei ihren Mitarbeitern und spendiert einheitlich 100 Euro netto. Bei der staatlich gestützten Großbank dagegen erwarten "ausgewählte Mitarbeiter" angeblich wieder Sonderzahlungen in Höhe von bis zu 500.000 Euro.
Die Deutsche Post hat ihren weltweit rund 500.000
Mitarbeitern eigenen Angaben zufolge angesichts eines "guten Jahres 2010"
einen Bonus gezahlt. Jeder der Beschäftigten habe im Januar netto 100 Euro zusätzlich
erhalten, sagte ein Post-Sprecher. Es habe sich um eine "freiwillige
Zusatzleistung" gehandelt, mit der der Vorstand seine Anerkennung für den Einsatz
der Beschäftigten ausdrücken wolle.
Die Post hat bislang noch keine Geschäftszahlen für das Jahr 2010 veröffentlicht.
Der Konzern hatte im Jahresverlauf aber seine Prognose angehoben und strebte demnach einen
operativen Gewinn (Ebit) vor Einmaleffekten von zwei bis 2,1 Mrd. Euro.
Neue Post-Knoten in Cincinnati
Für Investitionen in das lange schwierige
US-Geschäft muss der Bonner Konzern unterdessen erneut tief in die Tasche greifen: Die Konzerntochter DHL werde 22,5 Mio. Dollar für
den Ausbau eines Luftverkehr-Knotenpunkts in Cincinnati investieren, teilte die
Post mit. Es soll zusätzlicher Platz für Flüge zwischen den USA, Asien
und Europa geschaffen werden und damit der wachsenden Nachfrage von Expresskunden
Rechnung getragen werden.
Die Post hatte im US-Geschäft Milliarden-Verluste eingefahren. Letztlich hatte sich
der Konzern aus dem inneramerikanischen Express-Geschäft zurückgezogen, wo er vergeblich
versucht hatte, den Platzhirschen UPS und FedEx die Stirn zu bieten. Nun bedient
die Post Kunden, die Waren in die USA einführen oder von dort exportieren.
Dreistelliger Millionenbetrag?
Während die Deutsche Post in Anerkennung der Verdienste ihrer Mitarbeiter effektiv rund 50 Mio. Euro als "freiwillige Zusatzleistung" aufbringt, bereitet die vom Staat gestützte Commerzbank
angeblich wieder deutlich großzügigere Sonderzahlungen vor. Nach Informationen der "Zeit"
will die Großbank in Anbetracht der Erfolge im abgelaufenen Jahr eine dreistellige Millionensumme an verdiente Bankangestellte ausschütten.
Die Commerzbank beschäftigt eigenen Angaben zufolge knapp 60.000 Mitarbeiter, davon rund 45.000 im Inland. Bei diesen Sonderzahlungen soll es sich dem Bericht zufolge um variable Leistungen handeln, die sich nach einem
Vergütungsmodell richten, das die Bank in Reaktion auf die Boni-Debatte mit dem Bund abgestimmt hat. Anders als im Fall der Post, sollen offenbar bei weitem nicht alle Commerzbank-Mitarbeiter in den Genuss der Boni-Ausschüttung kommen.
Ein Banksprecher wollte den Bericht zunächst nicht
kommentieren. Dies galt auch für die "Zeit"-Informationen, dass die Commerzbank mit frischem Kapital
bis Ende 2011 die Hälfte der stillen Einlage des Bunds zurückgezahlt haben
wolle. Bislang ist der Staat hier noch mit 16,2 Mrd. Euro beteiligt.
Ihre Bilanz für das abgelaufene Quartal hat die Bank für den 23. Februar
angekündigt. Einen hatte Finanzvorstand Eric Strutz im Januar anlässlich einer Investorenveranstaltung in New York geliefert.
Im Schatten der Boni-Debatte
Erst im Oktober hatte Commerzbank-Chef Martin Blessing in
einem Brief an Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) Sonderzahlungen
generell verteidigt: "Die schnelle Rückkehr der Commerzbank in die Gewinnzone
zeigt, dass unsere Entscheidung, ausgewählten Mitarbeitern mehr als 500.000
Euro zu zahlen, richtig war."
Kauder hatte damals gefordert, dass auch nicht komplett
verstaatlichte Institute wie die Commerzbank keine Boni und Sonderprämien mehr zahlen sollten. Die
Commerzbank gehört nach der staatlichen Intervention zu einem Viertel dem Bund.
Das Jahresgehalt der Vorstände wurde - wie bei anderen staatlich gestützten
Banken auch - auf 500.000 Euro begrenzt.
Im vergangenen Jahr
hatte es nach Sonderzahlungen bei der komplett verstaatlichten Hypo Real Estate
(HRE) von 25 Mio. Euro für 1400 Mitarbeiter laute politische Proteste gegeben.