Wirtschaft

Bis Weihnachten gehen die Lichter aus: Quelle muss einpacken

Für Quelle Deutschland gibt es keine Zukunft.
Für Quelle Deutschland gibt es keine Zukunft.(Foto: dpa)

Für den traditionsreichen Quelle-Versand gibt es in Deutschland keine Hoffnung mehr. Alle Bemühungen der vergangenen Monate, das Unternehmen durch einen staatlichen Hilfskredit oder den Verkauf ganzer Teile zu bewahren, sind endgültig gescheitert. Dem Versandhaus mit 82 Jahre alter Tradition bleibt nur die Abwicklung.

Nach Einschätzung von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gehen bei Quelle noch vor Weihnachten die Lichter aus. Der Ausverkauf der Lagerbestände werde vier bis sechs Wochen dauern, sagte er in Fürth. "Wir werden im E-Commerce drastische Rabatte erleben", kündigte Görg an.

Tausende Jobs gehen verloren

Tausende Beschäftigte des Unternehmens stehen damit unmittelbar vor der Arbeitslosigkeit. "Wenn man alle zusammennimmt, sind das mehr als 6000 Mitarbeiter, um die es jetzt noch geht", sagte der Handelsexperte Johann Rösch von der Gewerkschaft Verdi. "Was noch offen ist, ist die Frage: Wie viel Liquidität hat der Insolvenzverwalter noch und wie viele Menschen kann er während der Abwicklung noch beschäftigen." Alle übrigen Mitarbeiter würden mit sofortiger Wirkung freigestellt.

Einige hundert Mitarbeiter sollen ihre Stelle bereits Ende des Monats verlieren, sie bekommen wegen der leeren Firmenkassen schon für November kein Gehalt mehr. Davon betroffen seien Mitarbeiter im Einkauf, der Werbung und der Katalogherstellung, so Görg. Einige tausend Beschäftigte seien für die gesunden Tochter- und Schwesterfirmen von Quelle tätig und könnten ihre Arbeit behalten.

Am Nachmittag sollen die Mitarbeiter über ihre Zukunft im Unternehmen informiert werden.
Am Nachmittag sollen die Mitarbeiter über ihre Zukunft im Unternehmen informiert werden.(Foto: AP)

Nicht einmal die in Aussicht gestellten Übergangsgesellschaften für die Mitarbeiter, die ihre Stellen verlieren, werde es wahrscheinlich geben. "Die Transfergesellschaften sind, wenn uns nicht eine Ersatzlösung einfällt, erledigt", sagte Görg.

Die staatliche KfW müsse um ihren Massekredit aber nicht fürchten. Er sei durch die umfangreiche Besicherung nicht in Gefahr. "Der KfW gehört alles, was an freiem Vermögen noch da war, insgesamt", sagte Görg. Dazu zählten Teile des Warenlagers und einige Grundstücke.

Mitarbeiter fühlen sich getäuscht

Bis zuletzt hatten die Beschäftigten gehofft, dass einer der vier interessierten Investoren die endgültige Schließung abwenden könnte. Bereits im August mussten dafür 3100 Beschäftigte gehen, vergangenen Freitag erhielten 800 weitere die Kündigung. "Das galt als Voraussetzung, dass die Investoren zugreifen, deshalb fühlen sich viele Menschen mehr als getäuscht", sagte Rösch.

Neben dem deutschen Quelle-Versand, der nun geschlossen wird, arbeiten auch einige profitable Töchter unter dem Dach der Versandhandelssparte Primondo. Dazu gehören das Auslandsgeschäft von Quelle in der Schweiz, Österreich und Osteuropa, der Einkaufssender HSE24 sowie mehrere Spezialversender, darunter Peter Hahn, Baby Walz oder Hess Natur. Diese Töchter sollen nun in Einzelteilen verkauft werden.

Die Karstadt-Warenhäuser des insolventen Quelle-Mutterkonzerns Arcandor seien in wesentlich besserer Verfassung, sagte Görg. Der Umsatz dort liege über Plan. Er sei weitaus optimistischer, für die Kette einen Investor zu finden.

Warum der Verkauf scheiterte

Grund für das Scheitern des Verkaufs von Quelle war am Ende das sogenannte Factoring. Dabei tritt eine Bank für die offenen Rechnungen eines Versandhauses in Vorleistung und kümmert sich um die Abwicklung etwa von Ratenzahlungen der Quelle-Kunden. Diese für Versandunternehmen typische Art der Vorfinanzierung von Kundenforderungen übernimmt die Quelle-Hausbank Valovis mit Unterstützung der Bayern LB und der Commerzbank - allerdings nur bis zum Jahresende. Eine Einigung über den 1. Januar 2010 hinaus habe nicht erzielt werden können, sagte Görg. Dies hatten die Kaufinteressenten aber zur Bedingung gemacht. Für einen Versandhändler ist diese Form der Finanzierung essenziell: "Der Versand- oder Distanzhandel funktioniert ohne solide finanzierte Ratenzahlungssysteme nicht", sagte Görgs Quelle-Beauftragter Jörg Nerlich.

Alle potenziellen Bieter hätten die Aufgabe der rund 1450 Quelle-Shops gefordert, die für das 1927 gegründete Unternehmen die Bestellungen sammelten und stets ein kleines Warensortiment vorrätig hatten, erklärte Görg. Sie wollten auf das Internet setzen. Das hätte ohnehin mehr als die geplanten 3700 Stellen gekostet. Görg selbst hatte nur ein Drittel der Quelle-Shops und die 109 Quelle-Technik-Center schließen wollen.

Zu den aussichtsreichsten Interessenten für Quelle war laut Kreisen der US-Finanzinvestor TPG gezählt worden, der viel Erfahrung im Einzelhandel mitbringt. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" bietet der Finanzinvestors Golden Gate nur für HSE24. Cerberus verhandele zwar weiter mit dem Insolvenzverwalter. Ein Sprecher habe aber nicht sagen wollen, worüber. Der Investor Sun Capital, dem der Quelle-Rivale Neckermann.de gehört, habe sich bereits zuvor aus dem Verkaufsprozess zurückgezogen. Un der Quelle-Erzrivale Otto hatte bereits zu Beginn abgewinkt.

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Quelle: n-tv.de

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