Wirtschaft

Binnenschifffahrt massiv behindert: Schleusenarbeiter streiken

Die Binnenschiffer müssen Geduld aufbringen. Bundesweit treten die Beschäftigten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen in den Warnstreik. Sie protestieren gegen den Umbau ihrer Behörden.

Die Schleusen am Nord-Ostsee-Kanal sind geschlossen.
Die Schleusen am Nord-Ostsee-Kanal sind geschlossen.(Foto: dpa)

Ein Warnstreik an Schleusen von Flüssen und Kanälen hat bundesweit zu Behinderungen im Schiffsverkehr geführt. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi traten die Beschäftigten der öffentlichen Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen (WSV) seit Mitternacht an diversen Standorten unterschiedlich lang in den Ausstand. "Es läuft so weit planmäßig", sagte ein Verdi-Sprecher in Berlin. Betroffen waren auch wichtige Verbindungen wie der Rhein und der Nord-Ostsee-Kanal in Schleswig-Holstein.

Die Beschäftigten protestierten gegen Pläne des Bundesverkehrsministeriums zum Umbau der WSV. Verdi zufolge soll die Behörde "zerschlagen" werden, wobei mindestens ein Fünftel der 12.000 Arbeitsplätze wegfallen solle. Die Gewerkschaft fordert die Regierung zu Tarifverhandlungen über den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und die Beteiligung der Beschäftigten an der Weiterentwicklung der Behörde. Sollte es erforderlich sein, werde auf den Warnstreik ein unbefristeter Ausstand folgen, warnte Verdi bereits im Vorfeld.

Das von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer im vergangenen Jahr vorgelegte Konzept zur Neuordnung der WSV sieht unter anderem eine Verlagerung von Leitungsaufgaben in eine neue Generaldirektion in Bonn und die Schließung vieler Standorte vor. Das Vorhaben wird auch von der SPD-geführten Landesregierung von Schleswig-Holstein kritisiert. Sie befürchtet Benachteiligungen für den im Norden wichtigen Nord-Ostsee-Kanal gegenüber süddeutschen Projekten. "Für Schleswig-Holstein geht damit lebensnotwendige maritime Kompetenz verloren", erklärte SPD-Landeschef Ralf Stegner.

Alternde Schleusen

Der Nord-Ostsee-Kanal ist eine der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraßen der Welt und eine wichtige Verbindung für Schiffe zwischen Hamburg und den anderen deutschen Nordseehäfen sowie dem boomenden Ostseeraum. 2012 passierten ihn insgesamt fast 35.000 Schiffe mit mehr als hundert Millionen Tonnen Fracht. Der Kanal ist zugleich sehr reparatur- und ausbaubedürftig, die häufige Wartung alternder Schleusen sorgt für vielkritisierte Behinderungen.

Auch für Ostdeutschland befürchtet die Gewerkschaft eine Abwertung der dortigen Wasserstraßen im Zuge der Verlagerung von Aufgaben. Personal solle dort abgebaut oder nach Westdeutschland verlagert werden, kritisierte der Verdi-Landesverband von Berlin und Brandenburg.

Die WSV ist für die Kontrolle der sogenannten Bundeswasserstraßen zuständig, sie verwaltet Seewasserwege mit einer Gesamtfläche von 23.000 Quadratkilometern sowie Binnenwasserstraßen mit einer Länge von 7300 Kilometern. Zu den Aufgaben der WSV gehören der Betrieb von Schleusen und Schiffshebewerken, die gesamte Verkehrslenkung sowie der Unterhalt und Ausbau der Infrastruktur. Sie ist auch für Havarieeinsätze und schifffahrtspolizeiliche Aufgaben zuständig.

Quelle: n-tv.de

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