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"Die sinkende Sonne verdoppelt die Schatten", wussten schon die alten Römer

"Die sinkende Sonne verdoppelt die Schatten", wussten schon die alten Römer(Foto: picture alliance / dpa)

Freitag, 27. Januar 2012

Subventionierter Spreu und Weizen : Solarbranche wird ausgesiebt

von Samira Lazarovic

Die deutsche Solarbranche steht Kopf: Statt von der Energiewende zu profitieren, häufen sich die Schreckensmeldungen bei Q-Cells & Co. Was Kleinanleger kalt erwischt, wundert Branchenkenner nicht. Subventionen streichen, wettbewerbsunfähige Firmen in die Pleite schicken und dann schauen, wer übrig bleibt. Ist das das Rezept für eine sonnige Zukunft?

Was ist bloß in der Solarbranche los? Statt das nach der Energiewende in Deutschland und Rekordverkaufszahlen die Sonne richtig aufgeht, gibt es fast täglich neue schlechte Nachrichten: Bei Q-Cells ist das Eigenkapital aufgezehrt, Conergy schreibt deutlich höhere Verluste als erwartet und Solon und Solar Millennium mussten bereits Insolvenz anmelden. In Berlin nimmt derweil das Gezänk um die staatliche Förderung von Solarstrom kein Ende. Und dann sind da noch die Chinesen, die mit Billigangeboten den Markt unter Druck setzen.

Die schlechten Nachrichten mitsamt den darauf folgenden Kurseinbrüchen haben viele Kleinanleger, die ihr Geld in die sonnigen, weil nachhaltigen Aktien gesteckt haben, auf dem falschen Fuß erwischt. Manche Analysten haben die Entwicklung jedoch schon lange vorhergesehen und vor der Branche gewarnt. Jahrelang hätten die Solarfirmen nur dank der Fördermittel vom Bund gut gelebt, sagt ein Analyst auf Nachfrage von n-tv.de. Solarwerte hat er Anfang Januar 2012 komplett von seiner Beobachtungsliste gestrichen - schlicht, weil es sich nicht länger lohnte. "Böse gesagt waren das 'Grüne Ökofreaks', die in einer Werkshalle auf einer Wiese Solarmodule gebastelt haben, ohne Unternehmensstrategie, ohne Produktpositionierung", meint der Marktbeobachter. Das habe jahrelang gut funktioniert, ein Unternehmen wie Solon sei da das beste Beispiel. Jahrelang habe Solon damit geprahlt, dass die Kunden ihnen die Module quasi vom Hof holten. Doch dann sei aus dem Verkäufermarkt ein Käufermarkt geworden, und da habe Solon das richtige Management gefehlt.

Wettbewerbsverzerrende Subventionen

Im Jahr 2011 wurden zwar so viele Solaranlagen in Deutschland verkauft wie nie. Die größten Profiteure waren jedoch die chinesische Firmen, die seit etwa fünf Jahren den Markt erobern. Da in vielen Solaranlagen sowohl deutsche als auch chinesische Technik zu finden ist, gibt es keine offiziellen Zahlen über den Marktanteil der chinesischen Hersteller. Hinter vorgehaltener Hand wird jedoch von einer Durchdringung zwischen 60 bis 80 Prozent gesprochen – unterfüttert mit deutschen Fördergeldern. Eine Entwicklung, die der Politik sauer aufstößt: Bundesumweltminister Norbert Röttgen wirft China eine gezielte Verdrängung deutscher Firmen und Monopolstreben in der Solarbranche vor.

Branchenanalysten sehen das weniger emotional: Aus wirtschaftlicher Sicht hätten die Chinesen alles richtig gemacht, heißt es. Deutschland habe dank der Subventionen die Nachfrage kreiert und China habe geliefert. Die Lehre daraus dürfe jetzt aber nicht heißen, noch mehr Fördermittel in den Markt zu drücken. Deutschland habe genug gezahlt, um die Solartechnik in der Welt voranzubringen. Wer jetzt dem Wettbewerb nicht standhalte, müsse halt in die Pleite gehen – wer die nächsten drei Jahre auch ohne Fördermittel überlebe, der sei auch in Zukunft dabei.

