Wirtschaft
Mitarbeiter einer Textilfabrik in einem Vorort von Dhaka in Bangladesch nähen T-Shirts. Die Fabrik erfüllt die höchsten Standard. Sie produziert unter anderem auch für Marken wie Puma und Esprit. In anderen Betrieben der Textilindustrie Asiens sind die Arbeitsbedingungen nicht so mustergültig.
Mitarbeiter einer Textilfabrik in einem Vorort von Dhaka in Bangladesch nähen T-Shirts. Die Fabrik erfüllt die höchsten Standard. Sie produziert unter anderem auch für Marken wie Puma und Esprit. In anderen Betrieben der Textilindustrie Asiens sind die Arbeitsbedingungen nicht so mustergültig.(Foto: picture alliance / dpa)

Verbrennungen und Schinderei: Puma kannte den Zulieferer nicht

Die Berichte über katastrophale Produktionsbedingungen in der Textilbranche reißen nicht ab. Auch Puma bestätigt solche Vorwürfe. Die Branche hat offenbar ein Problem: Eine gefährliche Schattenwirtschaft unbekannter Sublieferanten.

Die jüngsten Berichte bringen das ganze Elend der Branche ans Tageslicht: Die Arbeitsbedingungen in der Textilbranche scheinen nahezu unkontrollierbar, weil sich die Produzenten der Kenntnis und damit der Kontrolle des eigentlichen Auftragsgebers entziehen. Der fränkische Sportartikel-Hersteller Puma hat diese Erfahrung gemacht. Nach einem Medienbericht über katastrophale  Zustände in einer Fabrik in El Salvador stoppte er die Aufträge an einen nicht autorisierten Sublieferanten.

Die Arbeitsbedingungen in der Zulieferfirma mit Dumpinglöhnen sind nach Angaben des Sportartikelherstellers eine Ausnahme. Die Firma sei auch nicht als Zulieferer autorisiert gewesen, sagte ein Puma-Sprecher in Herzogenaurach. Ein offizieller Vertragspartner habe dem Betrieb für den Zeitraum von April bis Juni einen Auftrag für rund 50.000 Produkte weitergereicht. Dieser sei inzwischen gestoppt worden.

Der "Spiegel" hatte zuvor von Verbrennungen durch offene Kabel, verdrecktem Trinkwasser und extremem Arbeitsdruck in der Fabrik berichtet. Auch der gesetzliche Mindestlohn von 203 Dollar (146 Euro) soll nicht eingehalten worden sein. Puma bestätigte die Vorwürfe. Die weltweiten Arbeitsbedingungen in der Textilbranche stehen derzeit generell im Fokus, nachdem in den vergangenen Tagen verschiedentlich neue Vorwürfe laut geworden waren.

Zwei-Klassen-Produktion

Die Christliche Initiative Romero erklärte, Zulieferer der Bekleidungsindustrie griffen zunehmend auf noch billigere Sublieferanten zurück - so entstehe ein Zwei-Klassen-System in der Produktion: "Nur die Billigsten können im Kampf um Aufträge mithalten." Puma hingegen betonte, die große Masse der Zulieferer habe in den vergangenen Jahren in die Infrastruktur sowie in Umwelt- und Sozialstandards investiert.

Die Textilbranche steht seit einem verheerenden Unfall in einer Fabrik in Bangladesch im April 2013 im Fokus öffentlicher Kritik. Bei dem Einsturz des Gebäudes, in dem auch für mehrere europäische Hersteller produziert wurde, kamen wegen mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen mehr als 1100 Menschen ums Leben.

Zuletzt hatte in der Branche die Billigtextilkette Primark für Aufmerksamkeit gesorgt.  Das irische Unternehmen, das wegen in Kleidungsstücke eingenähter, angeblicher Hilferufe von Arbeiterinnen in die Kritik geraten war, ist dabei aber womöglich einer Kunstaktion aufgesessen.

Primark betonte erneut, dass sich das Unternehmen für gute Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern einsetze. 2013 hat die Handelskette nach eigenen Angaben mehr als 2000 Fabrikinspektionen durchführen lassen. An diesem Donnerstag  eröffnet das Unternehmen am Berliner Alexanderplatz eine weitere Filiale in Deutschland.

Quelle: n-tv.de

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