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Börsencrash 1987: Schnell vergessen, doch dazugelernt

Binnen eines Handelstages vernichtet der Kursrutsch am 19. Oktober 1987 ein Viertel des US-amerikanischen Börsenkapitals. Der "Schwarze Montag" an der New Yorker Börse vor 25 Jahren bleibt nicht der einzige Absturz. Dem regen Handel an den Aktienmärkten kann er auf Dauer aber nichts anhaben.

Börsen-Crash 1987: Eine lange Warteschlange vor der New York Stock Exchange. Alle wollen von der Besuchergalerie einen Blick auf die panischen Händler werfen.
Börsen-Crash 1987: Eine lange Warteschlange vor der New York Stock Exchange. Alle wollen von der Besuchergalerie einen Blick auf die panischen Händler werfen.(Foto: Mario Suriani/AP/dapd)

Monatelang schnellen die Kurse in großen Sprüngen nach oben und plötzlich können Anleger ihre Papiere nicht schnell genug losschlagen. Am 19. Oktober 1987 erlebt die Wall Street ihren bislang schwärzesten Tag. Die Kurse in New York stürzen ab, rund um den Globus brechen die Aktienmärkte ein. Der Börsencrash vor 25 Jahren geht als "Schwarzer Montag" in die Finanzgeschichte ein.

"Die Verkaufsaufträge gingen waschkörbeweise ein", erinnert sich Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser, der seit mehr als 40 Jahren an der Frankfurter Börse aktiv ist. "Viele Makler waren total überfordert, manche Kollegen übernachteten sogar in der Börse, die Pizzadienste hatten Hochkonjunktur."

508 Punkte büßte der wichtige Dow-Jones-Index damals ein, 22,6 Prozent Verlust an einem einzigen Tag. Damit verpuffte fast ein Viertel des amerikanischen Börsenkapitals. Als ausschlaggebend galten Probleme in den USA: Wegen Inflation und hohem Handelsdefizit sank das Vertrauen in den US-Dollar.

"Wäschekörbeweise Verkaufsaufträge". Die Bezeichnung "Schwarzer Montag" ist eine Variation auif den "Schwarzen Donnerstag" am 24. 10.1929.
"Wäschekörbeweise Verkaufsaufträge". Die Bezeichnung "Schwarzer Montag" ist eine Variation auif den "Schwarzen Donnerstag" am 24. 10.1929.(Foto: Marty Lederhandler/AP/dapd)

"Es machte klick. Es war, als würden die Zuschauer eines voll besetzten Theaters versuchen, durch einen einzigen Ausgang nach draußen zu gelangen", zitierte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" den US-Finanzprofessor Chris Lamoureux zum 20. Jahrestag das "Schwarzen Montag" vor fünf Jahren. Bis heute ist umstritten, welche Ursachen zu diesem Börsenkrach führten. Es wird vermutet, dass mehrere verschiedene Gründe zum "schwarzen Montag" führten. 

In den Jahren vor dem Crash kannte die Euphorie der Börsianer kaum Grenzen. "Seit 1982 trampelten die Bullen durch die Wall Street", bilanzierte der "Spiegel". Auch 1987 kannten Aktienkurse im Grunde nur eine Richtung: aufwärts. Oft waren die Kurssprünge deutlich größer als der Zuwachs der Unternehmensgewinne. Neue elektronische Systeme machten den Handel zudem immer schneller.

"Es musste scheppern"

"Ich hatte in New York gemerkt, dass die Leute durchdrehen", sagte der als "Crash-Prophet" bekanntgewordene Roland Leuschel 2007 dem "Manager Magazin" und ergänzte: "Ich war als Berater bei einer Wall-Street-Firma, die einen neuen Rentenhändler einstellen wollte. Ein junger Bewerber verlangte 150.000 US-Dollar im Jahr. An diesem Beispiel habe ich gemerkt, dass die Leute ihren Maßstab verloren hatten. Ich kam zurück und dachte, wenn die Profis alle so denken, dann muss es scheppern."

Es schepperte weltweit, der erste große Börsencrash seit dem Zweiten Weltkrieg. Von einem "gewaltigen systemischen Schock" spricht die US-Notenbank Fed später, "der Markt war ernsthaft gestört". In Tokio gab es in der Folge des Wall-Street-Absturzes den bis dato schwersten Kurssturz in der Geschichte der japanischen Börse, in Sydney büßten Aktien binnen 45 Minuten 20 Prozent ihres Wertes ein, in Hongkong wurde die Börse für den Rest der Woche geschlossen.

Quasi über Nacht wurde Spekulanten wie Millionen Kleinanlegern teils schmerzhaft bewusst, dass Aktienhandel keine risikolose Einbahnstraße ist. An der Wall Street warfen Anleger und Händler am "Schwarzen Montag" mehr als 600 Mio. Aktien auf den Markt - fünf Mal so viel wie üblich.

Vom Crash profitieren

Typisch Börse: "Nach 14 Tagen war alles vergessen", erinnert sich Hauck & Aufhäuser-Fachmann Helmer an den Herbst 1987. Der Finanzwissenschaftler und Steuerberater Stefan Homburg lässt sich nach eigenem Bekunden nicht "von der Irrationalität der Finanzmärkte" an der Nase herumführen: Er habe, so verriet Homburg dem "Tagesspiegel", den Börsencrash 1987 erfolgreich zu Geld gemacht: "Ich habe alle Bundeswertpapiere verkauft und den Betrag in Aktien gesteckt. Das hat sich gelohnt, schon bald zogen die Kurse wieder an, und ich habe beim Verkauf der Papiere viel verdient."

Und was hat die Finanzwelt aus dem "Schwarzen Montag" gelernt? Die Computerbörse wurde perfektioniert. Allerdings bewahrte auch das nicht vor Pannen: Anfang Mai 2010 sackte der Dow Jones um satte zehn Prozent ab, binnen Minuten wurden gut 800 Mrd. US-Dollar Börsenwert vernichtet. Ein einzelner Händler hatte den Kurssturz ausgelöst - mit einem im Grunde ganz alltäglichen Termingeschäft. Doch weil das Volumen groß und das Computerprogramm schnell war, kam es zu einer Kettenreaktion. Börsenprofi Helmer sieht das Auf und Ab an den Aktienmärkten nüchtern: "Es wird immer wieder Pannen geben."

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Quelle: n-tv.de

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