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Digital, lukrativ und aus Berlin: Rocket Internet entwickelt Geschäftsideen aus der Startup-Szene.
Digital, lukrativ und aus Berlin: Rocket Internet entwickelt Geschäftsideen aus der Startup-Szene.(Foto: picture alliance / dpa)

Börsengang des Jahres?: Rocket Internet deckt Pläne auf

Für die Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet wird es ernst. Das Unternehmen der drei Samwer-Brüder bestätigt die am Markt kursierenden Spekulationen und nennt Details zum geplanten Börsengang. Die Startup-Aktie soll noch 2014 starten.

Noch in diesem Jahr soll es losgehen: Das junge Internet-Unternehmen Rocket Internet hat am Morgen offiziell den Startschuss für ihr lange erwartetes Initial Public Offering (IPO) abgegeben. Geplant sei zunächst eine Notierung im unregulierten Frankfurter Entry Standard, teilte Rocket mit.

"Der Börsengang ist der nächste logische Schritt auf dem Weg zu unserem erklärten Ziel, die weltweit führende Internet-Plattform außerhalb der USA und Chinas zu werden", erklärte Rocket-Mitgründer und Chef Oliver Samwer.

Der Börsengang werde ein Volumen von etwa 750 Millionen Euro haben, hieß es. Das Geld solle in weiteres Wachstum fließen. Damit werden knapp 15 Prozent der Anteile platziert. Die bestehenden Anteilseigner wollen dabei keine Anteile verkaufen, es sollen nur neue Aktien platziert werden. Die Details des Börsengangs liegen damit im Bereich der Erwartungen. Eckpunkte des Plans waren vorab bereits aus Insiderkreisen an den Markt durchgesickert.

Von der Ankündigung eines Börsengangs bis zum ersten Handelstag vergehen in der Regel vier Wochen. Hinter Rocket Internet stehen unter anderem die Internet-Unternehmer Oliver, Alexander und Marc Samwer. Die drei Brüder waren an der Gründung des Klingelton-Anbieters Jamba beteiligt und gelten als sehr geschickt darin, erfolgversprechende Internet-Ideen aus der Masse der Startup-Szene herauszufiltern und in tragfähige Geschäftsmodelle umzuwandeln.

Die Samwer-Brüder gründeten Rocket Internet im Jahr 2007. Der Börsengang bezieht sich auf die Holding hinter der Rocket Internet AG. Das Unternehmen bringt hauptsächlich Internet-Startups auf den Weg. Zu den Firmen, die unter dem Dach von Rocket groß geworden sind, zählt auch der Modehändler Zalando, der ebenfalls noch in diesem Jahr an die Börse will. Damit könnten in Kürze die beiden größten Internet-Börsengänge in Deutschland seit den Zeiten des Neuen Marktes über die Bühne gehen.

Kopierte Online-Konzept am Fließband

Rocket Internet hat die Startup-Produktion wie am Fließband organisiert. Eine Geschäftsidee wird schnell in verschiedenen Ländern an den Start gebracht. Aktuell sind unter dem Rocket-Dach über 50 Firmen in verschiedenen Weltregionen aktiv. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Online-Handel. So ist etwa Zalora eine Art Zalando für Asien. Dafiti setzt das gleiche Konzept in Südamerika um. Das Online-Kaufhaus Lazada macht der weltweiten Nummer eins Amazon auf den Philippinen Konkurrenz, das Rocket-Unternehmen Jumia tut dies in Afrika.

Insgesamt arbeiten in den Firmen nach Rocket-Angaben über 20.000 Menschen in 100 Ländern. Zum Rocket-Portfolio an jungen, viel versprechenden Firmen gehören außerdem Dienstleistungs-Anbieter aus unterschiedlichsten Bereichen: Taxi-App, Putzfrauen-Vermittlung, Busreise-Plattform, Online-Bezahldienst, Lebensmittel-Versand sowie Kredit-Vermittler für Privatleute und Unternehmen. Aus dem Silicon Valley wird Rocket häufig vorgeworfen, Ideen von US-Startups bis auf Design und Logo zu kopieren. Die Berliner Firma kontert, entscheidend sei nicht eine Idee, sondern die Umsetzung.

Börsenwert fünf Milliarden?

Nach bisherigen Medienberichten strebt Rocket beim Börsengang eine Gesamtbewertung von fünf Milliarden Euro an. Damit würden die Samwer-Brüder offiziell zu Multi-Milliardären. Sie halten die Mehrheit an Rocket Internet über ihren Global Founders Fund mit 52,3 Prozent nach Angaben von Mittwoch.

Weitere Anteilseigner sind die schwedische Investmentfirma Kinnevik mit 18,1 Prozent, United Internet mit 10,4 Prozent und Access Industries des US-Milliardärs Len Blavatnik mit 8,3 Prozent. Der philippinische Telekom-Konzern Philippine Long Distance Telephone Company (PLTD) hält 8,4 Prozent und der Risikofinanzierer Holtzbrinck Ventures 2,5 Prozent.

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Quelle: n-tv.de

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