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Wirtschaftspolitik à la Wladimir Putin: "Das müssen wir machen, und das werden wir machen."
Wirtschaftspolitik à la Wladimir Putin: "Das müssen wir machen, und das werden wir machen."(Foto: REUTERS)

Ersatz für Visa und Mastercard: Putin plant die Kreml-Karte

Die US-Sanktionen gegen Russland zeigen erste Wirkung: Präsident Putin reagiert auf die Kreditkartensperre und ordnet den Aufbau eines durch und durch russischen Zahlungssystems an. Für Mastercard und Visa wird es eng.

Politisch erzwungene Einschränkungen: Im russischen Markt müssen sich Mastercard und Visa auf einiges gefasst machen.
Politisch erzwungene Einschränkungen: Im russischen Markt müssen sich Mastercard und Visa auf einiges gefasst machen.(Foto: REUTERS)

Russlands starker Mann treibt unter dem Druck westlicher Sanktionen die wirtschaftliche Isolierung seines Landes voran: Als Reaktion auf Beschränkungen im internationalen elektronischen Zahlungsverkehr hat der russische Präsident Wladimir Putin die Entwicklung eines eigenen, vom Ausland unabhängigen Zahlungssystems in Auftrag gegeben.

Zuvor hatten die Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard ihre Dienste für einzelne russische Unternehmer und die Bank Rossija ohne Vorankündigung vorübergehend eingestellt und damit eine ganze Reihe von Geschäftsbeziehungen in Russland auf Eis gelegt. Putin drohte den US-Unternehmen daraufhin mit dem Verlust eines "lukrativen" Marktes. "Wir müssen unsere Interessen schützen und werden dies auch tun."

Unter Hinweis auf nationale Kreditkartensysteme in Japan und China sagte Putin: "Warum haben wir das nicht? Dies sollten wir definitiv haben, und wir werden es einrichten." Japan und China nutzten ihre eigenen Systeme bereits erfolgreich, erklärte Putin bei einem Treffen mit Mitgliedern des Föderationsrates.

Kremlnaher Kartenkonzern?

Angesichts der US-Sanktionen will der russische Präsident nun ein eigenes, rein russisches Kreditkartenunternehmen schaffen. "Das müssen wir machen, und das werden wir machen", sagte er. "Es ist wirklich bedauerlich, dass gewisse Unternehmen Restriktionen beschlossen haben", betonte er. "Das wird wohl nur dazu führen, dass sie einen gewissen Marktanteil verlieren - in einem sehr profitablen Markt."

Die beiden weltgrößten Kreditkarten-Anbieter Visa und Mastercard hatten Ende vergangener Woche ihre Geschäftsbeziehungen mit der russischen Bank Rossiya und drei direkt mit Rossiya verbundenen Instituten eingestellt. Die Bank Rossiya steht auf der US-Sanktionsliste. Den beiden börsennotierten Kreditkartenanbietern blieb damit keine andere Wahl als sämtliche Geschäftsbeziehungen mit ihren russischen Partnern einzufrieren. Andernfalls hätten empfindliche Strafen durch US-Aufseher gedroht.

Neue Eiszeit in der russischen Wirtschaft

Am Wochenende nahmen die beiden Kreditkartenunternehmen die Beziehungen zu zwei der Institute wieder auf, wickeln aber weiterhin keine Transaktionen für Kunden von Rossiya und deren Tochter Sobinbnak ab. Damit werden die politischen Folgen des russischen Vorgehens auf der Krim auch für eine ganze Reihe russischer Bankkunden in Moskau unmittelbar spürbar. Gerade in der reichen Oberschicht zählt der unbare Zahlungsverkehr per westlicher Kreditkarte im russischen Alltag als wichtiges Statussymbol.

Die Pläne zum Aufbau eines eigenen Kreditkartenanbieters sind Teil einer größeren Entwicklung. Die Regierung in Moskau sucht wegen des Konflikts um die ukrainische Halbinsel Krim nach Möglichkeiten, wirtschaftlich unabhängiger vom Westen zu werden.

Die EU versucht dagegen, weniger auf russische Energie-Lieferungen angewiesen zu sein. Die Folge könnte eine tiefgehende wirtschaftliche Isolierung Russlands sein, unter der aller Voraussicht nach die Menschen in Russland stärker leiden dürften als die Menschen im Westen.

Quelle: n-tv.de

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