Wirtschaft
Signal an die Märkte: Zwei der wichtigsten Förderländer erklären sich bereit, an der Angebotsschraube zu drehen.
Signal an die Märkte: Zwei der wichtigsten Förderländer erklären sich bereit, an der Angebotsschraube zu drehen.(Foto: AP)

Förderländer greifen am Ölmarkt ein: Russland einigt sich mit der Opec

Der Preisverfall am Weltmarkt für Rohöl zwingt die Opec zur Zusammenarbeit mit Russland: Nach Verhandlungen hinter verschlossenen Türen in Katar einigen sich vier einflussreiche Ölminister auf eine weltumspannende Initiative.

Angesichts der fallenden Ölpreise wollen die wichtigen Förderländer Saudi-Arabien, Katar, Venezuela und Russland ihre Produktion vorübergehend einfrieren. Das kündigte der katarische Energieminister Mohammed al-Sada im saudischen TV-Sender "Al Arabija" an. Zuletzt hatten viele Ölförderstaaten ihre Produktion ausgeweitet, um sinkende Einnahmen im Staatshaushalt durch steigende Exportmengen auszugleichen. Auf dem Weltmarkt drohte sich das Überangebot an Öl dadurch immer weiter auszuweiten. Der Ölpreis gab immer weiter nach.

Die Einigung zwischen zwei der wichtigsten Förderländer könnte diese Entwicklung aufhalten: Anhaltspunkt für die Vereinbarung solle die Fördermenge vom Januar sein, erklärte al-Sada. Damit bestätigte er erste Informationen, die nach dem Geheimtreffen in Doha, der Hauptstadt Katars, an die Öffentlichkeit durchgesickert waren. Al-Sadas Angaben zufolge nahm der russische Energieminister Alexander Nowak als Vertreter Moskau an dem Treffen teil.

Im Umfeld der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) stellten Sprecher des Kartells die Einigung etwas vorsichtiger dar: Saudi-Arabien und Russland seien bereit, ihre Ölförderung auf dem Januar-Niveau einzufrieren, wenn andere große Förderländern sich diesem Schritt anschließen. Diesem Abkommen hätten sich Venezuela und Katar angeschlossen, hieß es. Voraussetzung für die Vereinbarung sei, dass auch "andere große Produzenten mitmachen", wie Katars Energieminister al-Sada wörtlich erklärte. Katar führt derzeit den Vorsitz der Opec und trat als Gastgeber des informellen Treffens offenbar auch als Vermittler zwischen Russland und Saudi-Arabien auf.

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Die Reaktionen am Markt blieben nicht aus: Schon die Nachricht, die Ölminister Saudi-Arabiens und Russlands würden sich treffen, hatte den Ölpreis im asiatischen Handel steigen lassen. In London kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April in einer ersten Reaktion zeitweise um gut 50 Cent. Gegen Mittag notierte der Preis für ein Barrel bei 34,02 Dollar. Der Preis für die US-Referenzsorte WTI zur Lieferung im März stieg während des Treffens in Katar um 35 Cent und lag zuletzt bei 32,38 Dollar.

Das Treffen der Ölminister fand in einem Hotel in Doha statt. Zu den Teilnehmern zählten neben al-Sada (Katar) und Nowak (Russland) sowie dem Ölminister von Saudi-Arabien, Ali al-Nuaimi, angeblich auch der venezolanische Ölminister. Alle vier einigten sich darauf, die Produktion auf dem Januar-Niveau einzufrieren. Nun sollten "intensive" Gespräche mit anderen Förderländern folgen, kündigte al-Sada an - egal, ob Mitglied der Opec oder nicht.

Iran und Aserbaidschan winken ab

Im Kreis der übrigen Ölförderländer stößt die Initiative der Viererrunde auf wenig Begeisterung: Der Iran will einem Sprecher zufolge seine Ölförderung zunächst nicht deckeln. Der Opec-Staat sei erst dann bereit zu Gesprächen über einen solchen Schritt, wenn die Produktion wieder auf dem Niveau sei, das sie vor den internationalen Sanktionen erreicht habe, erklärte ein Kenner der iranischen Politik, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Die Sanktionen gegen den Iran waren nach der Einigung auf ein Atomabkommen im Januar weitgehend aufgehoben worden. Auf dem Rekordhoch 2011 hatte der Iran insgesamt mehr als drei Millionen Barrel Öl pro Tag exportiert. Mit den schärferen Sanktionen im Jahr darauf sanken die Ausfuhren auf etwas mehr als eine Million.

"Wir haben das Niveau noch nicht erreicht, das wir vor den Sanktionen hatten", hieß es aus dem Iran. "Unsere Situation unterscheidet sich stark von der anderer Länder." Auch Aserbaidschan erteilte einer Obergrenze für die Ölförderung eine Absage. Das Land habe keine derartigen Pläne, sagte der Vize-Ölminister Natik Abbassow.

Ölfirmen droht Pleitewelle

Saudi-Arabien stemmt sich bislang noch gegen Förderkürzungen, weil das Land seine Marktanteile nach Einschätzung von Branchenkennern mit einem Preiskampf gegen aufstrebende Ölproduzenten wie Fracking-Firmen in den USA verteidigen will - notfalls auch über große Mengen zu geringen Preisen. Einer Studie zufolge sind infolge des Ölpreisverfalls mittlerweile zahlreiche Öl-Unternehmen akut von der Insolvenz bedroht.

Eine Einigung zwischen Riad und Moskau hat Gewicht: Das Königreich Saudi-Arabien ist das mit Abstand produktionsstärkste Land des Ölkartells Opec. Russland, das der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) nicht angehört, zählt ebenfalls zu den größten Ölförderern der Welt. Venezuela leidet als Opec-Staat mit umfangreichen Rohstoffreserven massiv unter dem Preisverfall. Seit Mitte 2014 waren die Ölpreise um bis zu 70 Prozent eingebrochen.

Die in Katar vereinbarte Initiative solle den Markt stabilisieren, erklärte al-Sada weiter. Das sei nicht nur im Interesse der Förderländer und Exporteure, sondern der gesamten Weltwirtschaft. Der Ölminister von Saudi-Arabien, al-Nuaimi, ergänzte, hier handle es sich um den Beginn eines Prozesses, "den wir in den kommenden Monaten beobachten werden, um zu entscheiden, ob weitere Maßnahmen nötig sind."

"Wir wollen keine großen Preisschwankungen", bekräftigte al-Nuaimi. "Wir wollen das Angebot nicht verringern. Wir wollen die Nachfrage bedienen und den Preis stabilisieren", sagte der saudi-arabische Minister.

Quelle: n-tv.de

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