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In Toulouse wird der A350 endmontiert.
In Toulouse wird der A350 endmontiert.(Foto: picture alliance / dpa)

Geschraubt, gelötet, geklebt, genietet: Produktion von A350 läuft

Mit viel Tamtam bringt Airbus seine Antwort zu Boeings Dreamliner an den Start: Der A350 soll dem US-Konkurrenten das Fürchten lehren. Obwohl die Auslieferung des ersten Fliegers bereits verschoben ist, häufen sich die Bestellungen. Mehr als 550 Order von 34 Kunden liegen zum Beginn der Produktion bereits vor.

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Die EADS-Tochter Airbus feiert den offiziellen Produktionsstart seines Langstreckenfliegers und Dreamliner-Konkurrenten A350. Der Flugzeugbauer eröffnete am Stammsitz im südfranzösischen Toulouse das mehr als 70.000 Quadratmeter große Endmontagewerk für die A350 XWB. Das erste flugfähige Modell wird derzeit zusammengebaut und soll nach erheblicher Verspätung im Sommer 2013 fertig sein.

Die Einzelteile für den Flieger kommen unter anderem von den deutschen Airbus-Standorten in Bremen und Stade bei Hamburg. "Während so viele andere reduzieren müssen, stellen wir weiter ein, investieren und expandieren", hob Airbus-Chef Fabrice Brégier auf der Feier hervor. "Die neue A350-Familie bedeutet für Airbus die Zukunft auf der Langstrecke", sagte sein für das operative Geschäft zuständige deutsche Vorstandskollege Günter Butschek.

Schon 558 Order in der Tasche

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Der zum großen Teil aus besonders leichten Verbundwerkstoffen bestehende Flugzeugtyp gilt als europäische Antwort auf die 787 Dreamliner des US-Konkurrenten Boeing. Die 787 werden bereits seit dem Herbst 2011 an Kunden ausgeliefert.

Insgesamt hat Airbus für den neuen Jet bereits 558 Bestellungen von 34 Kunden. Die großen deutschen Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin gehören bislang jedoch nicht dazu.

Die zweistrahlige A350 mit Reichweiten von mehr als 15.000 Kilometern soll in drei unterschiedlichen Versionen gebaut werden. Der Listenpreis liegt je nach Ausstattung zwischen 245,5 Mio. Dollar (188 Mio. Euro) für die kürzere Version A350-800 mit 270 Sitzen, bei 277,7 Mio. Dollar für die A350-900 mit 314 Sitzen sowie bei 320,6 Mio. Dollar (246 Mio. Euro) für die längste Variante A350-1000 mit 350 Sitzen.

Probleme zwischen Paris und Berlin

Der Listenpreis für den A350 liegt zwischen 188 Mio. und 246 Mio. Euro.
Der Listenpreis für den A350 liegt zwischen 188 Mio. und 246 Mio. Euro.(Foto: REUTERS)

Die Markteinführung des ersten Airbus A350 ist derzeit für das zweite Halbjahr 2014 vorgesehen. Der Termin musste wegen Entwicklungsproblemen bereits mehrmals nach hinten verschoben werden. Zum Programmstart hatte Airbus noch eine Erstauslieferung für 2013 vorgesehen.

Neben den Verzögerungen belasten aber auch Spannungen zwischen den Regierungen in Paris und Berlin die Atmosphäre. Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault stellte sich nun demonstrativ hinter den Chef der Airbus-Muttergesellschaft EADS, Thomas Enders. Er habe vollstes Vertrauen in Enders strategische Entscheidungen, sagte Ayrault.

Der Franzose forderte Berlin indes indirekt auf, seinen Beitrag zur milliardenschweren Anschubfinanzierung für die A350 zu leisten. "Die europäischen Staaten spielen seit jeher eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung von Luftfahrtprojekten. (...) Es ist unabdingbar, dass die Zusagen komplett eingehalten werden", sagte Ayrault und verwies darauf, dass Frankreich dies selbstverständlich tue.

Er spielte damit auf den Kreditkonflikt zwischen EADS und Deutschland an. Zwischen der Bundesregierung und dem Flugzeugbauer schwelt seit Monaten ein Streit über die Verteilung der Airbus-Wertschöpfung zwischen Deutschland und Frankreich. Der deutsche Luft- und Raumfahrtkoordinator Peter Hintze (CDU) forderte, mehr qualifizierte Arbeitsanteile bei der A350-Entwicklung in das deutsche Airbus-Werk nach Hamburg zu ziehen. Enders, der erst seit kurzem allein an der EADS-Spitze steht und zuvor Airbus-Chef war, lehnt dies ab.

Bei Airbus gibt man sich beim Thema Anschubfinanzierung zugeknöpft. Der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Günter Butschek verweist darauf, dass selbst bei dem in Toulouse montierten Airbus 350 rund ein Drittel der Bauteile aus Deutschland kommen. "Hamburg ist unser Kompetenzzentrum für die A320-Familie. Die A330, die auf Sicht gesehen durch die A350 ersetzt werden soll, wird traditionell hier in Toulouse montiert und insofern war es richtig und konsequent zu sagen, wir bleiben mit der Langstrecke hier in Toulouse", sagte er.

Den gescheiterten Fusionsplänen will der deutsche Topmanager nicht lange hinterhertrauern. Eine starke Muttergesellschaft, die auf den zwei soliden Standbeinen zivile Luftfahrt sowie Rüstung und Verteidigung steht, wäre Airbus entgegenkommen, sagt Butschek. "Aber wir fühlen uns auch mit EADS in der heutigen Grundstruktur gut aufgehoben."

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Quelle: n-tv.de

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