Wirtschaft
Die Erholung der Weltwirtschaft wird den Handel nur mäßig ankurbeln -  deutsche Exporte werden geringer zulegen.
Die Erholung der Weltwirtschaft wird den Handel nur mäßig ankurbeln - deutsche Exporte werden geringer zulegen.(Foto: picture alliance / dpa)

Aufschwung schwächer als gedacht: Forscher kappen Prognose für 2014

Die Weltwirtschaft kommt zwar in Tritt, doch die deutschen Unternehmen profitieren davon weniger stark als gedacht. Auch das vierte Quartal beginnt verhalten. Grund genug für zwei Wirtschaftsinstitute, ihre BIP-Erwartungen zu senken.

Zwei führende Forschungsinstitute rudern beiden Wachstumserwartungen für das kommende Jahr zurück. So senkte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) seine Erwartungen für das kommende Jahr gesenkt und rechnet nun mit einem weniger dynamischen Konjunkturverlauf als bisher. Auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) geht inzwischen von einem geringeren Wachstum im kommenden Jahr aus. Beide prognostizierten geringere Exportergebnisse als bislang.

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Während das RWI seine Prognose um 0,4 Punkte auf 1,5 Prozent zurücknahm, korrigierte das IWH seine Vorhersage um 0,2 Prozentpunkte nach unten und geht nun für 2014 von einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent aus. Für das laufende Jahr rechnen beide mit einem Anstieg um 0,4 Prozent. "Der Aufschwung verläuft schwächer als erwartet", sagen die RWI-Ökonomen in ihrer jüngsten Prognose.

"Dies liegt vor allem daran, dass die aktuellen realwirtschaftlichen Indikatoren auf ein verlangsamtes Tempo des Aufschwungs gegen Ende dieses Jahres hinweisen", erklärten die RWI-Volkswirte die Abwärtsrevision. "Die Weltwirtschaft erholt sich zwar, aber die deutschen Exporte entwickeln sich etwas gedämpfter als gedacht", sagte Konjunkturchef Roland Döhrn. Das dürfte dazu führen, dass die Unternehmen vorsichtiger investieren.

Viertes Quartal beginnt mau

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Die ersten realwirtschaftlichen Indikatoren für das vierte Quartal seien enttäuschend. Jüngste Daten zur Industrie- und Bauproduktion und zum Auftragseingang für Oktober würden nach der Einschätzung des RWI "für sich genommen auf eine allenfalls schwache Zunahme des BIP im vierten Quartal, wenn nicht gar einen Rückgang hinweisen".

"Die Wirtschaft geht mit weniger Schwung ins neue Jahr", sagte Döhrn. "Das dämpft 2014 den Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion." Die Daten stünden allerdings im Widerspruch zu weiter verbesserten Umfrageindikatoren wie dem Ifo-Geschäftsklima, die wieder bessere Daten in den beiden letzten Monaten des Jahres erwarten ließen.

Auch die IWH-Forscher verwiesen auf ein erwartetes schwächeres Winterhalbjahr 2013/2014. Für 2015 rechnet das IWH mit einem Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent. Das RWI wollte für 2015 noch keine Prognose vorlegen.

Etwas zuversichtlicher zeigen sich die Ökonomen des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). Sie sagten für 2014 ein Wachstum von 1,7 Prozent voraus nach einem Plus von 0,5 Prozent noch in diesem Jahr. Sie erwarten, dass die deutsche Wirtschaft nächstes Jahr sowohl von der Binnenkonjunktur als auch von der Außenwirtschaft getragen sein wird.

Derweil sendet die Eurozone eher maue Signale: Im Oktober fuhren die Unternehmen ihre Produktion so stark herunter wie seit über einem Jahr nicht mehr. Sie schrumpfte überraschend um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Ökonomen hatten dagegen mit einem Wachstum von 0,3 Prozent gerechnet. Die Produktion sank sowohl bei dauerhaften Konsumgütern als auch bei Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen. "Die Industrie ist kein Zugpferd für die Erholung der Wirtschaft in der Eurozone", sagte Ökonom Ben May von Capital Economics. "Die Wirtschaftserholung bleibt fragil und holprig", sagte ING-Experte Martin van Vliet.

Wenig direkte Auswirkungen des Koalitionsvertrages

Die direkten konjunkturellen Auswirkungen des Koalitionsvertrags dürften sich nach Einschätzung des RWI abgesehen von den beschlossenen Rentenmaßnahmen im Jahr 2014 in Grenzen halten. Aus den von Union und SPD beschlossenen Mehrausgaben für Kindertagesstätten, Schulen und Hochschulen sowie die Verkehrsinfrastruktur können sich nach der Befürchtung der Ökonomen aber indirekte Belastungen für die Konjunktur ergeben. "So ist nicht auszuschließen, dass die zum 1. Januar 2015 angekündigte Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns bereits vorab zu Anpassungen bei der Beschäftigung führt", betonten sie.

Die Arbeitslosenquote dürfte laut RWI 2014 sinken und die Inflationsrate steigen. Die Arbeitslosenquote dürfte von 6,9 Prozent in diesem Jahr auf 6,8 Prozent im nächsten Jahr zurückgehen. Zugleich erwartet das RWI eine Inflationsrate von 1,5 Prozent in diesem sowie 1,7 Prozent im kommenden Jahr.

Quelle: n-tv.de

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