Wirtschaft
Der Schwarzarbeit ist nur schwer beizukommen.
Der Schwarzarbeit ist nur schwer beizukommen.

Vor allem im Privaten: Schwarzarbeit blüht noch

Ob als Handwerker, Putzhilfe oder Babysitter: Fast zehn Millionen Menschen in Deutschland arbeiten schwarz, sagen Experten. Und das ist kein Kavaliersdelikt, denn dem Fiskus entgehen dadurch Milliarden. Insgesamt ist die Schwarzarbeit in Deutschland jedoch leicht auf dem Rückzug.

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Man findet sie fast überall: Im Taxi, auf Großbaustellen oder beim Rasenmähen in Nachbars Garten. Schwarzarbeit ist in Deutschland weit verbreitet. Fast jeder siebte verdiente Euro wird am Fiskus vorbeigeschleust, rechnen das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und Schattenwirtschaftsexperte Friedrich Schneider von der Universität Linz vor. Damit steht Deutschland etwas schlechter da als der Durchschnitt der Industrienationen.

Dem Zoll gelingen zwar immer wieder aufsehenerregende Fahndungserfolge gegen Schwarzarbeit im großen Stil. Doch die Fahnder haben es schwer: Denn ein großer Teil der Schattenwirtschaft spielt sich in Privatwohnungen ab.

168.000 Ermittlungsverfahren haben die Schwarzarbeitsfahnder vom Zoll 2011 eingeleitet. Dabei ging es um Steuer- und Abgabenbetrug in Höhe von über 660 Mio. Euro. Für die Täter gab es am Ende zusammengerechnet 2100 Jahre Gefängnis und 49 Mio. Euro Geldstrafen. Und trotzdem ist das letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn insgesamt schätzen Schneider und das IAW das Volumen der Schattenwirtschaft in Deutschland für dieses Jahr auf 340 Mrd. Euro. Das sind 13,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und 0,2 Prozent weniger als 2012. Der Höhepunkt wurde im Jahr 2003 mit einem Anteil von 17,1 Prozent erreicht. Seitdem sank die Quote kontinuierlich mit Ausnahme des Krisenjahres 2009.

Handwerker, Putzfrauen, Babysitter

Großbaustellen, auf denen der Zoll von Zeit zu Zeit Hunderte Schwarzarbeiter auffliegen lässt, sind das eine. Doch viel häufiger finde Schwarzarbeit im Kleinen statt, sagen Experten. Etwa beim Handwerker, der nach Feierabend noch eine Baustelle auf eigene Rechnung macht. Bei der Putzfrau, die ihr Geld jedes Mal in bar bekommt. Oder beim Nachbarsmädchen, das abends als Babysitterin arbeitet. Sobald bei solchen Gefälligkeiten nennenswerte Beträge fließen, sei das Schwarzarbeit, sagt Zoll-Sprecherin Silke Borning.

Etwa acht Mio. Menschen sind auf diese Weise als Nebenerwerbs-Schwarzarbeiter tätig, schätzt Schneider. Vollzeit-Schwarzarbeiter gebe es hingegen nur knapp eine Million - vor allem Arbeitslose und Frührentner.

Dabei ist Schwarzarbeit aus Sicht des Gesetzgebers kein Kavaliersdelikt. Einem Handwerker, der zum Beispiel schwarz das Badezimmer einer Wohnung fliest, droht ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung und Vorenthaltung von Sozialabgaben. Ein Hartz-IV-Empfänger, der neben dem Geld von der Arbeitsagentur noch Lohn aus Schwarzarbeit kassiert, begeht Sozialbetrug. Der Zoll komme solchen Fällen oft auf die Spur, weil etwa Nachbarn die Behörden informiert haben, sagt Borning. Am Ende drohen hohe Strafen.

Am weitesten verbreitet ist die Schwarzarbeit nach Schneiders Berechnungen im Baugewerbe und Bauhandwerk, wo 38 Prozent am Fiskus vorbei verdient werden. Es folgen Hotels und Gaststätten sowie das Kfz-Gewerbe mit jeweils rund 17 Prozent. Auch in haushaltsnahen Dienstleistungen etwa bei Nachhilfe, Putzen oder Babysitten mache Schwarzarbeit noch 15 Prozent aus. "Das sind Bereiche, in denen man relativ leicht arbeiten kann, weil man nichts anderes als seine eigene Arbeitskraft braucht", sagt Schneider.

Leidtragende seien die Steuerzahler - und auch die ehrlichen Betriebe der Branche. "Wer Steuern und Sozialabgaben zahlt, der kann eine Leistung natürlich nicht so günstig anbieten wie jemand, der das nicht tut", sagt IAW-Geschäftsführer Bernhard Boockmann. Doch dank der derzeit guten Lage auf dem Arbeitsmarkt nehmen die meisten Menschen lieber einen regulären Job an. "Für Schwarzarbeit fehlt ihnen dadurch schlicht die Zeit und die Motivation", so Boockmann

Quelle: n-tv.de

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