Wirtschaft
Verstärkung für die Streitkräfte in Skandinavien: Eine neue Lkw-Generation soll "sowohl die Transportkapazität der Nachschubtruppe als auch deren operative Fähigkeiten steigern".
Verstärkung für die Streitkräfte in Skandinavien: Eine neue Lkw-Generation soll "sowohl die Transportkapazität der Nachschubtruppe als auch deren operative Fähigkeiten steigern".(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Hightech-Trucks für Schweden: Rheinmetall liefert Militär-Lkw

Der Auftrag sorgt in Düsseldorf und Wolfsburg für Erleichterung: Der Widerstand von Scania erweist sich als wirkungslos. Die schwedischen Streitkräfte bestellen in Deutschland eine ganze Flotte an Spezialfahrzeugen.

Allradantrieb auf zwei Achsen: Ein Lkw der HX-Serie von RMMV mit leicht gepanzerter Kabine.
Allradantrieb auf zwei Achsen: Ein Lkw der HX-Serie von RMMV mit leicht gepanzerter Kabine.(Foto: Rheinmetall-Pressebild)

Der Rüstungskonzern Rheinmetall und die VW-Tochter MAN können einen Großauftrag aus Skandinavien in die Bücher nehmen. Nachdem sich bereits Norwegen für Spezialfahrzeuge aus Deutschland interessiert hatte, habe jetzt auch Schweden ein entsprechendes Rahmenabkommen zur Auslieferung von Militär-Fahrzeugen unterzeichnet, teilte Rheinmetall mit.

Die Rüstungssparte des Autozulieferers bestätigte damit entsprechende Spekulationen an der Börse. Der Kurs der im MDax notierten Rheinmetall-Aktie legte daraufhin deutlich zu. Den Angaben des Unternehmens zufolge könnten in den kommenden Jahren insgesamt bis zu 2000 militärische Logistikfahrzeuge im Gesamtwert von über 1 Milliarde Euro in die beiden nordeuropäischen Länder geliefert werden.

Geschütze Kabine, Waffenturm am Dach

Bei den nun georderten Fahrzeugen handelt es sich um geländegängige Lkw von MAN, die von der Rüstungssparte Rheinmetall Defence gemäß der speziellen Anforderungen der beteiligten Streitkräfte mit zusätzlichen Schutz- und Ausstattungskomponenten auf die künftigen Einsatzbedingungen aufgerüstet werden.

"Die jetzt beauftragte neue Logistikfahrzeuggeneration soll sowohl die Transportkapazität der Nachschubtruppe als auch deren operative Fähigkeiten steigern", teilte Rheinmetall mit. Die neuen "High-Tech-Fahrzeuge" seien auf die "Vorgaben der schwedischen und norwegischen Streitkräfte zugeschnitten". Einige Modelle sind demnach mit "geschützten Kabinen ausgestattet, um die Besatzungen optimal vor Minen, ballistischen Bedrohungen und Splittern zu schützen."

Im Inneren der Fahrerkabinen verbaut Rheinmetall eigenen Angaben zufolge moderne Funk- und Führungselektronik, um die sogenannte "Überlebensfähigkeit" und "Durchsetzungsfähigkeit" der Fahrzeugebesatzungen zu verbessern. Teilweise sind die Militärtrucks mit Waffenstationen auf dem Fahrzeugdach ausgerüstet, die sich im Ernstfall auch bei geschlossener Luke aus dem Inneren bedienen lassen. Die Zusatzausstattung stärke den "operativen Einsatzwert der Fahrzeuge", heißt es.

Bündnispartner im Norden

Norwegen ist Nato-Mitglied. Ausfuhren von Rüstungsgütern gelten hier - im Gegensatz zu den sogenannten Drittstaaten - als weitgehend unproblematisch. Schweden wird im Rüstungsexportbericht der Bundesregierung zu den der Nato gleichgestellten Empfängerstaaten gezählt.

Für Rheinmetall und MAN sichern die beiden Aufträge aus Norwegen und Schweden eine verstärkte Auslastung der hochspezialisierten Produktionslinien bei der gemeinsamen Tochter Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV) mit Sitz in München. Rüstungsexporte tragen damit aus der Sicht der Industrie maßgeblich dazu bei, Expertenwissen und Fertigungskapazitäten am Standort Deutschland zu erhalten. Die Lieferung von Militär-Lkw verspricht zudem langfristige Umsatzeffekte.

Job-Garant bei Rheinmetall?

Zum Lkw-Verkauf kommt laut Rheinmetall ein Serviceabkommen für alle ausgelieferten Fahrzeuge hinzu. Die Laufzeit könne sich über bis zu drei Jahrzehnten erstrecken, hieß es. Durch diese Service-Verträge kommt das Geschäft auf ein Gesamtvolumen von mehr als einer Milliarde Euro.

In einem ersten Schritt erhalten die schwedischen und norwegischen Streitkräfte 335 Fahrzeuge in 14 Ausführungen im Wert von 200 Millionen Euro, heißt es in einer Mitteilung des Herstellers. Die Fahrzeuge sollen zwischen 2015 und 2017 ausgeliefert werden. Für Rheinmetall ist der Auftrag einer der größten Einzelorder in der Firmengeschichte.

"Eine Riesensauerei"

Überhaupt ist die Erleichterung groß: Die MAN-Schwester Scania hatte den Deal zunächst ins Wanken gebracht, als sie Ende 2013 Einspruch gegen die Vergabe eingelegt und damit Ermittlungen der schwedischen Wettbewerbshüter losgetreten hatte.

Das Vorgehen von Scania soll die Gemüter im VW-Konzern ziemlich erregt haben. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" zitierte zum Jahresende einen VW-Manager mit den Worten, es sei "eine Riesensauerei", dass eine Konzerntochter die andere so attackiere.

VW-Chef Martin Winterkorn sei "stinksauer" über den konzerninternen Streit gewesen. Scania zog den Protest zwar wieder zurück, die Ermittlungen der Kartellwächter konnte das aber nicht mehr stoppen.

Quelle: n-tv.de

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