Wirtschaft
George Soros: 82 Jahre und kein bisschen leise.
George Soros: 82 Jahre und kein bisschen leise.(Foto: dpa)

Deutschland soll zahlen oder austreten: Soros fordert radikalen Schnitt

Der milliardenschwere Finanzinvestor Soros spart bekanntlich nicht mit Kritik an dem Euro-Krisenmanagement der Deutschen. Dabei scheut er auch nicht vor drastischen Lösungsvorschlägen zurück. Wenn Deutschland den Krisenländern nicht helfen wolle, bleibe nur der Euro-Austritt, erneuert er seine Forderung. Damit würden sich alle Probleme in Luft auflösen.

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Der US-Großinvestor George Soros erneuert seine Kritik an Deutschlands Strategie in der Euro-Krise. Seiner Ansicht nach führt kein Weg an radikalen Entscheidungen in der Schuldenkrise vorbei. Wenn Deutschland nicht als "Hegemon" auftreten und damit seiner Führungsrolle als größter Volkswirtschaft gerecht werden wolle, sollte Deutschland den Euro-Raum verlassen. Dann "würde sich das Problem in Luft auflösen", sagte Soros bei einem Treffen von Ökonomen in New York. Der Euro würde so an Wert verlieren und sich die Zinsen der dramatisch verschuldeten Staaten anpassen.

Die Krise sei ein "Alptraum", warnte Soros auf der Konferenz der National Association for Business Economics. Sollte den hochverschuldeten Ländern wie Griechenland nicht stärker geholfen werden, werde es zu einer längeren Depression in Europa führen. Es sei Deutschlands Aufgabe, den Krisenländern zu helfen, aus dem Teufelskreis von zu hoher Verschuldung und wirtschaftlicher Talfahrt herauszukommen.

Krise mit Ansage

Die Architekten des Euro hätten von den Mängeln gewusst, als sie den Euro schufen. Sie hätten eine Zentralbank geschaffen, doch kein gemeinsames Finanzministerium. Wie in jedem Auf- und Ab-Zyklus habe es in den ersten Jahren Optimismus und Nachsicht gegeben, doch mit der Verschärfung der Lage habe sich auch die Einstellung der Beteiligten geändert.

Deutschland habe auf einem Weg des geringsten Widerstands nur ein Minimum getan, um den Euro zusammenzuhalten, doch dies sei nicht genug, sagte Soros weiter. Faktisch habe der Euro bewirkt, dass die Schuldnerländer sich in weniger entwickelte Länder verwandelt hätten, die sich in einer fremden Währung verschulden mussten. Sie hätten das Recht zum Gelddrucken aufgegeben.

Es habe die Fehlannahme gegeben, dass Staatsschulden risikolos seien und dieser fundamentale Webfehler sei aufgedeckt worden. Dem könnte durch Einführung von Euro-Bonds begegnet werden, doch dies sei in Deutschland politisch nicht durchsetzbar. Auch wenn Deutschland nicht böswillig handle, bliebe unterm Strich die Tatsache, dass sich der Gegensatz zwischen Schuldnern und Gläubigern vertiefe. Dieser Gegensatz könnte ein dauerhafter bleiben. Es werde zwar erkannt, dass etwas Grundlegendes falsch sei, doch wie dies gelöst werden kann, sei bis jetzt nicht klar.

"Deutschland muss sich entscheiden"

Bereits im September hatte Soros mit deutlichen Worten an Deutschland appelliert, seiner Führungsrolle gerecht zu werden. "Deutschland muss entscheiden, ob es wohlwollender Hegemon werden will oder den Euro verlassen möchte", hatte der 82-jährige Multi-Milliardär angemahnt.

Soros gehört in der zwei Billionen Dollar schweren Hedgefonds-Branche zu den Starinvestoren. Er verwaltet Vermögenswerte von etwa 25 Mrd. US-Dollar. Seine Investments werden genau beobachtet. Bekannt wurde er, als er 992 im großen Stil gegen das britische Pfund wettete.

Quelle: n-tv.de

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