Dienstag, 03. November 2009
Keine "weiße Ware" mehr
Quelle geht das Geld aus
Pleite in der Pleite: Wohl dem, der noch einen Kühlschrank ergattern konnte.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Im Schlussverkauf beim insolventen Versandhändler Quelle gibt es keine "Privileg"-Waschmaschinen und Kühlschränke mehr. Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sagte, der Hersteller der "weißen Ware" habe Eigentumsvorbehalt angemeldet und erwäge, die Geräte wieder abzuholen. Deshalb könnten diese derzeit nicht bestellt werden. Der wichtigste Lieferant für die Quelle-Eigenmarke ist der schwedische AEG-Eigentümer Electrolux. Die deutsche Vertriebstochter wollte sich nicht dazu äußern.
Hintergrund ist die finanzielle Lage von Quelle. Mitten im Schlussverkauf droht dem Unternehmen das Geld auszugehen. Görg habe beim Amtsgericht in Essen drohende Masseunzulänglichkeit angemeldet, sagte der Sprecher. Damit müssten sich Lieferanten, die Quelle seit der Anmeldung der Insolvenz am 1. September noch beliefert haben, mit ihren Forderungen hinten anstellen, können aber auch ihre Waren abholen. Für die rund 4000 gekündigten Mitarbeiter von Quelle bedeutet die sogenannte "Insolvenz in der Insolvenz", dass die Arbeitsagentur ihren Lohn bis zum Auslaufen der Arbeitsverträge aufstockt.
5000 Bestellungen pro Stunde
Seit Sonntag versucht Quelle, die letzten 18 Mio. Waren im Internet und über die ebenfalls vor der Schließung stehenden eigenen Technik-Center loszuschlagen. An den ersten beiden Tagen sind nach Angaben des Insolvenzverwalters bereits fast 150.000 Bestellungen eingegangen. Am Dienstag hielt der Ansturm an: 5000 Bestellungen pro Stunde verzeichnete der Internet-Shop des Versenders.
Doch die Abwicklung des Ausverkaufs kostet Geld, die Kunden haben zwei Wochen Zeit zu zahlen. Die Factoring-Banken Valovis, Commerzbank und BayernLB hatten ihre Zahlungen aus der Vorfinanzierung von Kundenforderungen nach dem Scheitern des Verkaufsprozesses für Quelle Deutschland eingestellt. Das habe die Liquiditätslage verschärft, sagte der Sprecher Görgs.
Vorwarnung an Lieferanten
Der Verwalter hatte die Lieferanten bereits vergangene Woche gewarnt, dass Quelle "absehbar in eine sehr kritische Liquiditätssituation geraten" könnte. Daher werde "geprüft, ob die laufenden Bestellungen bezahlt werden können". Vor den Toren der Lagerhallen stapeln sich noch angelieferte Waren, die Quelle nicht mehr annahmen will.
Der Post-Tochter DHL macht der Ausverkauf bei Quelle einem Sprecher zufolge kein Kopfzerbrechen. Der Konzern brauche kein zusätzliches Personal, um die Bestellungen ausliefern zu können. "In guten Zeiten" habe es bei Quelle zum Teil die fünffache Sendungsmenge gegeben.
dpa
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