Wirtschaft
Rickard Gustafson: Grübeln allein ist auch keine Lösung.
Rickard Gustafson: Grübeln allein ist auch keine Lösung.(Foto: picture alliance / dpa)

Kurz vor der Bruchlandung : SAS sucht Reißleine

Die Fluggesellschaft SAS bereitet die 15.000 Mitarbeiter darauf vor, dass die drohende Insolvenz möglicherweise nicht mehr abzuwenden ist. Gewerkschaften und Management verhandeln derzeit unter Hochdruck über einen Krisenplan mit Lohnverzicht und massivem Stellenabbau. Die Aussichten auf Erfolg sind durchwachsen.

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Management und Gewerkschaften bei der skandinavischen Fluggesellschaft SAS haben am Wochenende unter Hochdruck über einen Krisenplan gegen die drohende Insolvenz verhandelt. Während sich Arbeitnehmervertreter überwiegend optimistisch äußerten, hielt sich die SAS-Spitze völlig bedeckt und warnte in drastischer Form vor den Folgen eines möglichen Scheiterns.

"Leider gibt es noch keine Einigung mit einer der Gewerkschaften", hieß es aus der Stockholmer Konzernzentrale. SAS-Mitarbeiter im Auslandseinsatz wurden nach Angaben des Senders DR aufgefordert, sich unter anderem durch Hortung von Bargeld auf eine mögliche Einstellung des Flugverkehrs schon am Montag einzustellen.

Medienkommentatoren in den direkt betroffenen Ländern Schweden, Dänemark und Norwegen erklärten trotzdem weitgehend übereinstimmend, dass mit einer Einigung über den Krisenplan in letzter Minute zu rechnen sei.

Konzernchef Rickard Gustafson verlangt in dem vor knapp einer Woche vorgelegten Krisenplan ultimativ unter anderem die Zustimmung zu Lohnkürzungen um 15 Prozent für alle 15.000 Beschäftigten. Hinzu kommen Arbeitszeitverlängerungen, Arbeitsplatzabbau und geringere Pensionsansprüche. SAS will 800 Stellen sofort streichen und 6000 Jobs durch Verkauf der norwegischen Fluggesellschaft Widerøe und der SAS Ground Handling auslagern.

Kompromissvorschläge "völlig unzureichend"

Die Nachrichtenagentur Ritzau berichtete unter Berufung auf Unternehmenskreise in Kopenhagen, dass die Konzernleitung Kompromissvorschläge der Pilotenvertretung als "völlig unzureichend" zurückwies. Die Organisationen des Kabinenpersonals signalisierten ihre teilweise Zustimmung zum Krisenplan und verhandelten ebenfalls in Kopenhagen über weiter strittige Fragen.

Das 1946 gegründete und halbstaatlich betriebene Unternehmen kämpft seit einem Jahrzehnt vor allem wegen des Erfolgs von Billig-Fluggesellschaften gegen Verluste. Die Unternehmensspitze nannte ihren Krisenplan gegenüber den Beschäftigten immer wieder "die absolut letzte Chance". Der SAS-Aufsichtsrat sollte im Tagesverlauf zusammentreten und die Weichen in Richtung Sanierung oder Insolvenz stellen. Nach offiziell unbestätigten Medienangaben wurde mit Entscheidungen am Sonntagabend oder in der Nacht gerechnet.

Quelle: n-tv.de

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