Wirtschaft
Tinkoff ist nach eigenen Angaben Russlands größter Online-Finanzdienstleister.
Tinkoff ist nach eigenen Angaben Russlands größter Online-Finanzdienstleister.(Foto: www.tcsbank.ru)

Kleingedrucktes verändert: Russe überlistet seine Bank

Das nennt man wohl, den Gegner mit den eigenen Waffen zu schlagen: Genervt von ungewollten Kreditkartenangeboten schickt ein Russe den entsprechenden Vertrag zurück - allerdings mit nicht unwesentlichen Änderungen. Die Bank freut sich und unterschreibt das Papier ungelesen. Und macht damit einen großen Fehler.

Wer im Streit auf das Kleingedruckte verwiesen wird, ahnt in der Regel, dass die Lektüre unerfreulich sein wird. Wie unangenehm das sein kann, bekam die russische Internet-Bank Tinkoff zu spüren. Und das Management weiß, dass es Dmitri Agarkow lieber nicht angeschrieben hätte.

Zumindest hätte das Kreditkartenangebot, das die Bank dem 42-Jährigen ungefragt schickte, besser sein sollen. Wie der staatliche Nachrichtensender "Russia Today" berichtet, war Agarkow äußerst unzufrieden mit den aufgelisteten Bedingungen. Deshalb entschloss sich der in Woronesch lebende Mann, die Konditionen zu seinen Gunsten zu optimieren - er scannte das Angebot ein und änderte am Computer die klein gedruckten Vertragsinhalte.

Agarkow setzte die Zinsen auf null Prozent fest, strich jegliche Gebühren und räumte sich unbegrenzten Kredit ein. Dann schickte er der Bank das Dokument unterschrieben zurück. Tinkoff versäumte, das Kleingedruckte zu lesen und bestätigte den Vertrag.

Teilerfolg vor Gericht

Zwei Jahre nutzte der Russe dem Bericht zufolge die Kreditkarte, bevor sie von der Bank gesperrt wurde - wegen ausstehender Zahlungen. Die waren allerdings vergleichsweise gering. Als sich Agarkow mit Hinweis auf den Vertrag weigerte, die Forderungen zu erfüllen, wurde er 2012 von der Bank auf die Zahlung von umgerechnet 1020 Euro verklagt. Die verlangte Summe setzte sich aus getätigten Ausgaben und Gebühren zusammen. "Sie unterzeichneten den Vertrag, ohne es zu lesen", zitiert die Zeitung "Kommersant" den Anwalt des Mannes. "Sie sagten, was normalerweise ihre Kunden vor Gericht betonen: Wir haben es nicht gelesen."

Vor Gericht feierte der Russe einen Teilerfolg. Die Richter entschieden, Agarkow müsse der Bank lediglich das Geld für die Einkäufe erstatten, also etwa 430 Euro. Doch Agarkow weigerte sich und fordert nun von der Bank im Gegenzug etwa eine halbe Million Euro. Seine Begründung: Die Bank habe die Vertragsbedingungen gebrochen. Agarkow hatte für diesen Fall hohe Strafen ins Kleingedruckte geschrieben.

Quelle: n-tv.de

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