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Die winterliche Bohrungen haben sich gelohnt.
Die winterliche Bohrungen haben sich gelohnt.(Foto: picture alliance / dpa)

Bergbau-Boom in Deutschlands Osten?: Sachsen sitzt auf Zinn-Milliarden

Ein Gutachter aus Australien bestätigt eine alte DDR-Schätzung: Im sächsischen Boden verbergen sich riesige Vorkommen zinnhaltigen Gesteins. Es geht um die größten bekannten und noch nicht erschlossenen Zinn-Ressourcen der Welt. Milliardenwerte warten auf ihren Abbau. Die Aktien einer jungen Bergbaufirma ziehen kräftig an.

Bis zu 3,7 Kilo je Tonne Gestein: Für die Deutsche Rohstoff AG geht es um einen Marktwert von 3,3 Mrd. Euro - zu derzeitigen Marktpreisen.
Bis zu 3,7 Kilo je Tonne Gestein: Für die Deutsche Rohstoff AG geht es um einen Marktwert von 3,3 Mrd. Euro - zu derzeitigen Marktpreisen.(Foto: picture alliance / dpa)

Im Erdreich unter dem ostdeutschen Bundesland Sachsen schlummert nach Angaben der Deutschen Rohstoff AG (DRAG) eines der weltweit größten Zinnvorkommen. Ein Gutachter aus Australien habe eine Schätzung bestätigt, die noch aus DDR-Zeiten stamme, teilte das Unternehmen am Standort Chemnitz mit.

Für das Vorkommen in Gottesberg im Vogtland wurde bei einem Durchschnittsgehalt von 0,27 Prozent eine Menge von 115.000 Tonnen Zinn errechnet. Das sind 2,7 Kilogramm Zinn pro Tonne Gestein. In Geyer im Bergbau im Erzgebirge sind es mit einem durchschnittlichen Erzgehalt von sogar 0,37 Prozent Zinn den Angaben zufolge noch einmal 44.000 Tonnen.

Nach aktuellem Zinnpreis hätten die beiden Vorkommen einen Wert von etwa 3,34 Mrd. Euro, hieß es. "Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen der Bestätigungsbohrungen", sagte Thomas Gutschlag, Vorstand der Deutsche Rohstoff AG.

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Das Unternehmen hatte von November 2011 bis April 2012 in Gottesberg und Geyer im Erzgebirge insgesamt acht Erkundungsbohrungen unternommen, um die bereits aus DDR-Zeiten stammende Schätzung des Rohstoffvorkommens zu überprüfen. Der Gutachter hat für die beiden Lagerstätten Gottesberg und Geyer nun eine Gesamtmenge von 150.000 Tonnen errechnet.

Auf dem Weltmarkt wird Zinn seit längerem besonders stark nachgefragt, es gab bislang aber kaum neue Vorkommen. Zinn wird unter anderem zum Löten, als Legierungsbeigabe und zur Herstellung von Lebensmittel-Dosen aus Weißblech verwendet. Der industrielle Abbau könnte den beiden Regionen im strukturschwachen Grenzgebiet zur Tschechien Zinnbergbau vor Renaissance verleihen.

Zinn ist nicht der einzige Rohstoff, der im Erzgebirge lagert. In der traditionsreichen Bergbauregion gibt es auch Vorkommen des für die Chip-Industrie wichtigen Metalls Indium sowie Zink, Silber, Kupfer, Blei und Wolfram.

Anleger-Geld aus Australien

Die Lagerstätten Gottesberg und Geyer wurden bereits zu DDR-Zeiten in den 70er und 80er Jahren intensiv erkundet. Mit dem Abbau von Zinn kann voraussichtlich frühestens in einigen Jahren begonnen werden. DRAG-Chef Gutschlag, erklärte, es werde nun mit Hochdruck daran gearbeitet, die beiden Vorkommen weiter zu entwickeln. Noch in diesem Jahr solle ein weiteres Bohrprogramm in Gottesberg starten.

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Der Zinnbergbau hat in Sachsen eine lange Tradition. Das Bergwerk Altenberg im Osterzgebirge produzierte mit einigen Unterbrechungen von 1440 bis 1991 Zinn und war bei seiner Schließung die letzte aktive europäische Zinnmine. Vor allem wegen der stark gestiegenen Weltmarktpreise für Zinn scheint eine Wiederaufnahme des Abbaus in Deutschland wieder attraktiv.

Ein Großteil der Weltproduktion stammt derzeit aus China und Indonesien. Die Nachfrage nach Zinn vor allem bei der Produktion von Elektrogeräten sowie Blechen und Legierungen steigt aber. Die Entwicklung der beiden großen deutschen Zinnvorkommen Gottesberg und Geyer soll nun die im australischen Brisbane ansässige Tin International Limited (TIN) vorantreiben.

Anlässlich des neuen Gutachtens teilte Gutschlag weiter mit, die DRAG-Tochter TIN noch 2012 in Australien an die Börse bringen zu wollen. Mit dem Geld solle die Ausbeutung der Zinn-Vorkommen im Erzgebirge finanziert werden. Die Deutsche Rohstoff AG mit Sitz in Heidelberg hält die Mehrheit der TIN-Anteile.

Rohstoff-Aktie im Aufwand

Die Aussicht auf den Abbau der riesigen Zinn-Vorkommen sorgte an der Börse für Aufsehen. Der Aktienkurs der Deutschen Rohstoff AG zeigte sich von der Nachricht beflügelt.

Die Papiere der Bergbau-Firma stiegen um 3,5 Prozent auf ein Viereinhalb-Wochen-Hoch von 12,88 Euro. Dabei wechselten bis zum Nachmittag fast zwei Mal so viele Aktien den Besitzer wie sonst an einem Durchschnittstag - und das in einer bislang sehr umsatzschwachen Börsenphase.

"Das ist ein spannendes Thema", bestätigte LBBW-Rohstoffanalyst Sven Streitmayer. "Denn bei Zinn herrscht neben Kupfer die größte Knappheit. Außerdem gibt es nur wenige Länder, die Zinn in großem Stil fördern."

Die weltweit steigenden Rohstoffpreise könnten Deutschland auch in anderen Regionen verändern: Erst am Vortag hatte eine in Berlin ansässige Firma die Aufnahme von weiteren Probebohrungen in Brandenburg bekannt gegeben. Im Süden des Bundeslands rechnet die Central European Petroleum GmbH (CEP) mit Erdölvorkommen im Umfang von 15 Mio. Tonnen.

Quelle: n-tv.de

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