Freitag, 03. Juli 2009
"Drastische Maßnahmen"
Jobabbau bei Quelle
Der insolvente Versandhauskonzern Quelle steht vor einem massiven Umbau, der auch zahlreiche Arbeitsplätze kosten wird. "Es wird drastische Maßnahmen geben müssen, die auch Arbeitsplätze kosten werden", sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich der "Süddeutschen Zeitung". Er ist im Team des Insolvenzverwalters für den Quelle-Mutterkonzern Arcandor, Klaus Hubert Görg, für die Versandsparte Primondo und damit auch für Quelle zuständig.
Laut Nerlich werden noch im Juli erste Eckpunkte für einen Sanierungsplan vorgelegt. Demnach gibt es bereits "erste Interessenten" für eine Übernahme von Quelle. Allen Beteiligten müsse jedoch klar sein, "dass die Quelle so wie sie ist nicht erhalten werden kann".
Nerlich zufolge lässt sich noch nicht beziffern, wie viele der fast 10.000 Arbeitsplätze bei Quelle und in Schwesterfirmen wegfallen werden. "Wir spielen derzeit die unterschiedlichsten Szenarien durch und schauen uns an, wo sich bei Quelle wie dauerhaft Rendite erzielen lässt und wo wir schneiden müssen", sagte der Insolvenzverwalter.
Nerlich zeigte sich überzeugt, dass der Kern des Fürther Traditionsunternehmens gerettet werden kann. "Wir werden durch eine Restrukturierung auf der Kostenseite die Quelle wieder zum Laufen bringen und sie so in den sicheren Hafen fahren, dass ein Investor sie übernehmen kann", sagte er. Voraussetzung dafür sei allerdings, "dass unsere Sparringspartner wie Banken oder Betriebsrat mitspielen".
Katalogdrucker warten auf Geld
Unterdessen sollen die Drucker des neuen Quelle-Katalogs Ende nächster Woche ihr Geld bekommen. Ein Sprecher von Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sagte, der Fürther Versandhändler werde am kommenden Donnerstag dank eines Massekredits wieder zahlungsfähig sein. Einer der beiden Katalogdrucker, der Schwarzwälder Druckkonzern Schlott, hatte die Auslieferung gestoppt, weil er zuerst Geld sehen will. Prinovis, wo zwei Drittel der Auflage gedruckt werden, liefert dagegen nach eigener Aussage bereits aus.
Der Sprecher sagte weiter, der Insolvenzverwalter habe Schlott schon am Donnerstag die Zahlung avisiert und zugleich in einem Brief vor den Schäden infolge der Verzögerung gewarnt. Diese gefährde die Überlebensfähigkeit von Quelle.
"Wir haben vorproduziert, wegen der Zahlungsschwierigkeiten aber noch keinen einzigen Katalog an den Kunden ausgeliefert", sagte ein Schlott-Sprecher am Freitag. "Die fertigen Produkte stehen auf dem Hof, derzeit stehen die Maschinen. Wir würden wieder anfahren, wenn die Bezahlung sicher ist."
Der Staat hatte einen Massekredit über 50 Mio. Euro an Quelle bewilligt, die Kreditverträge sind aber noch in Arbeit. Den Staatskredit hatte die Valovis Bank, die die Forderungen von Quelle an ihre Kunden zwischenfinanziert, als Sicherheit gefordert. Die Bank hatte die Zahlungen nach dem Insolvenzantrag von Quelle und des Mutterkonzerns Arcandor eingestellt. Prinovis reicht bereits die Zusage zur Übernahme der Produktionskosten. Der Druck und Versand des Katalogs kostet mehr als 20 Mio. Euro.
wne/AFP/rts
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