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Canary Warf: Der Finanzdistrikt von London. Wer hier was werden will, muss ranklotzen.
Canary Warf: Der Finanzdistrikt von London. Wer hier was werden will, muss ranklotzen.(Foto: dpa)

Untersuchung zum Tod des BoA-Praktikanten: Schuftete sich Moritz E. zu Tode?

Elitestudent Moritz E. will in London groß rauskommen. Er hofft nach seinem Praktikum bei einer Investmentbank auf eine Topkarriere als Banker. Nach tagelangem Dauerstress bricht er tot zusammen. Ein Gericht untersucht die Todesumstände - und stochert im Nebel.

Dem Londoner Gericht, das die Todesumstände eines 21 Jahre alten deutschen Bank-Praktikanten untersucht, liegen erste Erkenntnisse vor. Danach ist der im August in London verstorbene Moritz E., der ein Praktikum bei der Investmentbank Merrill Lynch absolvierte, nicht an Überarbeitung gestorben. Das ergibt eine Untersuchung, die vom Gericht in Auftrag gegeben wurde, um Fragen im Zusammenhang mit dem Obduktionsbericht zu beantworten. Merrill Lynch gehört zur Bank of America.

Die Gerichtsmedizin fand heraus, dass die Epilepsie-Erkrankung des Praktikanten die Ursache für den Tod war. Extreme Müdigkeit könnte jedoch die Wahrscheinlichkeit eines epileptischen Anfalls gesteigert haben, sagte der Gerichtsmediziner, ohne die Frage abschließend zu beantworten.

"Es mag einen zusätzlichen Auslöser gegeben haben oder auch nicht", sagte Gerichtsmediziner Pete Vanezis. Es gebe sehr starke Anzeichen, dass dem Tod ein Anfall vorausgegangen sei. "Epilepsie ist unvorhersehbar", sagte der Mediziner. Selbst bei Einnahme von Medikamenten könne es zur Auslösung eines Anfalls kommen.

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Bei der Untersuchung geht es vor allem darum, zu ermitteln, ob die extremen Arbeitsbedingungen zum Tod des 21-jährigen führten. Das konnte die Untersuchung jedoch nicht belegen.

Der junge Mann war im Sommer tot in der Dusche seines Studenten-Zimmers in London gefunden worden. Zuvor soll er zum Ende seines siebenwöchigen Praktikums in der Investmentbanking-Sparte nach Aussagen von Kollegen drei Nächte praktisch durchgearbeitet haben. Der für den jungen Mann verantwortliche Manager der Bank of America, Jürgen Schröder, erklärte, dass niemand beim Geldhaus von der Erkrankung des jungen Mannes wusste.

Aussage der Eltern

Zu Beginn der gerichtlichen Untersuchung sagten auch die Eltern des jungen Mannes vor dem Poplar Coronors Court in London aus. Sie hätten sich Sorgen gemacht, sagte der Vater. Er habe oft morgens um 5 Uhr oder 6 Uhr E-Mails nach Hause geschrieben. "Besonders meine Frau war der Meinung, dass er nicht genug Schlaf bekommt", sagte der Vater vor Gericht. Er fügte hinzu, er sei voller Leben gewesen und habe sich nie über Überstunden beschwert.

Der Tod hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt und eine Diskussion über die Ausbildung von Banker-Nachwuchs in der Londoner City ausgelöst. Bankintern hatte er eine umfassende Überprüfung der Arbeitsbedingungen von jungen Angestellten zur Folge. Das Finanzinstitut hat in der Folge geklärt, seine Praktikanten und jungen Mitarbeitern dabei unterstützen zu wollen, ein besseres Gleichgewicht zwischen dem Job und der Freizeit zu finden.

Moritz E. war als Student bei der Privathochschule Otto Beisheim School of Management in Vallendar in Rheinland-Pfalz eingeschrieben und hatte zuvor ein Austauschsemester in den USA absolviert. Die Untersuchung vor Gericht dauert an.

Quelle: n-tv.de

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