Wirtschaft
Jeder Euro zählt: Berliner Wirtschaftsexperten schlagen vor, Reiche stärker zur Kasse zu bitten.
Jeder Euro zählt: Berliner Wirtschaftsexperten schlagen vor, Reiche stärker zur Kasse zu bitten.(Foto: picture alliance / dpa)

Vorschlag zur Schuldenkrise: Reiche sollen zahlen

Ob in Griechenland, Spanien oder Italien - die Wirtschaftskrise trifft besonders die kleinen Leute. Berliner Wirtschaftsforscher präsentieren deshalb eine neue Idee, um das Vermögen von Großverdienern anzuzapfen. Deutschland könnte demnach mit einem Geldregen rechnen.

Mit einem spektakulären Vorschlag wollen Berliner Wirtschaftsforscher die Eurokrise in den Griff bekommen: Reiche Bürger könnten mit einer Zwangsanleihe die hohen Staatsschulden finanzieren. Die Idee kommt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Der zuständige Experte Stefan Bach hat zum Thema eine Studie verfasst.

Neben der Zwangsanleihe sei eine zeitweise Vermögensabgabe für Bürger mit hohen Einkommen denkbar. Das wäre dann die sogenannte "Reichensteuer". Die Mittel daraus sollen dann der Haushaltssanierung zugutekommen. Der Staat könne das Vermögen entweder durch eine einmalige Abgabe belasten, die dann sukzessive abgezahlt werde. "Man könnte das aber auch mit einer Zwangsanleihe kombinieren, indem die betroffenen Abgabepflichtigen Schulden übernehmen müssen", schreibt Studienleiter Stefan Bach. "Je nach Konsolidierungsfortschritt beim Staat können diese Anleihen dann später zurückgezahlt und auch verzinst werden." Wenn das nicht der Fall sei, dann gehe das Ganze in eine Vermögensabgabe über.

250.000 Euro soll Grenze sein

Die Einbeziehung reicher Bürger in den Schuldenabbau könne auch in Deutschland von Nutzen sein, wo die Schuldenquote ebenfalls deutlich über der Maastricht-Grenze von 60 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt liegt, heißt es beim DIW. Steuerpflichtig wären laut der Studie die reichsten acht Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Ab einem individuellem Vermögen von 250.000 Euro sollen Wohlhabende zur Kasse gebeten werden. Bei Ehepaaren verdoppelt sich die Grenze auf 500.000 Euro. Der Staat soll auf die einschlägigen Vermögensarten wie Immobilien-, Geld- und Betriebsvermögen zurückgreifen, rät das DIW. Bei einem Zwangskredit oder einer Abgabe von zehn Prozent könnte der Staat 230 Mrd. Euro einnehmen - immerhin neun Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Für besonders effektiv halten die Forscher die Abgabe jedoch für die Euro-Sorgenkinder wie Griechenland oder Spanien. "Gerade für die Krisenländer wären solche Instrumente eine sinnvolle Option, um die durchaus vorhandenen und zum Teil stark konzentrierten Privatvermögen zur Refinanzierung der Staaten heranzuziehen." Allerdings müssten solche Maßnahmen auch mit Rücksicht auf die politische Akzeptanz schrittweise und eher langfristig umgesetzt werden.

Reiche könnten mehr tun

Wohlhabende Bürger könnten dadurch aber auch motiviert werden, sich stärker zu engagieren, argumentieren die Ökonomen: "Ferner setzt dies für die zu Abgaben herangezogenen Personen Anreize, sich stärker um die fiskalische und wirtschaftliche Gesundung ihrer Länder zu kümmern."

Quelle: n-tv.de

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