Wirtschaft
Deutsche Schifffahrt von mehreren Krisen gebeutelt.
Deutsche Schifffahrt von mehreren Krisen gebeutelt.(Foto: picture alliance / dpa)

Deutsche Schlüsselindustrie in Not: Schifffahrt läuft auf Grund

Neben dem Maschinenbau und der Automobilbranche ist die maritime Wirtschaft eine der bedeutendsten Schlüsselindustrien Deutschlands. Rund 400.000 Beschäftigte unterstreichen den Stellenwert. Aber die Schifffahrt kämpft mit erheblichen Problemen: Konjunkturflaute, Euro-Krise, Kreditklemme. Die deutschen Reeder schlagen Alarm.

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Die deutsche Schifffahrt droht wegen fehlender Kreditmittel auf Grund zu laufen. Für die fahrende Flotte seien kaum noch Schiffskredite zu bekommen, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Michael Behrendt. Die tiefe und unerwartete Krise der Schifffahrt und die Finanzkrise treffen aufeinander und führen dazu, dass die Banken auch leistungsfähigen und gesunden Unternehmen nicht mehr helfen können oder wollen. Die Reeder erwarten, dass die Durststrecke in ein bis zwei Jahren überwunden ist und die Schifffahrtsmärkte wieder ins Gleichgewicht kommen.

Die Preise für gebrauchte Schiffe sind so tief gefallen, dass sie nur noch knapp über dem Schrottwert liegen und daher von den Banken nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert werden können. Gleichzeitig müssen die Banken ihre Risiken abbauen und mehr Eigenkapital vorhalten. Mit der Commerzbank hat sich vor zwei Monaten einer der großen Marktteilnehmer komplett aus der Schiffsfinanzierung zurückgezogen. Die Lage habe sich seitdem weiter verschärft, sagte VDR-Geschäftsführer Ralf Nagel. Die gesamte maritime Branche, der Schiffbau, die Zulieferer und der maritime Dienstleistungssektor, drohe in den Abwärtsstrudel zu geraten.

Banken fehlt Handlungsspielraum

Mit rund 400.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 85 Mrd. bis 90 Mrd. Euro sei die maritime Wirtschaft eine der bedeutendsten Schlüsselindustrien in Deutschland. Ausgelöst wurde die Krise durch den Einbruch der Containertransporte im Verlauf der Krise 2008. Die Reedereien waren jahrelang durch zweistellige Wachstumsraten verwöhnt und hatten bei den Werften sehr viele Schiffe bestellt. Die wurden in den kommenden Jahren auch geliefert, aber nicht gebraucht. So entstanden Überkapazitäten; rund 250 Schiffe liegen gegenwärtig still. Die Charterrate für ein mittleres Containerschiff mit 4250 Containern (TEU), die vor einigen Jahren bei 40.000 Dollar am Tag lag, beträgt nur noch 8000 Dollar - viel zu wenig, um die Betriebskosten, Zins und Tilgung zu decken.

Die Banken haben kaum Handlungsmöglichkeiten, weil sie bei der Kreditvergabe strikten Regeln unterworfen sind, die gerade in der vergangenen Woche nochmals verschärft wurden (Basel III). Damit soll vermieden werden, dass sich in den Bankbilanzen unkalkulierbare Risiken ansammeln. "Es stellt sich die Frage, ob unter diesen Bedingungen überhaupt noch langfristige Investitionsgüter finanziert werden können, nicht nur Schiffe", sagte Nagel. Der VDR fordert nun, dass die bundeseigene KfW in die Bresche springt und dort Schiffskredite vergibt, wo private Geschäftsbanken nicht mehr zur Verfügung stehen. Dabei gehe es nicht um öffentliche Subventionen, sondern um Zeitgewinn, bis die Schifffahrtsmärkte wieder gesund sind und Gewinne abwerfen.

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Quelle: n-tv.de

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