Für Solarworld-Chef Frank Asbeck ist China ein Reizthema und eine weitere Senkung der Fördermittel indiskutabel. Doch in einem Punkt ist Asbeck mit den Kritikern seiner Branche einer Meinung : 2012 und 2013 werden die entscheidenden Jahre für die Solarindustrie. "Jetzt trennt sich die Spreu von Weizen. Nur wer in der Vergangenheit seinen Fokus auf Effizienz und Kostenreduktion gelegt hat, wird noch mitspielen können, wenn mit der Netzparität, den gleichen Kosten für Solarstrom und konventionellen Strom, der endgültige Durchbruch für die Photovoltaik ansteht", erklärte Asbeck in einer Pressemitteilung.

Nicht sonnig genug

Fraglich bleibt dabei, ob Solarstrom überhaupt das richtige Produkt für Deutschland ist. Deutsche Energieriesen wie Eon oder RWE, die nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern sind, winken ab: Solarenergie aus Deutschland sei keine ertragreiche Idee. Sie setzen auf Biomasse-Mitverbrennung in deutschen Kohlekraftwerken oder auf Offshore-Windparks.

Im Hinblick auf das Thema Nachhaltigkeit sind Offshore-Windparks und Biomasse für die meisten Anleger jedoch keine gute Anlage-Alternative. Tierschützer warnen vor der Belastung der Wale und Delfine bei den Offshore-Windparks. Bei Biomasse als Energiequelle bleibt das ungute Gefühl, Hungersnöten Vorschub zu leisten. Doch bis sich herauskristallisiert, welche der Solarfirmen tatsächlich überlebensfähig sind, bleiben Solaraktien wohl so etwas wie ein verspäteter New-Economy-Traum.

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Kommentare
Malta Resident schreibt:
27.01.2012 16:47

Doch dann sei aus dem Käufermarkt ein Verkäufermarkt geworden. Wohl was verwechselt bzw. nicht verstanden.

H66 schreibt:
27.01.2012 16:49

Man wird sehen, wenn der letzte Solarhersteller verschwunden ist, dann werden EON/RWE/VATTENFALL/ENBW wie Phoenix aus der Asche auferstehen und sich diese Technologien für viel Geld abkaufen lassen. Soll heissen, womöglich werden Häuslebauer dazu verpflichtet Solarzellen aufs Dach zu schrauben/Lobbyisten sei Dank. Die Subventionen werden weiter fließen, nur die Big4 werden ihre Anlagen dann entweder verleihen oder verleasen. Das Geschäft verleiben die sich ein. Die Gewinne bleiben wieder bei Ihnen. Das ist sicher.

Samira Lazarovic schreibt:
27.01.2012 16:55

@Malta Resident: Herzlichen Dank für den Hinweis. Es handelte sich tatsächlich um eine Verwechslung.

Pythagoras schreibt:
27.01.2012 17:53

Die Darstellung des Markteintritts der Chinesischen Firmen in den Deutschen markt wird von den Medien immer sehr unvollständig dargestellt. Tatsache ist, dass Der Chinesische Staat seine Solarfirmen mit immensen Milliardenbeträgen subventioniert und so die chinesischen Solarmodule mit Dumpingpreisen auf den deutschen Markt kommen. Die Lobby der chinesischen Wirtschaft ist in der deutschen Politik ist bedeutend stärker als die der Deutschen Solarindustrie. Sicher hat die schwarz-gelbe Regierung kein Interesse an einem Industriezweig , der traditionsgemäß eher bei den Grünen beheimatet ist. Parteiinteressen kommen immer vor nationalen Interessen. RWE und EON sind natürlich sehr eng mit schwarz-gelb verbunden trotz Atomausstieg.

