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Truck der VW-Tochter Scania. Die Wolfsburger wollen der stockenden Nutzfahrzeugallianz auf die Sprünge helfen.
Truck der VW-Tochter Scania. Die Wolfsburger wollen der stockenden Nutzfahrzeugallianz auf die Sprünge helfen.(Foto: picture alliance / dpa)

Angebot zu niedrig: Scania lehnt VW-Offerte ab

Die Komplettübernahme von Scania ist für Volkswagen ein schwerer Brocken. Die Schweden empfehlen den Aktionären, die Übernahme-Offerte abzulehnen. Das Projekt Nutzfahrzeugallianz könnte die Wolfsburger teurer zu stehen kommen als gedacht.

Mit einem milliardenschweren Angebot an die verbleibenden Scania-Aktionäre wollte sich Volkswagen bis Ende April den vollen Durchgriff bei Scania sichern und so die Zusammenarbeit der Schweden mit der Münchner VW-Lkw-Tochter MAN vorantreiben. So weit der Plan, der sich aus der Perspektive der Konzernmutter auch gut durchdacht anhörte. Wie es aussieht, könnte das Vorhaben jetzt allerdings an dem Widerstand der schwedischen Lkw-Tochter scheitern oder es könnte die Wolfsburger teurer zu stehen kommen, als bisher gedacht.

Der "unabhängige Ausschuss" des Verwaltungsrats halte das Angebot für die ausstehenden Aktien für zu niedrig, teilte Scania in Stockholm mit. Ausgehend von den langfristigen Aussichten für Scania, dem Wachstumsausblick, der technologischen Exzellenz und dem Synergiepotenzial spiegele das VW-Angebot nicht den langfristigen fundamentalen Wert von Scania und einen angemessenen Anteil an den erwarteten Synergien wider, hieß es in der Begründung. Und weiter: "Scania ist weltweit führend in seiner Branche und der Ausschuss glaubt fest an den von dem Unternehmen aufgestellten Business-Plan."

Ein großzügiges Angebot

Volkswagen hatte den Scania-Minderheitsaktionären am 21. Februar angeboten, die restlichen Anteile für 200 Schwedische Kronen (umgerechnet 22,26 Euro) je Aktie zu kaufen. Die Niedersachsen waren im Jahr 2000 bei Scania eingestiegen: Bisher hält VW zusammen mit seiner Lkw-Tochter MAN 62,6 Prozent des Kapitals und 89,2 Prozent der Stimmrechte an Scania.

Der Erwerb der restlichen Anteile wäre Volkswagen nach dem jetzigen Angebot 6,7 Milliarden Euro wert. Nach Unternehmensangaben entspricht das Prämien von 57 bzw. 53,3 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Das Angebot läuft vom 17. März bis 25. April.

Scania will mehr

Beobachter rechnen damit, dass Volkswagen nach der Anlehnung bereit sein wird, das Angebot aufzustocken, obwohl das bisherige Angebot bereits großzügig sei. "Die Begründung, das Angebot spiegele nicht den langfristigen Wert von Scania, läuft klar auf einen erhöhten Angebotspreis hinaus und ist damit für VW belastend", sagte ein Händler.

Die VW-Aktie reagierte auf die Nachricht mit Kursabschlägen. "Das kommt nicht ganz überraschend, weil die skeptische Haltung des Scania-Kommittes bekannt war, macht die Sache für VW aber auch nicht einfacher", sagte ein Händler.

Da zudem der Verfalltag vor der Tür stehe, dürften zudem besonders bei Aktien, die an runden Basispreisen notieren, Druck aufkommen. "VW ist genau so ein Fall mit der 180er-Marke", hieß es weiter. Insofern könnte die Scania-Nachricht auch als Vorwand für fallende Kurse genutzt werden.

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Quelle: n-tv.de

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