Wirtschaft
Der Ölpreis hat sich wieder hochgekämpft. Aber wie lange?
Der Ölpreis hat sich wieder hochgekämpft. Aber wie lange?(Foto: REUTERS)
Freitag, 05. Mai 2017

Preisverfall bei Öl und Metall: Schlingerkurs an den Rohstoffmärkten

Von Diana Dittmer

Kurz vor dem Wochenende geht ein kleines Beben durch die Rohstoffmärkte. Nicht nur die Ölpreise geraten ins Rutschen, auch die Metallpreise erleben einen Mini-Crash. Die Nervosität der Anleger ist begründet.

Absturz, Erholung, Absturz - die Ölpreise stehen seit Mitte April wieder kräftig unter Druck. Und insgesamt zeigt die Zickzack-Kurve steil nach unten. Nach jeder noch so zarten Erholung folgt der nächste Preisrutsch. Analysten gehen davon aus, dass es vorerst volatil bleiben wird. Der Optimismus von Anfang des Jahres sei vorbei, zitiert die "Financial Times" den Chef-Analysten bei CMC Markets in Sydney, Ric Spooner. "Der Preisverfall zeigt deutlich, dass das globale Wachstum bremst. Ich würde Geld vom Tisch nehmen," empfahl Cliff Tan der Bank of Tokyo Mitsubishi UFJ in Hongkong.

Am Ölmarkt ist am Freitag jedoch vorerst wieder Ruhe eingekehrt. Nachdem der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) in der Nacht noch unter die 45-Dollar-Marke gerutscht war und bei 44,47 Dollar im frühen Freitagsgeschäft sein Tagestief markiert hatte, wurde das Leichtöl zuletzt wieder über 46 Dollar gehandelt. Auf Wochensicht zeigen sich aber nach wie vor starke Verluste nicht nur bei Öl, sondern auch bei anderen wichtigen Rohstoffnotierungen. Gründe hierfür gibt es reichlich.

Fracking, Libyen und Opec

Der größte Belastungsfaktor für die Ölpreise sind die steigenden Fördermengen in den Vereinigten Staaten. Während das Ölkartell und einige andere Exportländer wie Russland ihre Produktion in den vergangenen Monaten drosselten, nutzten US-Ölfirmen den zwischenzeitlichen Ölpreis-Anstieg, um zusätzliche Bohrungen in den Boden zu treiben. US-Firmen steigerten ihren Ausstoß damit seit November um knapp sieben Prozent. Mit etwa 9,3 Millionen Barrel pro Tag liegt er aktuell auf dem höchsten Niveau seit fast zwei Jahren.

Aber nicht nur in den USA, sondern auch in Libyen deuteten sich zuletzt weitere Produktionssteigerungen an, nachdem sich zwei verfeindete Fraktionen im innerlibyschen Konflikt offenbar politisch angenähert haben. Außerdem schwelt im Hintergrund die Unsicherheit, ob die Opec-Staaten zur Stabilisierung der Preise die vereinbarten sechsmonatigen Produktionskürzungen Ende des Monats verlängern werden.

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"Die Strategie der Opec zur Reduzierung der Lagerbestände ist bislang nicht aufgegangen", sagte Neil Beveridge vom Research-Haus Alliance Bernstein. "Es scheint offensichtlich, dass die Opec ihre Förderkürzungen über einen längeren Zeitraum als sechs Monate beibehalten muss, um überhaupt die Chance auf Erfolg zu haben", ergänzte er. Saudi-Arabien zufolge sind sich die großen Exportländer bereits einig darüber, die Ende November beschlossene Förderbremse zu verlängern. Die Beteuerungen der Opec reichen immerhin, die Preise zwischenzeitlich zu stabilisieren.

Die Frage ist jedoch, wie lange. Denn bislang haben die Kürzungen nichts an den robusten globalen Ölvorräten geändert. Das Angebot ist immer noch größer als die Nachfrage. Und die Chancen auf größere Kürzungen beim kommenden Opec-Treffen am 25. Mai werden unter Experten gering eingeschätzt, wie Analyst James Woods vom Brokerhaus Rivkin betonte.

Risiken in China und USA

Hinzu kommen die Bremsspuren in der globalen Wirtschaft. Die großen Industrienationen wachsen nicht mehr so stark, die Rohstoffnachfrage schrumpft. Nicht nur in China, dem zweitgrößten Ölverbraucher der Welt, stehen die Zeichen auf rückläufigen Energiebedarf. Der Dienstleistungssektor war im April so langsam gewachsen wie seit einem Jahr nicht mehr. Die chinesische Wirtschaft wird 2017 zwar weiter wachsen, die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten sind aber vorbei. Auch in den USA lauern Risiken.

Der der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostizierte zwar, dass die globale Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 3,5 Prozent zulegen werde. Doch die Experten warnen: Die Risiken durch Protektionisten wie Donald Trump werden eher größer. Die vor unter der Regierung von des US-Präsidenten aufkommende Abschottungspolitik könnte nicht nur die amerikanischen Beziehungen zu ihren Handelspartnern, sondern auch die internationale Wirtschaftszusammenarbeit als Ganzes bedrohen.

Enttäuscht sind die Anleger auch darüber, dass die von Trump im Wahlkampf versprochenen Ausgaben für Infrastrukturprojekte zuletzt eher in den Hintergrund gerückt sind. Kurz gesagt: Der Optimismus für die globalen Wirtschaftsaussichten hat deutlich nachgelassen.

Crash bei Industriemetallen

Nicht nur der Ölpreis steht deshalb unter Druck. Deutlich billiger sind inzwischen auch Eisenerz, Nickel und Kupfer. Am Markt für Industriemetalle bereitet den Investoren vor allem die chinesische Baukonjunktur Kopfzerbrechen. Der Kampf der Zentralregierung gegen die hohe Verschuldung der Regionen schüre Befürchtungen, dass einige große Infrastrukturprojekte auf der Strecke bleiben werden, schrieben die Analysten des Brokerhauses Sucden in einem Kommentar.

Dies drückte den Eisenerzpreis in China am Freitag 7,5 Prozent ins Minus auf 461,50 Yuan (67 Dollar) je Tonne. Das ist der niedrigste Schlusskurs seit vier Monaten. Einen weiteren kräftigen Preisrückgang gab es bei Nickel. Hier rutschte die Notierung zeitweise um 1,1 Prozent auf 8915 US-Dollar für eine Tonne. Das ist der tiefste Stand seit Mitte vergangenen Jahres. Seit Anfang April ist der Preis für Nickel um etwa 13 Prozent eingebrochen.

Bei Kupfer gab es seit Mitte der Woche einen Preisrückgang von etwa fünf Prozent. Am Vortag rutschten die Preise auf ein Viermonatstief. Es war der größte Verlust in 20 Monaten. Wie bei Öl ist die jüngste Talfahrt gestoppt. Die Notierung stand zuletzt kaum verändert bei 5548 Dollar für eine Tonne.

Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank verwies auf die in den USA versprochenen Investitionen in die Infrastruktur, die in der aktuellen Tagespolitik kaum noch eine Rolle spielen. "Die Märkte sind enttäuscht", beschrieb er die Stimmung. Zeitweise habe die Spekulation auf eine stärkere Nachfrage nach Industriemetallen in China die Enttäuschung über die Entwicklung in den USA etwas kompensiert, ergänzte er. Zuletzt sei es aber in China zu einer Verlangsamung der Baukonjunktur gekommen. Außerdem hätten höhere Zinsen die Entwicklung in China gebremst.

Quelle: n-tv.de

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