Rainer5211 schreibt:
27.01.2012 18:34

Welch ein Blödsinn dass die schwarz-gelbe Regierung daran Schuld ist, eher wird es Zeit , dass wenn überhaupt Subventionierung, diese in Forschung nach wesentlich effektiveren Energieerzeugungen gesteckt werden. Sollen wir demnächst 1 Euro für die kwh zahlen? Nein Energie ist genügend vorhanden, nur muß die entsprechend genutzt und verteilt werden. Warum wird Wasserkraft so wenig eingestzt , warum nicht auf Erdwärme? Gerade wo wir die Kohle aufgeben, könnte man doch aus den Tiefen der Bergwerke die dort offen liegende Wärme verbrauchen ! Aber das scheint doch gar nicht gewollt zu sein, denn diese Abwärme wäre ja jetzt gratis verfügbar! Warum nicht die Abwärme der Stahlindustrie nutzen, warum nicht die Sintergase usw? Nach meiner Meinung kann man damit nicht genug verdienen!

D.Gabriel schreibt:
27.01.2012 20:24

Zum Thema Verwechslung Käufer/ Verkäufer, bei n-tv sollte überhaupt mal öfter Korrektur gelesen werden. Und zum Thema chinesische Produkte kann ich nur sagen, der deutsche Konsument käuft doch auch gern billig/ bzw entscheidet bei der Produktwahl erst über den Preis und dann erst über Qulität- da kann kaum eine Deutsche Firma mit den chinesischen Löhnen mithalten- es sind eben nicht nur die chinesischen Subventionen. Außerdem wenn deutsche Firmen ins Ausland verkaufen ist das für uns doch auch ok, gell! So funftioniert Globale Marktwirtschaft

Ökofreak schreibt:
28.01.2012 10:53

Subventionen, Förderung, Transferleistungen beziehen sich leider auf Branchen, die u.a. wirtschaftlich nicht nachhaltig sind. Solarstrom aus Deutschland ist wie Bananen aus Alaska, für die Strommenge eines Atommeilers muß man im Schwarzwald etwa 3000 dreitausend Windmühlen aufstellen.Dabei sind Netzinfrastruktur und Pumpspeicherwerke noch nicht berücksichtigt.Freunde, wir machen uns lächerlich, wenn wir bei `Grünen Investitionen` unseren Sachverstand ausschalten.

Solarfan schreibt:
28.01.2012 18:08

@ Pythagoras: Wo sind denn die Beweise, für die Tatsache, dass chinesische Hersteller mit Milliardenbeiträgen subventioniert werden. Ich wäre da etwas vorsichtig mit diesen Pauschal-Aussagen. RWE und EON haben kein Interesse an Solar, weil Ihnen dadurch ihr quasi Monopol genommen wird. Dezentrale Stromversorgung vs. Zentrale. Wenn die Speichertechnologie ausgereift ist, werden die sich noch umgucken.

Sauerlandeddie schreibt:
29.01.2012 14:15

Fakt ist, die Photovoltaik wird ihren Anteil zur Stromerzeugung auch langfristig deutlich unter 5 halten. Wir brauchen umgehend vernünftige und langfristige Alternativen. Wer behauptet, bei Biomasse als Energiequelle bleibt das ungute Gefühl, Hungersnöten Vorschub zu leisten, hat das Thema nicht verstanden, oder Tetzlaff noch nicht gelesen. Vorschlag: Lesen wir als erstes nur mal die Rezessionen z.B. in Amazon zu dem Buch: Wassrstoff für alle von Karl-Heinz Tetzlaff. Der Rest ergibt sich...

Soarfan2 schreibt:
30.01.2012 08:40

Die Solarförderung hat einen grundlegenden Fehler, die nur teilweise mit dem Breitengrad aber sehr stark mit der fehlenden Vorgabe zu tun hat, das Solarparkbetreiber für die Förderung nicht verpflichtet sind Solarzellen aus Deutschland resp von Deutschen Herstellern zu verwenden. Nur so wäre garantiert das nicht mit deutschen Steuergeldern Solarparks mit Chinesischen und anderen ausländischen Solarzellen hochgezogen werden. Durch die Verpflichtung wäre sichergestellt das die Wirtschaftsförderung für Solarstrom auch in der Solarindustrie in Deutschland ankommt und Arbeitsplätze in der solarindustrie erhalten bzw. gefördert werden. Es ist schon irrwitzig wenn mit Steuerngeldern die Vernichtung der eigenen Solarindustrie beschleunigt wird zugunsten von ausländischen Herstellern.

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